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CAU Kiel 350 Jahre Schätze aus den Archiven
CAU Kiel 350 Jahre Schätze aus den Archiven
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09:57 01.07.2015
Von Martina Drexler
Zum ersten Mal seit 25 Jahren können Besucher die beiden kostbaren Silberzepter, die der Direktor der Landesbibliothek, Jens Ahlers, und die Historikerin Maike Manske in ihren Händen tragen, wieder besichtigen. Quelle: Frank Peter

Dokumente, Professorenporträts, Roben, Schatullen, Urkunden und Innenansichten aus dem hochschuleigenen Gefängnis, dem Karzer, machen Geschichte greifbar: Die Universität, benannt nach ihrem Gründer Herzog Christian-Albrecht, war sozusagen als Rivalin zur Universität in Kopenhagen gegründet worden, um eigene Beamten ausbilden zu können. In Vitrinen liegen die Gründungsurkunde von Kaiser Ferdinand III., die beiden prunkvollen Zepter, der vollständig restaurierte Mantel des ersten Rektors. Illustrationen geben einen Eindruck davon, wie die 17 Professoren der vier Fakultäten beim Gründungsfest vom Klosterhof in die Nikolaikirche zogen, um sich hinterher im Kieler Schloss zum großen Mahl zu treffen.

 Ein weiterer Schwerpunkt der Schau sind die Reformen in der Zeit der Zarin Katharina II: Sie habe, erklären die Kuratoren Dr. Jens Ahlers, Direktor der Landesbibliothek, und Dr. Dagmar Bickelmann vom Landesarchiv, der Universität zu neuem Glanz verholfen, nachdem Gebäude einzustürzen drohten und Studenten Kiel den Rücken kehrten. Sie schenkte den Studenten auch ihre Lieblingsfarben Lila und Weiß, heute die Farben der CAU, wenn diese im Gegenzug aufs Waffentragen verzichteten. Denn mancher verlor sein Leben damals im Duell, erläutert Dr. Martin Racknitz, der für die Ausstellung Burschenschaften und Verbindungen unter die Lupe nahm: So sind Säbel, Mützen, Bänder, Uniformen und Paukbücher der Teutonia und Holsatia zu sehen, die minutiös auflisten, wann und wie die jungen Männer gefochten haben – darunter Namen, die in Schleswig-Holsteins Geschichte eine Rolle spielten wie etwa Graf Reventlou-Preetz, Lorenz von Stein oder auch der spätere Chirurg Friedrich von Esmarch. Die Kieler Studenten galten als rauflustig, als solche, die „häufig in der Kneipe saßen und Pfeife rauchten“, so Racknitz. Bei einem ihrer Gelage hätten sie fast die Kneipe „Sandkrug“ auf dem Ostufer abgefackelt, woraufhin sie im Karzer landeten.

 Dass sich Studenten dort die Zeit mit Karikaturen über ihre Professoren vertrieben, zeigen entsprechende Zeichnungen. Illustrationen, Gedichte und Liedtexte fanden sich aber auch in sogenannten Stammbüchern. „Das war eine Art frühes Poesiealbum der Studenten, ein Zeugnis der Freundschaftskultur“, sagt die Historikerin Dr. Maike Manske. Bis 1908/09 durften nur Männer in Kiels Hörsäle. In einer Vitrine liegt eine abschlägig beschiedene Bitte von fünf Frauen aus dem Jahr 1884 aus, an einer Faust-Vorlesung wenigstens als Gasthörerinnen teilnehmen zu können. Eine die Schreiberinnen war Johanna Mestorf, später die erste Honorarprofessorin Preußens und Museumsdirektorin. Wie stark der Nationalsozialismus ins universitäre Leben eingriff, wird am Schicksal des Begründers der Soziologie, Ferdinand Tönnies, beschrieben. Er übte öffentlich Kritik am aufkommenden Nationalsozialismus und trat 1930 der SPD bei. 1933 erhielt er von den Nazis Lehrverbot. Etwa ein Viertel aller Kieler Gelehrten wurden vertrieben. Fotos dokumentieren aber auch die Zerstörung der Hochschule im Krieg und den Wiederaufbau auf dem heutigen Campus. Plakate und Faltblätter informieren über die 300-Jahr-Feier 1965 und die Studentenbewegung 1968.

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