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G-20 Hamburg Ort für Großdemo, Absage von Elton John
G-20 Hamburg Ort für Großdemo, Absage von Elton John
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12:31 05.07.2017
Popstar Elton John hat sein Konzert in Hamburg am Sonnabend kurzfristig wegen des G20-Gipfels abgesagt. Quelle: Antonio Pedro Santos/dpa
Hamburg

Die Initiatoren der Großdemonstration «Grenzenlose Solidarität statt G20», denen eine Abschlusskundgebung auf dem Heiligengeistfeld am Sonnabend gerichtlich untersagt wurde, haben als Alternative den nahegelegenen Millerntorplatz akzeptiert. «Wir sind weiterhin zutiefst von der Rechtswidrigkeit des Verbots des Heiligengeistfeldes und der gesamten Blauen Zone überzeugt», erklärte Bündnissprecher Yavuz Fersoglu am Mittwoch. «Wir brauchen aber jetzt Sicherheit und Transparenz für die anreisenden Demonstranten. Eine Entscheidung des Verfassungsgerichts am Freitag würde uns nur noch wenig nützen.» Die Organisatoren behielten sich allerdings vor, dennoch weiter zu klagen.

Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte Montag eine entsprechende Entscheidung des Verwaltungsgerichts bestätigt und eine Beschwerde der Veranstalter dagegen zurückgewiesen (Az. 4 Bs 141/17). Die Allgemeinverfügung der Versammlungsbehörde sei rechtmäßig. Es bestünden hinreichende Anhaltspunkte, dass aus der Versammlung Gewaltstraftaten begangen würden, welche die körperliche Unversehrtheit oder das Leben von Polizisten, Unbeteiligten und friedlichen Demonstrationsteilnehmern gefährden könnten. Auf dem Heiligengeistfeld gebe es die Gefahr einer Massenpanik bei den angekündigten 50.000 bis 100.000 Teilnehmern.

«Warum sollte auf dem Heiligengeistfeld "Gefahr für Leib und Leben" bestehen, auf dem direkt davor gelegenen, aber viel zu kleinen Millerntorplatz aber nicht?», kritisierte Fersoglu. «Die maßlosen Gefahrenprognosen der Polizei entbehren jeder Plausibilität und Logik. Sie dienen allein dem Zweck, Versammlungen zu erschweren oder zu verhindern und stellen die Sicherheit von Diktatoren und Autokraten über die Rechte der Bevölkerung.» Jetzt bräuchten die Demonstranten aber Planungssicherheit.

Neben den Scharmützeln zwischen Demonstranten und Polizei hat der Gipfel auch Auswirkungen auf das musikalische Leben in der Stadt: Popstar Elton John (70) hat sein Konzert in Hamburg am Sonnabend kurzfristig wegen des G20-Gipfels abgesagt. Für das Tourneeflugzeug des Musikers sei wegen der Beschränkungen rund um das Treffen der Staats- und Regierungschefs am Freitag und Sonnabend die Landeerlaubnis zunächst nicht erteilt worden, berichtete Frehn Hawel, Sprecher des Konzertveranstalters Karsten Jahnke, am Mittwoch. «Das Management hat noch gehofft, dass es klappt. Aber es waren zu viele Unwägbarkeiten, irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden.»

Die Show, zu der rund 10 000 Fans in der Barclaycard Arena erwartet wurden, soll nun am 5. Dezember dieses Jahres über die Bühne gehen. Mehrere Hamburger Behörden, der Flughafen sowie der Airbus-Flughafen hätten zwar weiter versucht, die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten, hieß es in einer Mitteilung des Veranstalters, diese seien jedoch zu spät gekommen. «Die Entscheidung, das Konzert neu zu terminieren, musste bereits getroffen werden und eine Rücknahme der eingeleiteten Tournee-Umstrukturierung war nicht mehr möglich.»

Elton John und Band sind im Rahmen ihrer «Wonderful Crazy Night»-Tour unterwegs, am Mittwochabend stand Mannheim auf dem Tourneekalender. «Es tut mir sehr leid, dass es mir nicht möglich sein wird, am 8. Juli in Hamburg aufzutreten und ich möchte mich bei all meinen Fans für mögliche Unannehmlichkeiten entschuldigen», wurde der Musiker in der Mitteilung zitiert. «Aber ich freue mich darauf, das Konzert am 5. Dezember nachholen zu können.»

 Außerdem startete bereits am Mittwoch der etwas andere Gipfel in der Hansestadt: Mit Forderungen nach einer «Globalisierung des Widerstands und der Solidarität» hat in Hamburg der alternative Gipfel der Kritiker der Top-Wirtschaftsmächte begonnen. Zwei Tage vor dem Treffen der reichen Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsmächte (G20) in der Hansestadt diskutieren Vertreter von rund 75 Initiativen über Alternativen zur aktuellen Politik der G20, die aus ihrer Sicht die großen Probleme der Welt wie Klimawandel, Kriege und Hunger nicht lösen können.

Zu dem «Gipfel der globalen Solidarität» am Mittwoch und Donnerstag werden bis zu 1500 Teilnehmer aus 20 Ländern in der Hamburger Kulturfabrik Kampnagel erwartet. Die Eröffnungsrede sollte die indische Globalisierungskritikerin Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises, halten.

Von KN

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