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Bauern in Not Familie Krabbenhöft und das Prinzip Hoffnung
Bauern in Not Familie Krabbenhöft und das Prinzip Hoffnung
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07:38 02.06.2016
Von Gerhard Müller
Wie sieht ihre Zukunft aus? Jan Krabbenhöft hat im Melkstand Töchterchen Fenna auf den Arm genommen. Im Hintergrund ist sein Vater Wolfhard , der auf dem Hof kräftig mit anpackt, am melken. Quelle: Gerhard Müller
Revensdorf

„Klar, wir machen uns natürlich Gedanken“, sagt der 43-Jährige, „ das ist bei diesen Milchpreisen ja auch nicht verwunderlich.“

 Jan Krabbenhöft hat 2007 den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen. Zu seinem Hof gehören neben den Milchkühen rund 120 Jungtiere und knapp 100 Hektar Land, die Hälfte davon gepachtet. 2009 erlebte er die erste Milchkrise. „Damals fiel der Preis für einen Liter kurzfristig auch mal auf 19 Cent“, erinnert sich seine Frau Wiebke. Die 31-Jährige befindet sich mit dem früheren beinharten Außenverteidiger des Gettorfer SC betriebswirtschaftlich gesehen voll auf Ballhöhe. Sie hat Agrarwissenschaften studiert, zwei Jahre für ein Unternehmen in Oberbayern im Export gearbeitet und ist seit 2012 bei der Rinderzucht Schleswig-Holstein so etwas wie eine Partnervermittlerin für Rindviecher. Die Anpaarungsberaterin, so die korrekte Bezeichnung, hilft Landwirten bei der Entscheidung, welche Bullen optimal zu ihren Kühen passen. Die Krabbenhöfts haben seit 2007 mehrere hunderttausend Euro investiert. Unter anderem in einen neuen Kuhstall mit einer 560 Quadratmeter großen Photovoltaikanlage auf dem Dach. Es war die Zeit der Milchquote – Jan Krabbenhöft durfte jährlich rund eine Million Liter liefern – und der relativen Planungssicherheit. Der Exportstopp nach Russland, der Absatzrückgang in China und das Ende der Quotenregelung am 1. April 2015 ließen den Milchpreis abstürzen. Für die 3000 Liter, die weiterhin täglich aus Revensdorf nach Holtsee gefahren werden, sinken die Beiträge monatlich. Im April gab es 22 Cent pro Kilo, die Meierei kann ihren Käse nicht mehr nach Russland liefern. „Unsere Produktionskosten“, sagt Wiebke, „betragen 34 Cent pro Liter.“ Für Futter, Wasser, Strom oder Stroh. „Unser Vorteil ist, dass wir als Familienbetrieb vergleichsweise günstig produzieren können. Wir haben keine Angestellten, könnten uns allerdings auch keine leisten“, fügt Jan hinzu. Das gilt auch für einen neuen Milchstand. Der jetzige ist 33 Jahre alt. An den zwölf Plätzen melkt Jans Vater Wolfhard jeden Morgen ab 5.30 Uhr und am Nachmittag jeweils zweieinhalb Stunden. Ohne den 71-jährigen Senior wäre alles noch viel schwieriger.

 Am Wohnzimmertisch ist Töchterchen Fenna, acht Monate alt, stille Zuhörerin, als Wiebke und Jan Krabbenhöft offen über ihre Lage sprechen. Im vergangenen Sommer mussten sie erstmals ein Liquiditätsdarlehen aufnehmen, schon damals hatte Jan praktisch kein Einkommen. 2015 bekam er im Schnitt 33 Cent pro Liter, das Minus war gering, aber es war ein Minus. „Wir als Familie leben größtenteils von Wiebkes Gehalt“, gibt Jan zu, „außerdem hält uns die Photovoltaikanlage etwas den Rücken frei, aber die Erträge dienen nur der Betriebserhaltung und nicht wie geplant der -entwicklung.“ Ihre Situation empfinden sie durchaus als existenzbedrohend. „Wenn das mit dem Milchpreis so weiter geht, kann es irgendwann mal schwierig werden“, sagt Jan.

 Wie beurteilen die Krabbenhöfts ihre Zukunft? Schwierige Frage. „Wir haben es ehrlich gesagt noch nicht durchgespielt, dass wir sagen: Wir hören auf“, gibt Wiebke zu, „Jan meint, wenn er nicht darüber nachdenkt, dass er kein Geld verdient, dann ist es für ihn immer noch der schönste Beruf der Welt.“ Umsatteln auf Bio, darüber haben sie schon nachgedacht, aber wenn immer mehr Landwirte darauf setzen, fallen auch in diesem Bereich die Preise. Außerdem könnten sie die Umstellungsphase von zwei Jahren schwerlich überbrücken. „Wir sind noch zu keinem Schluss gekommen“, sagt Jan. „Außerdem müsste auch ich eine jobtechnische Alternative finden.“ Deshalb setzen die Krabbenhöfts auf das Prinzip Hoffnung und dass der Milchpreis in absehbarer Zeit wieder steigen wird, wie auf der Molkereiversammlung prognostiziert. Bis dahin heißt es durchhalten und träumen. Von einem Urlaub beispielsweise. 2015 gönnten die Krabbenhöfts sich eine Woche. Erstmals seit elf Jahren.

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