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Zahl der Anzeigen fast verdoppelt

Übergriffe auf der Reeperbahn Zahl der Anzeigen fast verdoppelt

Die Anzeigen nach den Übergriffen auf Frauen werden auch in Hamburg immer mehr. Bürgermeister Scholz fordert, die Täter mit aller Härte zu verfolgen. Die Polizei setzt eine Sonder-Ermittlungsgruppe ein und erwägt auch eine Videoüberwachung.

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Die Zahl der Anzeigen wegen Übergriffen auf der Reeperbahn in Hamburg in der Silvesternacht hat sich mittlerweile verdoppelt.

Quelle: Angelika Warmuth/ dpa

Hamburg. Die Zahl der sexuellen Übergriffe auf junge Frauen in der Silvesternacht in Hamburg-St. Pauli ist erheblich höher als zunächst gedacht. Bis zum Mittwochnachmittag gingen bei der Polizei 53 Anzeigen ein, wie ein Pressesprecher mitteilte. Damit verdoppelte sich die Anzahl der bekannten Taten im Vergleich zum Vortag beinahe. In 39 Fällen gehe es um sexuelle Belästigung, bei den anderen 14 Taten handele es sich zusätzlich um Raub oder Diebstahl, teilte der Sprecher weiter mit. Es werde bislang nicht wegen sexueller Nötigung oder Vergewaltigung ermittelt.

Die sexuellen Übergriffe sind laut Polizei zu einem Teil von arabisch-sprechenden Männern begangen worden. Das hätten Zeugenaussagen ergeben, sagte Polizeivizepräsident Reinhard Fallak am Mittwoch laut Sprecher. Er korrigierte damit frühere Angaben, wonach alle Frauen übereinstimmend gesagt hätten, dass es sich bei den Tätern um arabisch-sprechende junge Männer aus dem nordafrikanischen Raum gehandelt habe In mehreren Berichten hieß es, die Frauen hätten die Täter als „südländisch, nordafrikanisch, arabisch“ beschrieben.Die Opfer seien zwischen 18 und 25 Jahren alt.

Auf die Frage, ob bereits Täter identifiziert worden seien, sagte Polizeisprecher Holger Vehren: „Die Ermittlungen dauern an.“ Bis zum Mittwoch erhielt die Polizei 90 Zeugenhinweise.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) lässt prüfen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Vielzahl von ähnlichen Taten in Köln und den Übergriffen in Hamburg. „Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Maas im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine Organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas geschehe nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.

Keine Verbindung nach Köln?

Die Hamburger Polizei geht dagegen nicht von Verbindungen zu den Tätern von Köln aus. Dort gingen nach den Exzessen an Silvester bis Mittwoch mehr als 100 Anzeigen bei der Polizei ein, darunter zwei wegen Vergewaltigung. „Wir haben keine Anhaltspunkte dafür, dass es da Verbindungen gibt“, sagte Vehren. Man stehe aber mit den Kölner Kollegen in Kontakt und gehe dieser Frage nach.

Zur Aufklärung der Taten setzte Polizeipräsident Ralf Martin Meyer eine Ermittlungsgruppe ein. Der Kommission gehören unter anderem Kriminalbeamte des Fachkommissariats für Sexualdelikte und Spezialisten für Taschendiebstähle an. Die Polizei hatte mögliche weitere betroffene Frauen und Zeugen aufgerufen, sich zu melden.

Einige der Opfer äußerten sich in Medien. „Sie schafften es, uns in dem Gewühl zu trennen und fassten uns an, vor allem untenrum“, zitierte die „Bild Hamburg“ am Mittwoch eine 18-jährige Schülerin aus Schleswig-Holstein, die mit drei Freundinnen auf der Großen Freiheit unterwegs war. „Mir griff einer in die Jeans, in den Slip. Wir versuchten, ihre Hände abzuwehren. Erst hinterher, als wir da raus waren, haben wir gemerkt, dass unsere Handtaschen offen waren. Meine Freundinnen waren ihre Handys los, mir fehlten 50 Euro. Überall habe ich Mädchen gesehen, die weinten und getröstet wurden.“

Katharina B. sagte dem NDR-„Hamburg Journal“: „Plötzlich standen 10, 15 Leute um uns rum und haben — wie gesagt — meine Freundin und mich auseinandergerissen.“ Sie hätten „Ficki, Ficki“ gesagt und die beiden Frauen ausgelacht, wenn sie versuchten sich zu wehren. „Sie haben uns angegriffen, also in den Schritt natürlich vor allem gefasst, und ziemlich aggressiv, nicht dass man leicht dagegen gekommen ist, sondern sie haben wirklich reingegriffen.“ Die 25-Jährige fügte hinzu: „Ich hatte wirklich in meinem Leben noch nicht so viel Angst.“

"Kriminell, böse und feige"

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) bezeichnete die Übergriffe als Schande. „Wer sich in Gruppen zusammenrottet, um sich an Frauen zu vergehen, hat keine Ehre. Er handelt kriminell, böse und feige“, schrieb Scholz am Dienstagabend auf seiner Facebook-Seite und seiner Homepage. Keine entwickelte Kultur und keine Religion duldeten so ein Verhalten. Die Täter müssten mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden. „Es ist nicht so wichtig, woher sie kommen. Aber es ist wichtig, dass wir wissen, wo sie jetzt sind“, erklärte Scholz.

Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank verurteilte die Übergriffe scharf. Sie sei wütend und beschämt, twitterte die Grünen-Politikerin. „Allen Tätern sei gesagt: Eure Mütter würden sich für Euch schämen!“

Die Polizei prüft, ob eine Videoüberwachung temporär — etwa an Wochenenden oder bei Großereignissen wie dem Alstervergnügen - möglich ist. Auf dem Kiez sind demnach noch mehrere Videokameras installiert, aber nicht in Betrieb. Die Hamburger Polizei hatte 2011 entschieden, die Kameras nach Klagen von Anwohnern abzuschalten. Später hatte das Bundesverwaltungsgericht die Videoüberwachung öffentlicher Plätze wie etwa auf der Reeperbahn grundsätzlich für rechtens erklärt.

Die Streifen im Bereich St. Pauli seien verstärkt worden, sagte Vehren. Mit Blick aufs kommende Wochenende sagte er: „Wir sind mit einer starken Polizeipräsenz da, auch wenn man uns nicht unbedingt sieht.“

In einem Pilotprojekt setzt die Polizei derzeit an Wochenenden auch zwei sogenannte Bodycams ein. Die Beamten dürfen ihre Kameras aber nur bei drohender Gefahr einschalten. Die Bild- und Tonaufnahme muss den Umstehenden zuvor angekündigt werden.

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