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Reise in die Steinzeit
CAU Kiel Jubiläum: 350 Jahre CAU Kiel

Fest auf dem Kieler Campus Reise in die Steinzeit

Erstmals entstanden in Schleswig-Holstein Dörfer, es gab Viehzucht und Ackerbau. Das war vor rund 5500 Jahren. Wie „tickten“ diese ehemaligen Sammler? Aufschluss gibt eine steinzeitliche Grabanlage in Wangels in Ostholstein. Eine Kopie davon errichten Wissenschaftler im Rahmen des Universitäts-Jubiläums auf dem Campus der Uni Kiel – der Auftakt wird Himmelfahrt mit einem großen Steinzeitfest gefeiert.

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Im vergangenen Sommer hat Dr. Martin Hinz die Grabungen in Wangels geleitet. Er untersucht auch die sozialen und gesellschaftlichen Umbrüche in der Zeit, als aus Sammlern und Jägern sesshafte Siedler und Ackerbauern wurden.

Quelle: Björn Schaller

Kiel. Wenn an diesem Tag so gegen 14 Uhr vor der Pforte am Uni-Hochhaus in der Olshausenstraße ein von Ochsen gezogener neolithischer Wagen mit einer Ladung Feuerstein vorfährt, ist das mehr als nur ein Spektakel. Es ist ein archäologisches Experiment, so Prof. Johannes Müller von der Graduiertenschule „Human development in landscapes“ (Entwicklung menschlicher Gesellschaften in Landschaften). Es geht darum, mit dem Nachbau eines Ganggrabes aktuelle Forschung sowie Geschichte erlebbar zu machen – und zu zeigen, dass bereits damals extreme gesellschaftliche Umbrüche Spuren in der Landschaft hinterlassen haben.

 Aufgeschichtete Steine, die eine steinzeitliche Grabanlage bildeten, sind vielen Menschen vielleicht vertraut. Aber für was stehen sie? Und was kann die Wissenschaft aus diesen Anlagen lesen? Antworten bietet die Grabanlage in Wangels, die die Kieler Forscher seit mehr als drei Jahren in Zusammenarbeit mit der Graduiertenschule, dem DFG-Forschungsschwerpunkt „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung sowie dem Institut für Ur-und Frühgeschichte untersuchen und die Vorbild für die Anlage auf dem Uni-Campus neben dem Theater im Sechseckbau ist. Im vergangenen Sommer hat Dr. Martin Hinz in Wangels die Grabungen von LA 69, einem Langbett, geleitet. Das steinzeitliche Megalithgrab am westlichen Oldenburger Graben datiert er auf die Zeit um 3500 bis 3300 v. Chr. Dort fand sein Team beispielsweise eine Henkelschale, deren Tonscherben mit einem dunklen Belag bedeckt sind. Hier nutzen die Forscher beispielsweise die Makrobotanik. Mit ihrer Hilfe lassen sich in diesem Belag beispielsweise Proteine zu finden, die Aufschluss über die Ernährung geben. Ebenso können winzige Pollen aus den unterschiedlichen Sedimentschichten Einblicke in die damalige Botanik geben. Frühe Getreidesorten lassen sich so ebenso analysieren wie Daten über Umwelt und Klima in der damaligen Epoche.

 Wie diese Ernährung ausgesehen hat, sollen die Besucher des Festes selbst erproben. So wird es vor dem Uni-Hochhaus einen „Jungsteinzeitlichen Jahrmarkt“ geben, wo die Besucher nicht nur ab 14 Uhr viele Informationen erhalten, sondern selbst mit steinzeitlicher Technik Getreide mahlen und backen können, wo sie Feuerstein schlagen, weben oder mit einem Bogen schießen dürfen. Um 15 Uhr wird die Ausstellung „Speisen in der Urgeschichte“ eröffnet. Um 16.30 Uhr folgt die Einweihung des archäologischen Megalith-Parcours. Ganz in die Steinzeit tauchen auch die Wissenschaftler. So werden Delegationen von Universitäten und Forschungseinrichtungen erwartet, die „rituelle Opfer“ für die gute Zusammenarbeit darbringen. Nachdem um 18 Uhr Exponate in der Grabanlage deponiert worden sind, folgt um 19 Uhr ein Vortrag über Großsteingräber. Ab 20 Uhr wird der Megalith-Tag mit Musikgruppen ausklingen. Möglich wird dieses Programm durch die Zusammenarbeit mit der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, der Arche Warder sowie des Archäologisch-Ökologischen Zentrums Albersdorf.

 Die Grabanlage wird auf dem Uni-Campus bleiben. In Wangels war sie mit einem Grashügel überwölbt. Nicht Führer oder Gottheiten wurden dort bestattet, sondern die gesamte Dorfgemeinschaft, ist die These von Martin Hinz. Das Grab haben die Siedler gemeinsam gebaut – das hat sie auch als Gruppe zusammengeschweißt. Und auch deswegen ist es ein Symbol, was weiter Gültigkeit hat.

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