21 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Kriminologe: Täter aus Macho-Kultur

Übergriffe Kriminologe: Täter aus Macho-Kultur

Nach den massiven Übergriffen auf Frauen in Köln hat die Polizei mehrere Tatverdächtige festgenommen. Zwei Taschendiebe wurden bereits in der Silvesternacht auf frischer Tat ertappt, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Voriger Artikel
Der Schwertwal als Gourmet: Nichts geht über Lachs
Nächster Artikel
Kraniche flüchten vor dem Winter in den Süden

Nach Einschätzung des Kriminologen Christian Pfeiffer sind die Vorfälle auch kulturell bedingt.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Köln/Kiel. Die aus Nordafrika stammenden Männer wurden nach der Feststellung der Identität wieder entlassen, gegen sie wird weiter ermittelt. Zwei weitere Männer, die am Sonntag einen Reisenden bestohlen und Frauen bedrängt haben sollen, sitzen in Untersuchungshaft. Inzwischen ermittelt die Abteilung für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität der Staatsanwaltschaft Köln.

 Nach Angaben der Polizei kam es auch in Düsseldorf zu Übergriffen. Elf Frauen erstatteten Anzeigen wegen sexueller Nötigung und zum Teil auch wegen Diebstahls. Bei den Tätern soll es sich ebenfalls um eine Männergruppe aus Nordafrika gehandelt haben. In Hamburg verdoppelte sich die Zahl der Anzeigen auf 53. In Köln sind es mehr als 100 Anzeigen.

 Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz bezeichnete die Taten als Schande. „Wer sich in Gruppen zusammenrottet, um sich an Frauen zu vergehen, hat keine Ehre.“ Die Hamburger Polizei prüft, ob eine Videoüberwachung an Wochenenden oder bei Großereignissen möglich ist.

Gruppendynamik mit abgebauten Hemmungen

 Nach Einschätzung des Kriminologen Christian Pfeiffer sind die Vorfälle auch kulturell bedingt. „Es handelt sich um Männergruppen aus Ländern, die stark von Macho-Kultur geprägt sind.“ In Verbindung mit Alkohol habe sich am Silvesterabend eine Gruppendynamik mit abgebauten Hemmungen entwickelt. „Es handelt sich aber weniger um ein Polizei- als um ein Integrationsproblem“, sagte er. Das Kesseltreiben hält der Kriminologe für eine Ausnahmesituation. „Die Polizei ist nach diesem Alarmsignal vorgewarnt und wird künftig anders reagieren. Und auch die Mitmenschen werden besser aufpassen.“ Pfeiffer appellierte an die Kommunen, viel mehr Geld in die Hand zu nehmen, um den jungen Männern Sport- und Kulturangebote zu machen.

 In Schleswig-Holstein ist es nach Angaben der Landespolizei zu keinen Übergriffen gekommen. „Wir warten auf die Auswertungen aus Köln und Hamburg, um auf dieser Grundlage über Konzepte gegen dieses neue Phänomen nachzudenken“, sagte Sprecher Ove Fallesen. Die Polizei will ihre Beamten sensibilisieren und aufmerksamer Menschenansammlungen beobachten.

 „Generell ist es aber schwer, sich bei der dünnen Personaldecke kräftemäßig auf so etwas vorzubereiten“, sagte Manfred Börner, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Eine flächendeckende Videoüberwachung halte er praktisch für nicht durchführbar, weil Datenschutzaspekte nicht geklärt und Auswertungen sehr personalintensiv seien.

 Von Christian Hiersemenzel und Günter Schellhase

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Übergriffe in Köln
Foto: Sorgt seit einem Statement auf einer Pressekonferenz für Furore im Netz: Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat mit einer Verhaltensempfehlung an Frauen nach den Übergriffen in der Silvesternacht für Aufregung im Internet gesorgt. Bei Twitter ist der Hashtag #einearmlaenge unter den Deutschland-Trends.

  • Kommentare
mehr
Mehr aus Nachrichten: Panorama 2/3