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CAU Kiel 350 Jahre Auf der Spur der Pflanzenschutzmittel
CAU Kiel 350 Jahre Auf der Spur der Pflanzenschutzmittel
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10:03 20.07.2015
Von Kristiane Backheuer
Mit Gummistiefeln und Wasserschöpfer auf der Suche nach den Resten von Pflanzenschutzmittel: eine schwere Aufgabe, denn einige Mittel verändern sich oft vollständig. Und dann muss Dr. Uta Ulrich wissen, wonach sie suchen muss. Quelle: Ulf Dahl

Bisher war die Schlussfolgerung einfach: Gebe ich ein Mittel X auf den Acker und kann davon später nichts mehr im Boden oder Grundwasser nachweisen, ist alles gut. Doch mittlerweile hat sich herausgestellt, dass aus dem Mittel X plötzlich der Stoff Y, ein sogenanntes Transformationsprodukt, werden kann. Und damit beginnen die Probleme. Denn Y kann möglicherweise weitaus giftiger sein als das Ursprungsmittel X.

 Unzählige Male hat Uta Ulrich schon ihre wasserfesten Wanderstiefel angezogen, die Regenjacke übergestreift und in der Natur Proben an Tümpeln, Drainagerohren und Flüssen gezogen. Mit Erstaunen stellte sie fest, dass viele Mittel sich nicht einfach abgebaut haben, wenn sie nicht mehr zu messen sind. Stattdessen können sie eine komplett andere Form annehmen. „Zwar muss der Hersteller angeben, wie sich das Mittel zum Beispiel durch Sonneneinstrahlung oder Mikroorganismen verändern kann“, sagt die 49-Jährige. „Doch das Gesetz verlangt nur Angaben über ,relevante Transformationsprodukte’. Zunehmend wird jedoch auch nach dem geschaut, was als nicht-relevant klassifiziert ist, und man wird fündig.“

 Um mehr über diese bisher unbekannten Umwandlungsvorgänge zu erfahren, hat die Wissenschaftlerin einen Projektantrag beim Bundesministerium für Bildung und Forschung eingereicht. Etliche andere Mitbewerber hat sie zusammen mit ihren Partnern aus Lüneburg und Freiburg aus dem Feld geschlagen. Seit dem 1. Mai forscht sie intensiv zu diesem Thema. Viele örtliche Partner wie Biologen, Wasser- und Bodenverband, Landesämter und Ministerium hat sie mit ins Boot geholt. Dass das Thema zurzeit ziemlich heiß ist, beweist die Diskussion um das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat.

 Bei ihrem neuen Projekt weiß sie genau, wonach sie suchen muss. Schon seit Jahren forscht das Kieler Institut in einem 50 Quadratkilometer großen Gebiet in der Nähe von Flensburg. Rund um Husby und Satrup ist vor allem die Kielsau von besonderem Interesse. „Wir arbeiten hier Hand in Hand mit den Landwirten“, erzählt sie. „Das war am Anfang nicht immer leicht, hat sich aber zu einer tollen Zusammenarbeit entwickelt.“ Die Landwirte befürchteten noch mehr Einschränkungen als bisher. „Ich kann das gut verstehen. Sie erfüllen alle Vorgaben des Gesetzgebers, und trotzdem findet man die Mittel an ganz anderen Stellen wieder. Da gibt es noch viel Forschungsbedarf, warum das trotz aufwendigen Zulassungsverfahrens und sachgerechter Anwendung geschieht. Aber allen Beteiligten ist auch wichtig, dass die Natur geschützt wird.“

 Bei vielen Landwirten ist sie bereits persönlich vorbeigefahren, hat von ihren Forschungen erzählt und sich das Okay zum Probenziehen geholt. Auf den Feldern werden hier im Norden unter anderem Metazachlor bei Raps und Flufenacet bei Wintergetreide eingesetzt. „Insgesamt werden die Pflanzen in ihrem zehn bis elf Monate währenden Wachstum fünf bis sechs Mal gespritzt, zum Teil mit mehr als einem Wirkstoff“, sagt die Umweltmanagerin. In wochenlanger Arbeit entwickelte sie in ihrem Institutslabor eine ziemlich komplizierte Analysemethode, um die Mittel in den Wasserproben zu erkennen. Zudem sucht sie nach je zwei Transformationsprodukten (Oxalsäure und Sulfonsäure), die in einigen Studien schon erwähnt sind. Sie ist gespannt, was sie finden wird.

 In drei Jahren, wenn das Forschungsprojekt endet, weiß sie mehr. Dass Uta Ulrich zwischendrin die Puste ausgehen könnte, ist nicht zu befürchten. Als „hartnäckig und willensstark“ bezeichnet sie sich selbst. Und ihr Lebenslauf spiegelt das wider. Da ihr Abi zu „schlecht war“ für das Fach Umwelttechnik an der Fachhochschule in Lübeck, fing sie erst einmal mit Elektrotechnik an, um zum Hauptstudium wechseln zu dürfen. „Und dass, obwohl ich in Physik eine vier hatte und das Fach früh abgegeben habe", sagt sie lachend. So habe sie gelernt, sich durchzubeißen.

 Nach Stationen in Berlin, Rostock und Amerika/Utah ist sie seit 1994 am Kieler Institut. 2004 fing sie sogar noch einmal mit einem Universitätsstudium an. Seit 2011 hat sie den Doktortitel in der Tasche und darf sich Umweltmanagerin nennen. „Ich träume halt von einer nachhaltig genutzten Welt“, sagt die zweifache Mutter, die schon als junges Mädchen das Greenpeace-Heft abonniert hatte. Vergnügt schnappt sie sich ihre Wanderstiefel und den Koffer mit den Reagenzgläsern und macht sich auf in die Natur. Nur mal kurz die Welt retten. Für die ehemalige Leistungssportlerin im Langstreckenlauf anscheinend kein Problem.

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