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Queen-Frontmann Freddie Mercury wäre jetzt 70

Musik Queen-Frontmann Freddie Mercury wäre jetzt 70

Von schmaler Statur aber ein Gigant auf der Bühne mit einer vier Oktaven umfassenden Stimme: Queen-Frontmann Freddie Mercury, der schillernde Paradiesvogel der 70er und 80er Jahre, wäre am 5. September 70 geworden.

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Freddie Mercury hatte sein Publikum immer voll im Griff.

Quelle: dpa

London. Eigentlich ist es zum Lachen: Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump betritt gerne die Bühne in Schwaden von Nebel und dramatischem Licht, untermalt von Queens 1977er Hit "We Are The Champions".

Das Publikum rast - und vergisst, dass der bisexuelle Schöpfer des Songs für all das steht, was es ablehnt. Freddie Mercury war bekannt für seine erotischen Eskapaden und legendären Exzesse, wie jene Aftershow-Party zum Launch vom Album "Jazz" in New Orleans 1978, auf der er angeblich nackte Hintern signierte und in eine obszönen Freakshow aus Drag Queens, Schlangenbeschwörern und Legionen von Strippern eintauchte.

Gerne werden auch die Kleinwüchsigen erwähnt, die auf dem Kopf Tabletts mit Kokain balancierten, von dessen Qualität sich Mercury angeblich selbst überzeugt hatte. Schlagzeuger Roger Taylor sagte 2008 dem Queen-Biographen Mark Blake: "Das habe ich nie gesehen, aber die meisten Geschichten über diese Nacht sind nicht besonders übertrieben." Am Montag (5. September) wäre Queen-Sänger Freddie Mercury 70 Jahre alt geworden.

Geboren wurde Mercury als Farrokh Bulsara 1946 im damaligen britischen Hoheitsgebiet Sansibar, heute Teil von Tansania. Die parsische Familie schickte ihren achtjährigen Sohn für eine bessere Schulbildung nach Indien ins Internat. Die Strecke war so weit, dass er nur einmal pro Jahr mit dem Schiff seine Familie besuchte. Kommuniziert wurde in Briefen, und aus Farrokh wurde Freddie.

Anfang der 60er Jahre flüchtete die Familie vor der Revolution in Sansibar in einen Londoner Vorort. Der Vater arbeitete als Buchhalter, die Mutter im Kaufhaus Marks and Spencer. Swinging London war ein Kulturschock für den eher braven aber ehrgeizigen Freddie. Er entdeckte Jimi Hendrix, lebte seine Vorliebe für extravagante Kleidung, Leder und Federboas auf der Portobello Road aus und eröffnete einen Stand im legendären Kaufhaus Kensington Market.

1970 gründete er die Band Queen mit Astrophysik-Doktoranden Brian May (Gitarre) und Zahnmedizinstudenten Roger Taylor (Schlagzeug). Der Elektronik-Student John Deacon (Bass) stieß etwas später dazu. Ihre bombastische Kombination aus überzogener Theatralik und Heavy Rock sprengte alle Genre-Grenzen. Die Musikzeitschrift "Melody Maker" schrieb damals: "Queen ist entweder die Zukunft des Rock'n'Roll oder ein Bündel von Tunten im Delirium, die versuchen, auf den Bowie-Zug aufzuspringen, während sie Black Sabbath richtig schlecht verarschen."

Vier Jahre später etablierte die Band schließlich ihren Stil mit dem Hit "Killer Queen" und schaffte den internationalen Durchbruch. Ihr Kometenflug als schwerreiche Superstars begann, mit Rockhymnen wie "We Will Rock You", "Don’t Stop Me Now", "Radio Ga Ga" und "A Kind of Magic". "Bohemian Rhapsody" wurde zum besten Song aller Zeiten gewählt, doch die Bedeutung des Songs bleibt ein Geheimnis - Mercury selbst äußerte sich nie dazu. Sein langjähriger persönlicher Assistent Peter Freestone ist überzeugt, dass der Song ein heimliches "Coming Out" ist. Die Band selbst schweigt.

Unvergesslich sind die Mega-Stadiontouren der Band vor Hunderttausenden von Fans. Der eher schüchterne und schmächtige Mercury mit Riesen-Schnauzer und Überbiss verwandelte sich auf der Bühne in einen tanzenden Derwisch mit nacktem Oberkörper, gen Himmel geballter Faust und anzüglich wirbelndem Mikrofonständer. Er hatte sein Publikum völlig in der Hand, beobachtete seine Biografin Lesley-Ann Jones: "Das war, was er brauchte, eine gewaltiges Publikum, das völlig mit ihm im Einklang war. Die Musik befreite Freddie".

München wurde zur zweiten Heimat und zum Rückzugsgebiet, um produktiv zu arbeiten und ungestört in den Schwulenbars des Glockenbachviertels Männer aufzugabeln. Anfang der 80er Jahre lernte er dort Barbara Valentin kennen, eine österreichische Fassbinder-Schauspielerin. Sie lebten als Liebespaar zusammen, während er gleichzeitig weiterhin Affären mit Männern hatte. "For big tits and misconduct" ("für große Titten und schlechtes Benehmen") - mit dieser Widmung verewigte er die üppige Blondine auf seinem Soloalbum "Mr. Bad Guy".

Ihre Beziehung veränderte sich, als Mercury sich Mitte der 80er Jahre einmal in den Finger schnitt, Blut tropfte, und sie anschrie, ihn nicht zu berühren. Ab dann gehörte Barbara Valentin zum kleinen Kreis von Freunden, die von Mercurys Aids-Erkrankung wussten, auch wenn er sie nie ausdrücklich erwähnte.

Obwohl die Boulevardmedien schon lange darüber spekulieren, gab der 45-Jährige seine Erkrankung öffentlich erst im November 1991 zu. Am nächsten Tag (24. November) war Freddie Mercury tot, gestorben an einer Lungenentzündung infolge der HIV-Infektion. Seit seinem Tod verkauft die Band mehr Platten als jemals zuvor, und Mercury wurde ein größerer Star als er jemals zu Lebzeiten war.

Im Jahr nach seinem Tod gaben Weltstars ihm zu Ehren ein Abschiedskonzert im Wembley-Stadium, vor 72 000 Fans und schätzungsweise einer Millarde Fernsehzuschauern weltweit. Die Einnahmen wurden für den Kampf gegen Aids verwendet. David Bowie überraschte, als er auf der Bühne auf die Knie sank und für seinen früheren Freund ein Vaterunser betete.

Und Donald Trump? Die Band twitterte: "Eine nicht autorisierte Verwendung beim republikanischen Parteitag gegen unsere Wünsche - Queen" und stellte sicher, dass Trump ihre Musik in Zukunft nicht mehr verwenden darf.

dpa

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