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Bauern in Not Wangus ist für die Seyers kein Wagnis
Bauern in Not Wangus ist für die Seyers kein Wagnis
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09:48 16.06.2016
Von Sorka Susann Eixmann
Maya und Jens Seyer haben auf ihrem Hof bei Osdorf umgesattelt. Sie setzen auf hochwertige Fleischrinder statt auf Milchkühe. Quelle: Michael Kaniecki

Ein bisschen hat er es im Blut: Seit 1961 steht der Name Seyer für Landwirtschaft, und so führt Jens Seyer bereits in dritter Generation den Betrieb in Borghorsterhütten. Während die Milchkrise für viele Landwirte das Aus bedeutet, sehen seine Ehefrau Maya und er im geplanten Ende ihres Milchviehbetriebes eine Chance – nämlich den Beginn einer neuen Liebe: Mutterkuh-Haltung mit besonderen Fleischrinderrassen heißt das neue Standbein in der Alten Ziegelei.

 1961 begannen Erna und Walter Seyer mit Milchkühen und Sauen. 1972 übernahmen Traute und Peter Seyer den elterlichen Betrieb – die Milchkühe waren, ebenso wie die Sauen, noch immer da. Auch für Sohn Jens gab es keine zwei Meinungen: „Ich wollte immer Landwirt werden. Daran gab es nie einen Zweifel.“ 2004 übernahm er den Betrieb, einen gut geführten. Seine Eltern hatten bestellte Felder weitergegeben, noch heute sind sie mit Rat und Tat dabei.

 Gegen die sinkenden Milchpreise waren aber alle Seyers machtlos. „Es wurde immer schlimmer, man hat jeden Tag beim Melken draufgezahlt“, erinnert sich Maya Seyer an den Beginn der sinkenden Quoten. In den besten Schwarzbunten-Zeiten marschierten 100 Milchkühe durch den Melkstand. „Der Wecker klingelte jeden Morgen um 4.30 Uhr“, sagt ihr Mann Jens. Maya half vor ihrer Bürotätigkeit als Steuerfachangestellte täglich mit. Seit 2005 lebt die 35-Jährige auf dem Hof, seit 2007 investiert sie ihre gesamte Arbeitskraft in Kälber, Jungvieh und Kühe. Sie teilt die Schwäche ihres Mannes für die Landwirtschaft. „Es ist der tollste Beruf der Welt, wir sind draußen, wir arbeiten zusammen und haben Tiere um uns.“ Doch bei aller Freude wurde bald klar, dass es sich nicht mehr lohnt. 20 Cent pro Liter Milch, ein Zusatzgeschäft. Der Entschluss reifte schnell: „Wir wollten die Menge der Milchkühe abbauen und ein neues Standbein aufbauen.“

 Etwas Besonderes sollte es schon sein. Die Wahl fiel auf Fleischrinder, aber nicht irgendwelche: Im Herbst 2015 zogen die ersten Angus-Mutterkühe ein, kurze Zeit später folgte Zuchtbulle „Deddo“. Edel wurde es im November vergangenen Jahres im Seyerschen Stall: Wagyu-Bullenkalb „Haruto“ wurde zur Veredlung der Fleischrinder, schon vorausschauend auf das, was kommen soll, angeschafft. „Wir werden dann Wangus anbieten können, eine Kreuzung aus Angus und Wagyu“, freut sich Maya Seyer auf das besondere Fleisch.

 Die letzten Neuankömmlinge waren vor rund acht Wochen elf Galloway-Mutterkühe mit ihren Kälbern, die die Koppeln rund um das Anwesen bevölkern. Bei der Mutterkuh-Haltung steht eines im Fokus der Seyers: „Gesunde und glückliche Tiere, die das Wort Weidehaltung leben und präsentieren.“ Und wichtig ist ihnen auch Transparenz: „Wir möchten jedem Interessierten ermöglichen, sich vor Ort zu informieren, unser Fleisch zu probieren und zu sehen, wie unsere Tiere leben.“ Zusätzlich bearbeitet Jens Seyer 50 Hektar Grünland und 35 Hektar Ackerland. Und ganz ohne Melken verläuft das Leben in Borghorsterhütten weiterhin nicht. 30 Schwarzbunte Milchkühe sind noch da. Jens Seyer: „Derzeit können wir nichts mehr verkaufen, denn der Markt ist komplett satt.“

 War es schwer, viele Schwarzbunten ziehen zu lassen? „Nein“, lacht der 46-Jährige, „denn es sind ja genügend Tiere auf dem Hof.“ Für einen, der Landwirtschaft im Blut hat, ist die Existenz auf einem neuen Standbein zudem eine interessante Aufgabe: „Der Stall muss für die Mutterkuh-Haltung umgebaut werden, ein Hofladen wird installiert, unsere Webseite www.rinderhof-seyer.de ist fertig.“ Es bleibt viel zu tun, die Seyers packen es an.

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Bis zu 20 Prozent der 4000 Milchviehbetriebe könnten finanziell nicht über den Sommer kommen, wenn der Milchpreis weiterhin unten bleibt, schätzt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. „Landwirte sind stark verunsichert und holen sich verstärkt Hilfe von Außen“, sagt Dieter Thiesen.

Jan von Schmidt-Phiseldeck 09.06.2016

Blauer Himmel, grüne Wiesen, grasende Kühe. Weit und breit Idylle. Wie passend, denn die Familie Rzehak, die in Wulfshagenerhütten einen Biohof betreibt, ist breit aufgestellt und kann nicht nur aus diesem Grund relativ optimistisch in die Zukunft blicken.

Gerhard Müller 06.06.2016

Panther ist ungefährlich, Panther ist nicht auf dem Sprung. Panther ist schwarzbunt und eine von 120 Milchkühen im Stall von Jan Krabbenhöft. Der Landwirt aus Revensdorf will nicht schwarzmalen, aber wie es um seine Zukunft bestellt ist, das weiß er zurzeit nicht so recht.

Gerhard Müller 02.06.2016
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