Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Bundestagswahl 2013 Der Kampf im Plakate-Wald
Bundestagswahl 2013 Der Kampf im Plakate-Wald
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 24.08.2013
Von Gerrit Sponholz
Unbekannte Täter haben an der B432 bei Warder ein Wahlplakat der „Alternative für Deutschland“ (AfD) zur Bundestagswahl im September zerstört.

„Demokratiefeindlich“ nennt Bundestagskandidat Jörg Nobis von der „Alternative für Deutschland“ das Verhalten bislang unbekannter Vandalen. An der B 432 bei Warder hatten sie ein Wahlplakat der AfD zerstört. In Norderstedt und Kaltenkirchen fehlen der neuen Partei gleich ganze Plakate. „Dabei hingen die in mindestens 2,50 Meter Höhe.“

 „Das waren die politische Konkurrenz oder andere Gruppen, die randalieren“, vermutet Nobis. Wahrscheinlich stecke System dahinter. Neue Plakate zu bestellen und geliefert zu bekommen, dauere Wochen, ärgert sich Nobis.

 Die AfD setzt wie die anderen Parteien zunehmend auf sogenannte Hohlkammerplakate. Die Plastik-Leichtgewichte werden gleich mit Plakataufdruck geliefert und sind deshalb nur für eine einzige Wahl nutzbar. Sie kosten etwa halb so viel wie die herkömmlichen, schweren und mehrfach verwendbaren Holzständer. Sie ließen Parteien wie SPD und CDU bislang von der Werkstatt für Behinderte in Kaltenkirchen produzieren.

 Doch die Holzständer kommen aus der Mode. Es fehlen zunehmend Freiwillige in den Ortsvereinen, die mühsam Plakate aufkleben und sie an den Straßen aufstellen wollen, sagt CDU-Kreisgeschäftsführer Uwe Voss. Die Plastikplakate dagegen seien fix fertig, schnell im Auto verstaut und rasch angebracht.

 Weil sie wenig wiegen, können die Kunststoffaushänge ohne Probleme in mittlerer Höhe an Masten montiert werden. Das geschieht nicht nur, um sicher vor Vandalen zu sein, erklärt Katharina Loedige, Kreisvorsitzende der FDP. Ein Grund ist auch Platzmangel. Weil die Zahl der Parteien zunahm, seien die ebenerdigen Plätze an Straßen und Gehwegen rasch besetzt. „In Kaltenkirchen etwa haben drei andere Parteien jetzt schon alles zugepflastert.“ Deshalb hängt die FDP ihre Tafeln mannshoch auf. Fußgänger und Radler behindern sie dort nicht, und sie werden von Passanten besser wahrgenommen, hofft Loedige. Die FDP-Plakate blieben in der Vergangenheit meist heil. Und wenn es mal Vandalismus gab, „dann in der Nähe von Bahnhöfen und Schulen“. Kaum Probleme mit Plakat-Randalierern hat die Piratenpartei, sagt Thomas Wilken, Fraktionsvorsitzender im Kreistag. „Wir hängen nur in 2,50 Meter Höhe auf.“ Wohl auf Nummer sicher gehen wollte die NPD, von der Wilken neulich ein Plakat an der B 432 bei Nahe bemerkte, in etwa sieben Meter Höhe. Unerreichbar hoch für Randalierer, doch auch sonst kaum einsehbar halb in einer Baumkrone.

 Zu kämpfen haben fast alle Parteien mit Schwund an Werbeschildern. Aus Kommunalwahlkämpfen weiß Grünen-Kreisgeschäftsführer Uwe Köhlmann-Thater, dass 5 bis 10 Prozent der Plakate gestohlen oder zerstört werden. Auf 5 Prozent taxiert auch Alexander Wagner, Mitarbeiter des SPD-Bundestagskandidaten Franz Thönnes, die Verlustquote. Mitunter werden Plakate beschmiert oder auf andere Weise verunstaltet: 2005 seien SPD-Plakate mit CDU-Logos überklebt worden und umgekehrt, erinnert sich ein Wahlkämpfer. Erwischt worden seien die Täter nicht. Beim Belegen der besten Standplätze wird auch mit Tricks gearbeitet - und beispielsweise etwas früher plakatiert als erlaubt, um der Konkurrenz zuvorzukommen, wie ein Wahlkämpfer der SZ gestand.

 Beim Plakatschwund mischen auch Ordnungsbehörden mit. In Henstedt-Ulzburg etwa sei nur eine begrenzte Anzahl Plakate erlaubt, erklärt CDU-Kreisgeschäftsführer Voss. Auf jedem genehmigten müsse ein spezieller Aufkleber prangen. „Fehlt der, nimmt der Bauhof das Wahlplakat weg.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige