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Polizei reagiert mit verstärkter Präsenz

Reeperbahn Polizei reagiert mit verstärkter Präsenz

Mehr Polizeistreifen, Videokameras und Beamte in Zivil: Die Polizei hat am Wochenende auf der Reeperbahn in Hamburg Stärke demonstriert. Auch der Innensenator und der Polizeichef machten sich ein Bild von der nächtlichen Lage.

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Die Polizei hat am Wochenende auf der Reeperbahn in Hamburg Stärke demonstriert.

Quelle: Axel Heimken/dpa

Hamburg. Am ersten Wochenende nach Bekanntwerden der sexuellen Attacken auf Frauen in der Silvesternacht in Hamburg hat die Polizei deutlich verstärkte Präsenz auf der Reeperbahn gezeigt. Sowohl Freitag- als auch Sonnabendnacht war eine Hundertschaft im Einsatz. Die politische Debatte über Konsequenzen aus den Vorfällen ging am Wochenende unterdessen weiter.

Nach den sexuellen Attacken in der Silvesternacht waren bis zum Sonntag weitere Anzeigen eingegangen. Die Zahl stieg damit von 108 Strafanzeigen am Freitag auf 133, wie die Polizei mitteilte.

In der Nacht zum Sonntag waren auch Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und Polizeipräsident Ralf Martin Meyer vor Ort und machten sich ein Bild von der Lage. Der Sprecher der Innenbehörde, Frank Reschreiter, sagte, es sei den beiden vor allem darum gegangen, mit den Polizisten zu reden und sich zu informieren. „Wir wollen deutlich machen, dass man auf St. Pauli sicher feiern kann“, zitierte das „Hamburger Abendblatt“ Polizeipräsident Meyer.

Besondere Vorfälle wie in der Silvesternacht habe es nicht gegeben, teilte die Polizei am Sonntag mit. Es habe eine „normale Kiezlage“ geherrscht, sagte ein Polizeisprecher am Sonnabend.

Hundertschaft und Reiterstaffel

Überall auf der Reeperbahn waren am Wochenende Beamte auf Streife. Neben der Hundertschaft waren auch die Reiterstaffel und Polizeiwagen mit Videokameras auf dem Dach im Einsatz. Beamte mit Kameras am Körper, sogenannten Bodycams, seien ebenfalls unterwegs gewesen, sagte der Polizeisprecher. Nach seinen Angaben will die Polizei auch an den nächsten Wochenenden Stärke demonstrieren.

Insgesamt wurden laut Polizei in der Nacht zum Samstag 275 Menschen überprüft, es gab drei vorläufige Festnahmen. Augenzeugen schilderten das Geschehen auf der Reeperbahn Freitagnacht als eher ruhig. Es seien nicht so viele Partygänger unterwegs gewesen. Auch Samstagnacht war es nach Angaben von Szenegängern relativ ruhig.

Eine Aussage des stellvertretenden Hamburger Grünen-Vorsitzenden Michael Gwosdz, alle Männer seien potenzielle Vergewaltiger, sorgte indes für Wirbel. „Als Mann weiß ich, jeder noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch ich“, hatte der Grünen-Politiker einer Frau auf Facebook per Direktnachricht geschrieben — dem „Hamburger Abendblatt“ liegt die Nachricht nach eigenen Angaben vor. In den sozialen Medien gab es daraufhin Proteste, laut „Abendblatt“ erstatteten mehrere Bürger Strafanzeige wegen Beleidigung.

"Tätern aus allen gesellschaftlichen Schichten und jeglicher Nationalität"

Die Hamburger Grünen sprachen in einem Tweet von „viel Hysterie“ wegen einer alten These. Gwosdz entschuldigte sich am Wochenende auf Facebook für seine „provokante“ Äußerung. „Es tut mir leid, wenn meine Aussage, die nicht auf diese Vorfälle (an Silvester) bezogen war, den Eindruck erweckt, ich wolle die schlimmen Gewalterfahrungen der Frauen in der Silvesternacht bagatellisieren.“ Er habe nur deutlich machen wollen, „dass sexualisierte Gewalt und Grenzüberschreitungen traurige Realität sind — mit Tätern aus allen gesellschaftlichen Schichten und jeglicher Nationalität“.

Hamburg Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sprach sich unterdessen für eine schnellere Abschiebung krimineller Flüchtlinge aus. „Mein Gerechtigkeitsgefühl sagt mir: Wer in unserem Land zu Gast ist und Straftaten begeht, soll nicht hierbleiben“, sagte Scholz der Deutschen Presse-Agentur.

„Wer das Grundrecht auf Asyl schützen will, muss es auch gegen diejenigen verteidigen, die es beanspruchen und dann die Grundregeln unseres Zusammenlebens missachten.“ Deshalb sei es richtig, noch einmal zu prüfen, ob Abschiebungen weiter erleichtert werden könnten. Der SPD-Vize warnte aber zugleich vor Schnellschüssen.

Die Hamburger Landesvorsitzende Anna Gallina und ihr Stellvertreter Gwosdz erklärten am Sonntag: „Wer Frauen betatscht, nötigt oder vergewaltigt, muss dafür zur Rechenschaft gezogen werden, ohne Wenn und Aber, und egal woher er kommt.“ Integration könne nur auf der Basis unserer Grundwerte stattfinden.

Die Grünen-Landesvorsitzende in Schleswig-Holstein, Ruth Kastner, und die Sprecherinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Frauen der Partei, Sabine Rautenberg und Annedore Granz, forderten am Samstag die konsequente Ahndung der Verbrechen, unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus der Täter. „Die Straftaten sind massiv, erniedrigend und offenbar geplant. Wir hätten uns nicht vorstellen können, dass so etwas in Deutschland möglich ist.“

Der Kieler CDU-Landesvorsitzende Ingbert Liebing verlangte eine Abschiebungen straffälliger Asylbewerber und bessere Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit sowie Videoüberwachung.

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