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Ein Hünengrab mitten auf dem Campus
CAU Kiel Jubiläum: 350 Jahre CAU Kiel

Uni Kiel Ein Hünengrab mitten auf dem Campus

Zwei Ochsen schleppen einen hölzernen Karren mit Feuersteinen heran, mehr als 60 Helfer ziehen an dicken Seilen, um zwei 4,5 Tonnen schwere Findlinge zu bewegen. Ein Hünengrab entsteht – mitten auf dem Campus der Kieler Universität. Als es am Donnerstagabend fertig ist, werden rituelle Opfergaben in Form von Gefäßen hineingelegt.

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Holzbohlen, Taue und Muskelkraft ersetzen den Kran: Beim Bau des Megalithgrabes auf dem Campus der Kieler Universität packten mehr als 60 Helfer mit an.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Was Donnerstagnachmittag an der Universität passierte, gehört zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahres. Studenten und Dozenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte und der Graduiertenschule Human Development in Landscapes sowie Mitglieder der Archäologischen Gesellschaft Schleswig-Holstein, der Schleswiger Wikingergruppe Oppin Skjold und des Tierparks Arche Wader haben gemeinsam mit Gästen und einem bunten Programm den Nachbau eines frühsteinzeitlichen Megalithgrabes errichtet.

Als Vorbild diente ein etwa 5300 Jahre altes Großsteingrab, das eine Gruppe Kieler Archäologen unter der Leitung von Jan Piet Brozio vor zwei Jahren in Wangels (Ostholstein) entdeckt und freigelegt hatte. „Von den Tausenden Großsteingräbern in Schleswig-Holstein, die vor allem zwischen 3600 und 3200 v. Chr. errichtet wurden, sind heute noch höchsten 300 bis 400 erhalten“, begründet Prof. Jürgen Newig von der Archäologischen Gesellschaft den Nachbau an der Universität.

 Der Ort für dieses Grab ist mit Bedacht gewählt worden. „An den Megalithgräbern wurden früher Versammlungen abgehalten, die Entscheidungen der Mächtigen getroffen und auch gefeiert. Deshalb ist der Platz zwischen Audimax, Mensa und Verwaltungsgebäude genau richtig“, sagt Johannes Müller, Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte. Die Steine für das Grab kommen aus einem Kieswerk in Rastorf, ausgesucht hat sie Müllers Kollege und Organisator des „Megalithsite“ an der Universität, Dr. Walter Dörfler.

 Dass zwei Hinterwälder-Rinder vom Tierpark Arche Wader einen Karren voller Feuersteine, also Flint, aus Flintbek brachten, hat zwei Gründe: „Zum einen werden die Steine zum Auslegen der Grabkammern benötigt, zum anderen ist Flintbek neben der Steppe in der heutigen Ukraine und Mesopotamien einer der drei Orte auf der Welt, an dem die ersten Spuren von Rädern (etwa 3400 v. Chr.) nachgewiesen wurden“, erklärte Kai Frölich von der Arche Wader. eis

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