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Verpflichtung zu Respekt und Toleranz
CAU Kiel Jubiläum: 350 Jahre CAU Kiel

Studentenverbindungen Verpflichtung zu Respekt und Toleranz

An Universitäten bilden die Corps heute die ältesten und traditionsreichsten Studentenverbindungen. Anlässlich des 350. Geburtstages der Kieler Universität luden die Kösener und Weinheimer Corpsstudenten im Alte-Herren-Senioren-Convent (AHSC) zu einem Akademischen Festakt in den Kieler Yachtclub.

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Der Alte-Herren-Senioren-Convent zu Kiel (AHSC) gab sich die Ehre, aus Anlass der 350-Jahr-Feier der Christian-Albrechts-Universität zu einem Festakt einzuladen.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dabei ging es auch um die Positionsbestimmung der Corps zwischen Vorurteilen, Traditionsbewusstsein und Hochschulen im Wandel.

 Etwa 160 geladene Gäste kamen, viele von ihnen in vollen Farben und Montur. Für so manchen wirkt das Auftreten anachronistisch, andere werfen die Verbindungen fälschlicherweise mit Burschenschaften in einen Topf und rücken sie politisch in die rechte Ecke. Zu Unrecht, betont Dr. Gerd I. Meyer, früher als Nephrologe am Uniklinikum tätig und heute der Vorsitzende des Kieler AHSC (165 Mitglieder). Denn in ihren Statuten haben die Corps ein Selbstverständnis verankert, das sie als tolerant, weltoffen und unpolitisch beschreibt. Es sind Werte wie die Erziehung zur eigenen Vervollkommnung und Hilfestellung für Jungakademiker bis zum erfolgreichen Studienabschluss, die Meyer in seiner Begrüßungsansprache als die heutige Aufgabe der Corps hervorhebt. Dabei sparte er nicht mit Kritik an den modernen Massenuniversitäten, an denen bis zu 29 Prozent der Studierenden ihr Studium abbrechen. Die Universitäten als „Lernfabriken“? Der Kieler Universitätspräsident Prof. Lutz Kipp wollte diese Einschätzung in seiner Ansprache mit Blick auf Spitzenforschung, Transfer und gute Lehre nicht so stehen lassen: „Wir schaffen Wissen, Technologien und Innovation.“ Studierenden mit einer guten Idee zu helfen, ein Unternehmen zu gründen, werde stärker zur Aufgabe der Universitäten werden.

 Nicht nur Masse, sondern auch Klasse bescheinigte Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister und Botschafter des Uni-Jubiläums, der CAU, an der mittlerweile etwa 25 000 Menschen studieren. Früher eher ein „Raumschiff am Rande“, präge die Uni die Stadt und die Studierenden. Er erinnerte an seine eigenen Göttinger Studienzeiten, als er als Juso-Mitglied ebenso Pauschalurteile von Seiten der „wahren Linken“ erlebte wie Mitglieder von Verbindungen aus seinen Reihen. Da er in der Bildungsarbeit immer den Diskurs auch mit Andersdenkenden suchte, habe er erkannt: „Teufel und Engel sind über alle Milieus verteilt, ebenso wie die Trottel und Blitzgescheiten.“ Das Mensurschlagen als Tradition der Corpsstudenten, gab er jedoch zu, habe bei ihm ein Stirnrunzeln ausgelöst.

 Festredner Prof. George Turner, früher Präsident der Westdeutschen Hochschulrektorenkonferenz nahm sich „die Wechselbäder der Hochschulpolitik“ vor und kritisierte die Föderalismusreformen: „Jede neue Landesregierung ändert die bestehenden Regelungen des Hochschulrechts.“ Erhielten die Fachhochschulen das Promotionsrecht, dann sieht er das gesamte Hochschulsystem in Gefahr. Historiker Dr. Martin Rackwitz ließ die Geschichte von 350 Jahren Studenten und Korporationen in Kiel unter dem Titel „Von Kavalieren und Revolutionären“ Revue passieren: Im 19. Jahrhundert gehörte mehr als die Hälfte aller Studenten Verbindungen an. So mancher wie Georg Beseler schrieb an der Verfassung der Paulskirchenversammlung mit. Aus dieser demokratischen Tradition „ergibt sich für uns auch die Verpflichtung, unterschiedliche Meinungen zu respektieren und im demokratischen Miteinander Toleranz zu leben.“ Für ihn Fähigkeiten, die in der heutigen heterogener werdenden Gesellschaft besonders wichtig sind.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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