12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Udo Lindenberg rockt Kreuzfahrer

Mein Schiff 3 Udo Lindenberg rockt Kreuzfahrer

Es gibt Begriffe, die sind auf Kreuzfahrtschiffen eigentlich tabu. Panik, Untergang und Odyssee gehören einfach nicht ins Vokabular für entspannte Seereisen. Wenn Deutschlands Rocklegende Udo Lindenberg ein Schiff betritt, ist Panik das Wort der Stunde.

Voriger Artikel
Sonja Zietlow liebt die bayerische Direktheit
Nächster Artikel
Pollenallergiker reagieren auf Apfel und Co.

Live mit an Bord sind neben 2500 Fans Udo Lindenberg und sein Panikorchester.

Quelle: Frank Behling

Malaga. Erstmals seit Monaten der Vorbereitung ist Lindenberg von  Timmendorfer Strand ausgezogen. Mit Panikorchester und seiner Panik-Familie hat der 69-Jährige am Wochenende eines der größten Kreuzfahrtschiffe Deutschlands geentert. Die „Mein Schiff 3“ kreuzt seit Freitag mit der wohl eigentümlichsten Kreuzfahrt, die es in Deutschland gibt.

„Es ist die Stimmung. Die Leute hier sind einfach toll. Alles ist entspannt, man versteht sich. Diese Reise hat einen eigenen Geist“, sagt Kai Gorges aus Sachsen-Anhalt. „Alle verstehen sich und freuen sich. Das ist echte Erholung“, fügt Bruder Dirk hinzu. Die beiden sind seit 1989 eingeschworene Udo-Fans. Tragen Hütte, Hosen und Jacken wie ihr Idol. Auch bei 25 Grad am Pooldeck bleibt das Outfit. Die Tickets für die Reise waren schnell ausverkauft. „Nach 20 Minuten waren alle Tickets im Internet verkauft“, sagt Kai Gorges. 1253 Kabinen alle voll mit Fans von Udo.   

Wie die Brüder sind 2500 Fans und Freunde mit Udo in Malaga eingestiegen und haben das 293 Meter lange Schiff direkt nach der Werftüberholung in Cadiz in Beschlag genommen. Über Lissabon, Gibraltar nach Ibiza und Palma geht die Reise des „Rockliner 4“. Diesen Namen trägt das 2014 von Helene Fischer in Hamburg getauft Schiff. Helenes Hits gibt es aber hier allenfalls weit nach Mitternacht in der Disko. Den Ton gibt auf dem „Rockliner 4“ Deutsch-Rock an.

 Es ist der größte Rockliner aller Zeiten. Deutschlands Rocklegende liebt Seereisen. „Kreuzfahrt ist cool. Wir sind hier zusammen mit unserer Panikfamilie hier alle in einem Boot und haben schöne Stunden. Ich freu mich auf euch“, sagt Udo Lindenberg  zur Begrüßung am Pool. Seine treuesten Fans sind dabei, von Kiel bis Passau.

Wenn Udo an Bord ist, drehen sich auch auf einem modernen Megaliner die Uhren anders.  Die Zahl 13,  in der Seefahrt eigentlich tabu, wird im Bordfernsehen als „Panik-Kanal“ belegt. Udos Lebenswerk und Songs flimmern so rund um die Uhr in jede Kabine. Es gibt Panik-Durchsagen aus dem Maschinenraum und der Kapitän Ioannis Anastasiou trägt Lederjacke. „Lasst uns feiern. So als ob die Nacht die letzte wär“, sagt Udo. Drei Konzerte gibt er an Bord. Jeweils drei Stunden Rock in allen Stufen. Mit auf der Bühne auch Stefanie Heinzmann, die Teil der Show ist und ebenfalls rockig einheizt.

Hier finden Sie Fotos von Udo Lindenbergs Auftritt auf "Mein Schiff 3".

