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G-20 Hamburg Geschockt vom Ausmaß der Gewalt
G-20 Hamburg Geschockt vom Ausmaß der Gewalt
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13:03 08.07.2017
Von Bastian Modrow
Auch Polizeiseelsorger Marc Meiritz,53, aus Schleswig-Holstein ist während des G-20-Gipfels im Dauereinsatz. Quelle: Ulf Dahl
Hamburg

Zum G-20-Gipfel hat die Polizeiführung nicht nur Einsatzkräfte aus Schleswig-Holstein angefordert, auch Demonstranten sind aus dem Norden nach Hamburg gereist. Beide Seiten eint der Schock über die Auswüchse der Gewalt.

„Ich habe seit der Nacht unzählige Gespräche mit Einsatzkräften geführt“, sagt Marc Meiritz. Der 53-Jährige ist Polizeiseelsorger aus Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit seinem Hamburger Kollegen Patrick Klein koordiniert der katholische Diakon den Einsatz von 50 Kollegen, die den Polizisten beim G-20-Gipfel mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Viele Kollegen kommen nicht mehr zur Ruhe, den meisten geht es jetzt darum, sich das Erlebte einmal von der Seele zu reden“, berichtet Meiritz. Angst vor der Gewalttätigkeit Autonomer spüre er bei seinen Kollegen nicht, „aber natürlich sorgen sie sich um die eigene Unversehrtheit und die der Kollegen“. Platz für die Befriedigung persönlicher Eitelkeiten sei nicht: „Wer in solchen Lagen seine narzisstische Persönlichkeit und sein Schwarz-Weiß-Denken vor sich her trägt, der nervt auch schnell.“

Trotz der angespannten Lage sei die Stimmung gut: „So eine Herausforderung wie dieser Einsatz schweißt zusammen, zumal ich immer wieder auf bekannte Gesichter junger Kollegen treffe, die ich in Eutin unterrichtet habe.“ Eng sei der Draht zu den Kollegen aus Schleswig-Holstein, vor allem zu der Einsatzhundertschaft. Meiritz, der 2011 vom damaligen Innenminister Klaus Schlie als „das soziale Gewissen der Landespolizei“ gewürdigt wurde, ist überzeugt, dass durch den Hamburg-Einsatz „zahlreiche Freundschaften und Beziehungen auch über Landesgrenzen hinweg“ entstehen werden. Wann für ihn der G-20-Einsatz endet, weiß er noch nicht genau. „Wir sind noch einige Tage länger vor Ort“, sagt er. „Wenn ich dann wieder zu Hause bin, dann freue ich mich auf einen entspannten Spaziergang an der Ostsee und ein Frühstück im Neustädter Hafen mit meiner Lieblingsmenschin.“

Thomas Nommensen und seine Kollegen der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) aus Schleswig-Holstein nutzen jede freie Minute, ihre G-20-Kollegen zu besuchen. „Dieser Einsatz ist die größte Herausforderung in der Geschichte der deutschen Polizei“, sagt der Landes-Vize. Auch der 49-jährige Lübecker ist ein begehrter Ansprechpartner für die Beamten: „Ging es in den ersten Tagen um Ärger bei der Unterbringung, ist es jetzt das brutale und rücksichtslose Auftreten zahlreicher Demonstranten.“ Dem Wochenende sieht er am Freitag mit Sorge entgegen: „Es steht zu befürchten, dass weitere Demonstrationen unfriedlich und gewalttätig verlaufen.“

Erika und Bruno Lefevre sind zwei Aktivisten, die für die Stärkung von Menschenrechten in aller Welt auf die Hamburger Straße gehen und sich dafür sogar Urlaub genommen haben. „Wir wollen keine Marionetten sein und tatenlos zuschauen“, sagt die Nordfriesin. Nur wer seinen Mund aufmache und seine Meinung sage, könne etwas verändern. Ein Grundsatz, den das Paar seit den Golfkriegs-Demos vertritt. Auch zum Thema Gewalt haben die Lefevres eine klare Haltung: „Protest ist notwendig, aber Aggressionen lehnen wir ohne Wenn und Aber ab.“

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