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Ein Wahlkreis, der auf Wachstum setzt

Kiel, Kronshagen und Altenholz Ein Wahlkreis, der auf Wachstum setzt

Im Wahlkreis 5 sind am 22. September mehr als 205000 Menschen dazu aufgerufen, über die Zusammensetzung des Bundestags abzustimmen. Mehr als 187000 Wahlberechtigte in Kiel, etwa 9700 in Kronshagen und 8000 in Altenholz haben zudem die Wahl zwischen zehn Direktkandidaten, die auf dieser Seite vorgestellt werden.

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Stadt am Wasser: Der Hafen bestimmt das Bild der Landeshauptstadt. Die Zukunft der Marine oder des Nord-Ostsee-Kanals sind deshalb zentrale Fragen. Zum Wahlkreis 5 gehören außerdem die Nachbargemeinden Kronshagen und Altenholz.

Kiel. Der Wahlkreis 5 zeichnet sich durch eine Besonderheit aus, die es für das direkt gewählte Mitglied des Bundestags nicht immer ganz einfach macht. Er oder sie repräsentiert in Berlin eben nicht nur Kiel, sondern auch die beiden Nachbargemeinden Kronshagen und Altenholz, die naturgemäß ganz andere politische Interessenlagen haben als die Landeshauptstadt, die seit etlichen Jahren kräftig wächst.

 Gerade erst bescheinigte das Statistische Landesamt der Stadt Kiel auf mittlerweile 240000 zugelegt zu haben – ähnlich viele wie 1996. Kiel ist mit einem Durchschnittsalter von 41,5 Jahren eine der jüngsten Landeshauptstädte, was in allererster Linie an dem Rekordansturm auf die Hochschulen liegt: Universität, Fachhochschule und Muthesius-Hochschule kommen jetzt zusammen auf 31112 Studierende, von denen traditionell auch viele Grüne wählen. Luise Amtsberg, Kiels grüne Direktkandidatin, hat erst vor wenigen Monaten ihr Studium der Islamwissenschaft an der Kieler Universität abgeschlossen. In den beiden Umlandgemeinden leben dagegen mehr ältere Wähler.

 Auch die Zahl der Erwerbstätigen mit 108500 Männern und Frauen schnellte auf das höchste Niveau in Kiel seit 20 Jahren. Die Arbeitslosenquote sank dagegen auf 10,1 Prozent. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren noch 13,4 Prozent auf Stellensuche. Der Arbeitsagenturbezirk umfasst auch Altenholz und Kronshagen. Gleichzeitig aber wächst gerade in der Landeshauptstadt die Zahl derjenigen, die von Sozialtransferleistungen abhängig sind. Gewerkschaften beklagen, dass immer weniger Menschen mit ihrem niedrigen Lohn nur durch einen weiteren Job über die Runden kommen oder zu Aufstockern werden. Was die Statistik auch belegt: Der Durchschnittslohn (brutto) liegt in Kiel mit fast 27000 Euro im Jahr ähnlich hoch wie schon vor zehn Jahren.

 Auf eine starke Interessenvertretung in Berlin setzt die Landeshauptstadt, aber auch Kronshagen beim Thema Bundeswehr. Welche Rolle spielt Kiel als Marinestadt in der Zukunft? Wie werden die nicht mehr genutzten Bundeswehrflächen genutzt? Und welche Unterstützung gibt es bei Konversionsprojekten? Das sind Fragen, die für die Entwicklung der gesamten Region von Bedeutung sind und in Berlin entschieden werden.

 Politisch gesehen wählt zumindest Kiel seit 1961 rot, nachdem bei den Wahlen davor die CDU in Erst- wie Zweitstimmen vorn gelegen hatte. SPD-Kandidat Hans-Peter Bartels gewann 2009 zum vierten Mal hintereinander den gesamten Wahlkreis direkt, jedoch nur noch mit 38,3 Prozent der Stimmen. 2005 waren es noch 50,7 Prozent. Altenholz und Kronshagen dagegen wählten auch vor vier Jahren mit Mehrheit CDU. In Altenholz gingen 41,5 Prozent der Stimmen an Michaela Pries, Bundestagskandidatin der CDU. Ähnlich sah es in Kronshagen aus, wo sich 42,6 Prozent der Wähler für sie entschieden. Der jetzige CDU-Bundestagskandidat Thomas Stritzl, früherer Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzender, wirbt mit einer regionalisierten Wahlkampfkampagne in den beiden Gemeinden.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH