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Bakterien sind seine Begleiter
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Wissenschafts-Serie Bakterien sind seine Begleiter

Im Jubiläumsjahr auf Entdeckungstour an der Kieler Uni: In der dritten Folge unserer Wissenschafts-Serie schauen wir bei einem 21-jährigen Biologen in die Erlenmeyerkolben. Der junge Forscher sucht nach einer Lösung gegen Antibiotika-Resistenzen.

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Feuer und Flamme für Bakterien: Der junge Biologe Roderich Römhild beschäftigt sich mit der Frage, wie man Antibiotika-Resistenzen bezwingen kann.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Der zwölfte Stock des Bio-Hochhauses der Kieler Uni ist ein Paradies für Bakterien. Hier werden sie gefüttert, gezüchtet, vermehrt und verhätschelt. Hätten wir Mikroskop-Augen würden wir Bakterienstämme sehen, die sich wohlig räkeln, glücklich pupsen, immer wieder essen, essen, essen und mit der Zeit immer mehr und mehr werden. Mittendrin steht Roderich Römhild und hält strahlend einen Erlenmeyerkolben mit einer grünen Flüssigkeit in die Höhe. „Seine“ Bakterien haben sich im Wärmeschrank prächtig vermehrt. Der 21-Jährige ist dabei, eine Lösungsidee gegen Antibiotika-Resistenzen zu entwickeln – zumindest im Labor .

 In wenigen Wochen wird der junge Wissenschaftler einen Aufsatz zu diesem Thema veröffentlichen. Seine Doktorarbeit dazu hat er gerade in der AG Schulenburg begonnen – finanziert von der Deutschen Forschungsgesellschaft. „Das Thema ist ziemlich heiß“, sagt er. Denn die Menschheit reagiert immer weniger auf Antibiotika-Mittel.

 Lungenentzündungen, schwere Erkältungen und bakterielle Wundinfektionen sind immer schwerer in den Griff zu bekommen. Roderich Römhild hat sich zum Ziel gesetzt, die Bakterien auszutricksen. „Das ist superspannend“, erzählt er. Die Mikroorganismen in seinem Labor mussten in den vergangenen Monaten viel über sich ergehen lassen. Stämme wurden eingefroren, mit Stromschlägen traktiert, mit extremer Hitze bombardiert. Bei einigen Zellen trennte er DNA-Stücke (Geninformationen) heraus und setzte fremde Stücke wieder ein. Krank wurde er selber übrigens nicht ein einziges Mal. Und dass, obwohl Krankheitserreger täglich seine Begleiter sind.

 Wenn Roderich Römhild von der Biologie erzählt, ist er Feuer und Flamme. Dabei wurde seine Leidenschaft erst ziemlich spät geweckt. Ein Lehrer seines Cottbusser Gymnasiums schlug ihm in der neunten Klasse vor, an einer weltweiten Biologie-Olympiade teilzunehmen. Drei Mal machte er bei der Vorauswahl mit, bis er in der zwölften Klasse tatsächlich als einer der vier Besten für Deutschland starten durfte. „Das war schon einmalig“, schwärmt er noch heute. Ein über 1000 Seiten starkes Bio-Buch war damals seine tägliche Nachttischlektüre. Und seitdem ist Roderich Römhild der perfekte Bio-Joker für die Sendung „Wer wird Millionär“.

 „Eigentlich liebe ich die Botanik und Meereskunde“, erzählt er. Als 17-Jähriger machte er ein vierwöchiges Praktikum auf Helgoland. Zählte Robben, züchtete Krebse und untersuchte Plankton. Von seinem ersten Preisgeld der Bio-Olympiade kaufte er sich für 500 Euro ein Mikroskop und machte sich im Garten seiner Eltern auf Entdeckungstour. Als er 2011 in Kiel mit dem Studium anfing, kam er nach und nach zur Mikrobiologie. „Das ist schon ziemlich faszinierend“, sagt er und fügt nachdenklich hinzu: „Wir kennen die Pflanzen- und Tierwelt. Haben alles schön sortiert. Aber wir waren bei der Evolution nicht dabei.“ Das sei bei den Bakterien anders. „Sie evolvieren sehr schnell. Ich kann die eine Hälfte einer Bakterienkultur einfrieren und zur anderen gebe ich Antibiotika. Dann kann ich wunderbar sehen, wie sie resistent werden und sie mit ihren Vorfahren vergleichen.“ Das Schöne an seinem Thema: „Das ist nicht nur für die Wissenschaft interessant, sondern ich helfe irgendwann hoffentlich Menschen.“

 Wie trickst man denn nun die Bakterien aus? „Man kann zwei verschiedene Antibiotika-Mittel abwechselnd geben“, sagt er. „Das verwirrt die Bakterien so, dass sie beim zweiten Mittel die Verlierer sind.“ Ob das tatsächlich klappt, muss nun aber erst noch weiter erforscht werden. „In meinem Labor war das ziemlich eindeutig, aber im Menschen gibt es so viel mehr Biologie. Da muss sich zeigen, ob meine Ergebnisse eins zu eins übernommen werden können.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

Fotostrecke: Students of Kiel