16 ° / 11 ° stark bewölkt

Navigation:
Die totale Überwachung

Stuttgarter „Tatort“ Die totale Überwachung

Was wäre, wenn Kameras jeden Schritt und jede Geste von uns aufnehmen würden? Würde das für mehr Sicherheit sorgen? Der neue Stuttgarter „Tatort“ beschäftigt sich mit den Folgen ständiger Überwachung.

Voriger Artikel
François Cluzet will seinen Kindern Freude nahebringen
Nächster Artikel
Samuel Koch heiratet in seinem Heimatort

Ohne dass es ihnen bewusst ist, sind Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) auch außerhalb der Firmenzentrale von Bluesky im Fokus des Überwachungsprogramms -. eine Szene der "Tatort"-Folge "HAL".

Quelle: SWR/dpa

Stuttgart. Die Aufnahme ist eindeutig. Ein Video, das der Polizei zugespielt wird, zeigt den Mord an einer Schauspielschülerin - und den jungen Softwareentwickler David Bogmann (Ken Duken) als Täter. Aber entspricht es tatsächlich der Realität? Der neue Fall der Stuttgarter „Tatort“-Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) an diesem Sonntag dreht sich um die totale Kamera-Überwachung. Das Szenario spielt in einer gar nicht allzu fernen Zukunft.

Dabei wird die Leiche einer jungen Frau in einem Fluss gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass die Tote Schauspielschülerin war, sich aber auch mit Nebenjobs bei einem Online-Escortservice und bei einer Softwareschmiede namens Blue Sky über Wasser hielt.

Vor allem der Job bei Blue Sky führt dazu, dass ihr Gesicht auch nach ihrem Tod noch zu sehen ist: Die Firma hat ein Programm entwickelt, das mithilfe von Gesichtsaufnahmen Daten sammelt, zusammenführt - und dadurch Aussagen über künftiges Gewaltverhalten treffen soll. Auch von der getöteten Elena Stemmle (Sophie Pfennigstorf) wurden in dem Zusammenhang Aufnahmen gemacht - aus denen sich der junge Entwickler Bogmann eine virtuelle Frau geschaffen hat. Er hatte sie über den Begleitservice gebucht und sich in sie verliebt.

Doch nicht nur von Elena Stemmle gibt es eine virtuelle Version: Das Gesicht der Blue-Sky-Software ist eine Art Affenmensch, der sich Gestik, Mimik und Wissen der Menschen, die über zahlreiche Kameras beobachtet werden, angeeignet hat. Das Problem: Statt wie gewünscht Gewaltverbrechen vorherzusagen und so Straftaten zu verhindern, führt das Internet-Programm zunehmend ein Eigenleben - mit kriminellen Machenschaften.

Will es dem jungen Softwareentwickler Bogmann den Mord etwa in die Schuhe schieben? Und wenn ja - wer ist dann der Täter? Und woher stammen all die Aufnahmen, die in einem Hotelzimmer und somit außerhalb der mit Kameras gespickten Räume des Software-Unternehmens gemacht wurden?

Der zweite „Tatort“ nach der Sommerpause beschäftigt sich mit einem Zukunftsthema, das schon bald so oder ähnlich Realität sein könnte: Big Data und allgegenwärtige Kameras. Dabei geht „HAL“ stellenweise deutlich mehr unter die Haut als der typische Sonntagabend-„Tatort“. Tatsächlich erinnert die Folge bisweilen eher an einen Science-Fiction-Thriller als an einen klassischen Krimi.

„Die ganze Abhöraffäre war ja ein großes Thema in Deutschland“, sagte Schauspieler Felix Klare, der Kommissar Bootz spielt, der Deutschen Presse-Agentur. „Ich fand es gut, dass dieses Thema kommt.“ Der Autor habe sich dabei an den Stanley-Kubrick-Film „2001: Odyssee im Weltraum“ angelehnt. „Den sollte man sich noch mal anschauen, bevor man unseren „Tatort“ sieht“, sagte Klare. „Wenn man Fan von dem Film ist, dann müsste unser „Tatort“ eigentlich ein Genuss sein.“

Die Folge ist in Kapitel unterteilt, deren Bedeutung sich allerdings nicht gleich erschließt. Letztlich bleibt nach den 90 Minuten das beklemmende Gefühl, selbst auch unter Beobachtung zu stehen. So mancher Zuschauer dürfte um 21.45 Uhr wohl die kleine Kamera an Smartphone und Laptop am liebsten zukleben wollen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten: Panorama 2/3