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Von Frust und Lust mit Fischen
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Meeresbiologin Isabel Keller Von Frust und Lust mit Fischen

Im Jubiläumsjahr auf Entdeckungstour an der Uni: Diesmal haben wir im Rahmen unserer Serie "Wer forscht denn da?" bei einer Meeresbiologin in die Aquarien geguckt und gestaunt, wie viel Geduld Forschung manchmal erfordert.

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Die Buntbarsche von Isabel Keller wollen gerade nicht so, wie es sich die Forscherin vorstellt – sie paaren sich nicht. Und auch bei den Versuchen der Wissenschaftlerin machen sie im Moment nicht mit.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. „Die Wissenschaft ist ein hartes Pflaster“, sagt Isabel Keller und guckt leicht resigniert auf die unzähligen Aquarien um sie herum. Im Moment nämlich wollen die Fische ganz und gar nicht so, wie sie das will. Die 29-jährige Meeresbiologin von Geomar (das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung kooperiert mit der Kieler Uni bei meereswissenschaftlichen Studiengängen) hat ihren Arbeitsplatz in den Tiefen des Gebäudes des Kieler Aquariums an der Kiellinie. Hier macht sie Versuche an Buntbarschen. Sie will für ihre Doktorarbeit herausbekommen, ob und wie viel Immunabwehr die Mutter an ihre Fischkinder weitergibt. Doch das ist alles andere als leicht.

 Wochen- und monatelang hat sie Versuche über Versuche gemacht, doch es gelang bisher nicht einer. Dabei schien alles so einfach. Ihre Buntbarsch-Art heißt „Burton’s Maulbrüter“, und da ist der Name Programm. Die Mutterfische tragen tatsächlich die Fischeier – manchmal bis zu 50 Stück – vier Wochen lang im Maul, bis endlich der Nachwuchs schlüpft. In dieser Zeit bekommen die Kleinen die Immunabwehrstoffe der Mutter übertragen. Im Grunde so, wie Babys mit der Muttermilch. Wenn man nun die Eier einfach einem anderen Weibchen in den Mund schmuggelt, müsste doch leicht festzustellen sein, was die Mutter an Abwehrkräften weitergibt, dachte sich die Wissenschaftlerin.

 Isabel Keller schnappt sich Weibchen, die ein volles Maul hatten, spülte die Eier aus und übergab sie anschließend mit einer Pipette an andere Weibchen. Die ersten Male stand sie noch fasziniert vorm Aquarium. Was wird nach dem Eieraustausch passieren? Doch es war immer gleich. Die Neu-Mütter spuckten die runden Dinger einfach wieder aus oder kauten sogar bedächtig darauf herum und aßen den fremden Nachwuchs auf. „So rund 50-mal – gefühlt aber bestimmt 500-mal – hab’ ich im letzten halben Jahr den Versuch gemacht“, sagt sie. „Aber es klappte nicht. Ob es am Stress lag? Oder ob sie die Eier als fremde Eier erkannt haben? Ich weiß es nicht.“ Vor lauter Frust fuhr Isabel Keller erst mal zwei Wochen in die Bretagne zum Schnorcheln.

 Schon als Siebenjährige wusste Isabel Keller, dass sie Meeresbiologin werden wollte. „Ich hatte eine Doku über ein Meeresbiologen-Pärchen gesehen, das auf einer Insel lebte und dort forschte“, erinnert sich die gebürtige Schweizerin. „Das wollte ich auch.“ Als Neunjährige konnte sie jede Wal-Art an der Flosse erkennen. Mit 14 Jahren machte sie einen Tauchschein und erforschte den Zürichsee. Während des Biologie-Studiums in Kiel arbeitete sie mit Seenadeln. Über eine Feldassistentenstelle in Bern kam sie schließlich nach Afrika und zu den Buntbarschen. Bei Tauchgängen traf sie eineinhalb Meter große Exemplare, und abends am Lagerfeuer stellte sie fest, dass Buntbarsche ziemlich gut schmecken.

 Doch zurück nach Kiel: Mit den Fischen in der Aquariumshalle züchtet Isabel Keller, um weitere Experimente machen zu können. Und da taucht auch schon das nächste Problem auf. „Zurzeit paaren sie sich einfach nicht“, sagt Isabel Keller, die bereits seit drei Jahren mit Buntbarschen arbeitet und immer wieder aufs Neue beweisen muss, dass eine Meeresbiologin viel Geduld braucht. „Dabei ist der Buntbarsch der leichteste Fisch zum Verpaaren.“ Aber auch das entmutigt sie nicht. „Das biologische System will halt nicht immer so, wie man sich das denkt.“ Mit einem Lächeln erzählt sie, dass sie für ihre Immunabwehr-Doktorarbeit schon an Plan B arbeitet. Einige Mutterfische werden von ihr geimpft. Die Abwehrkräfte der Nachkommen vergleicht sie dann mit den Babyfischen von ungeimpften Weibchen. Und das Paarungsproblem ist in ihren Augen vermutlich nur eine Frage der Zeit. „Das wird schon wieder.“ Ans Aufgeben hat sie nie gedacht. „Ich hab’ doch den vielfältigsten Beruf. Vom Bauen von Aquariensystemen bis zur Zellen-Untersuchung im Labor ist alles dabei“, sagt sie munter, schnappt sich den Putzschwamm und sorgt wie jeden Tag bei ihren Buntbarschen für den perfekten Durchblick.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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