Zur Bildergalerie

 „Diese  Reise ist anders“, sagt Axel Sorger, der General Manager der „Mein Schiff 3“. 800 Besatzungsmitglieder in Hotels, Küche und Restaurants hören auf ihn. Seit 25 Jahren arbeitet er auf Kreuzfahrtschiffen, hat viel gesehen. Doch Udo reformiert den Bordalltag. Im edlen A la Carte-Restaurant Atlantik herrscht überwiegend gähnende Leere. Udos Fans brauchen überwiegend Büffet, Bratwurst und Dosenbier zur glücklichen Seefahrt. Am Pooldeck wird Hut getragen und Udos Hits über die Andrea Doria und keine Panic auf der Titanic werden in Fahrstühlen gesungen.

 An Deck treffen sich Fans, die sich wie ihr Idol kleiden. Im blauen Bademantel mit Superman-Emblem, tiefsitzendem Schlapphut und kantiger Sonnenbrille schlendert Tommy Richter übers Deck.  Der 46-jährige Schlosser aus Lünen lebt in seiner Freizeit wie Udo, verwandelt sich zu Konzerten und Auftritten in ein fast täuschend echt wirkendes Double der Rocklegende aus Gronau. Er ist inzwischen genauso Kult wie sein Vorbild. „Udo ist für mich alles. Im Video zum aktuellen Album spiele ich auch mit“, sagt Tommy stolz. Am Tag, wenn Udo Lindenberg noch in seiner Suite schläft, hat Tommi an Deck rund um den Pool seine Show. Er schlendert von Bar zu Bar, Fans machen Gruppenbilder mit ihm und zwischendurch gibt es einen Drink. Immer an seiner Seite die ebenfalls täuschte echt als Udo-Doubles gekleideten Freunde Rudi Wartha und Rolando Pacella.

Foto: Udos Doppelgänger posen für's Foto.

Foto: Udos Doppelgänger posen für's Foto.

Quelle: Frank Behling

Das Original ist auf See kein „früher Vogel“. Udo steht nie vor 12 Uhr auf – eher 14 Uhr. Wie sein Team weiß. Das gilt auch für den Großteil der Gäste. „Beim Rockliner fängt morgens alles etwas später an“, sagt Manager Sorger. Das Pooldeck ist um 10 Uhr noch leer. Auf anderen Reisen kreisen ab 8 Uhr die Passagiere übers Deck und reservieren mit Handtüchern Liegen. Auf dem Rockliner reicht fürs Sonnenbad in der Atlantikdünung auch der Nachmittag.

Und noch etwas ist anders. Eierlikör wird in Mengen konsumiert, wie sonst nirgendwo auf See. Kaum hat Udo Lindenberg das Verlangen bekundet, etwas mit Eierlikör zu gurgeln und die Stimmbänder geschmeidig zu machen, tun es seine Fans ihm gleich.  Paletten mit Eierlikör hat Manager Sorger vor der fünftägigen Reise extra aus Deutschland anfahren lassen. „Wir haben 720 Flaschen an Bord eingelagert“, sagt Sorger. 180 Flaschen gingen allein in der ersten Nacht weg. „Sonst hält eine Flasche eine ganze Reise“, sagt der Manager mit einem Lächeln.

 Wenn Udo an Bord kommt, drehen sich die Uhren anders. Bei der ersten Rockliner-Tour 2010 auf der kleinen „Mein Schiff 1“ lag der Verbrauch noch bei 100 Flaschen. Bei der vierten Reise steht nach der zweiten Nacht fest. Der Eierlikör reicht nicht. Die Küche muss selbst Eierlikör anfertigen. Die Panik-Gemeinde besucht Lissabon, Ibiza und Gibraltar. „Auf die Affen freue ich mich schon“, sagt Udo Lindenberg. Er hat bei Kreuzfahrten bereits viel gesehen. Gibraltar fehlt ihm noch. Seine Liebe zu Seereisen wurde in der Jugend geweckt. Steward auf einem Luxusliner wollte er werden. Jetzt ist er der heimliche Kapitän auf einem Rockliner. „Und ihr seid alle bei mir – meine Panikfamilie. Mehr geht nicht“, ruft er zum Schluss seiner Show. Später zieht der Tross durch die Bars. Gefeiert wird bis in den Morgen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten: Panorama 2/3