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G7 Gipfel Lübeck - Außenministertreffen Lübeck wartet auf die Außenminister
G7 Gipfel Lübeck - Außenministertreffen Lübeck wartet auf die Außenminister
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09:48 13.04.2015
Von Bastian Modrow
Freut sich, im Audienzsaal des Rathauses die Mächtigen der Welt begrüßen zu dürfen: Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Er geht davon aus, dass die Hansestadt von dem Ereignis profitiert. „Das ist besser als jedes Marketing.“ Quelle: Olaf Malzahn

„Wir wollen gute Gastgeber sein“, sagt Bernd Saxe und nickt – gleichermaßen anerkennend und stolz. „Sein“ historisches Rathaus spielt eine zentrale Rolle, wenn Mittwochabend die politische Prominenz anrollt. „Hier im Audienzsaal werde ich einen Empfang geben, hier werden sich die Minister in unser goldenes Gästebuch eintragen“, sagt Lübecks Bürgermeister. Das war es dann aber auch schon. Viel mehr als einen Händedruck und etwas Smalltalk sieht das über alle Maßen strenge Protokoll des Auswärtigen Amtes für den 61-Jährigen nicht vor. Streng genommen sind Saxe und sein Verwaltungsstab dieser Tage ohnehin nicht mehr Herr im Haus. Hier ist noch der Dekorationstrupp des Ministeriums mit dem Aufstellen der Flaggen der Teilnehmerländer beschäftigt, dort werden noch Scheinwerfer montiert. Schließlich sollen Steinmeier, Kerry und Co. in bestem Licht erstrahlen, wenn Fotos und Filmbeiträge in alle Welt gesendet werden.

 Nein, Zufälle soll und darf es in den kommenden Tagen nicht geben. Das Drehbuch für das G7-Außenministertreffen ist fixiert, Stadt und Einwohner sind Statisten in dem internationalen Polittheater. Ein hoher Preis? Der Bürgermeister schüttelt mit dem Kopf. Er schmunzelt und sieht es gelassen. „Unsere Stadt wird von G7 profitieren, das ist besser als jedes Marketing“, sagt er. Lübeck sei eine weltoffene und internationale Stadt, betont Saxe und geht auf Nummer sicher. In jedem Hotelzimmer eines jeden Ministers und Delegierten hat er „Lübecker Wundertüten“ platzieren lassen – mit Marzipan, Rotspon und Infomaterial über seine Stadt. Als sein SPD-Genosse Frank-Walter Steinmeier im Herbst 2014 anfragte, ob Lübeck und sein noch ungeöffnetes Hansemuseum für das Treffen der Außenminister bereit stünde, „da musste ich nicht lange nachdenken“.

 Eine Haltung, für die der Verwaltungschef bis heute viel Kritik einstecken muss – nicht nur bei den politischen Kontrahenten in den städtischen Gremien, auch bei den Globalisierungsgegnern ist der Widerstand groß. So groß, dass der Protest ab heute tausende Gegner auf die Straßen treiben wird. Zehn Gegendemonstrationen sind geplant. Ob Steine fliegen und Mülltonnen brennen, das werden die kommenden Tage zeigen. Viel ist in den vergangenen Tagen über die Sicherheit diskutiert worden. Vor allem Christoph Kleine war ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder gefallen ist. Der Lübecker war auch an der Organisation der Blockupy-Proteste in Frankfurt/Main beteiligt, bei denen es massive Ausschreitungen gegeben hatte. Drohen in Lübeck nun ähnliche Bilder? „Ich bin es langsam leid, immer wieder zu betonen, dass die Proteste in dieser Form in Frankfurt nie geplant waren“, sagt Kleine genervt. Straßenschlachten schließt er beim G7-Protest aber aus: „Lübeck ist kein europäisches Finanzzentrum.“ Laut und bunt solle es vielmehr sein, wenn sich die Gegner mit ihrem Transparent „Das ist unsere Stadt – nicht Eure Kulisse“ morgen auf zum Zug durch die Altstadt machen. Maren Janotta, Sprecherin der Aktion „Block G7“, will nicht nur laut und bunt, sondern auch ungehorsam sein. Die Aktivistin kündigt Blockaden der Veranstaltungsorte an. An einer Eskalation sei ihre Gruppe aber nicht interessiert. Ziel der G7-Gegner ist es eigenen Angaben zufolge, für Frieden und gegen militärische Interventionen, für Demokratie und gegen das geplante Freihandelsabkommen mit den USA zu demonstrieren. „Keine Bank muss um ihre Fensterscheiben und kein Polizist um seine Gesundheit fürchten“, fixiert Kleine seine Ziele.

 Bürgermeister Saxe bleiben Zweifel. „Ich bin mir nicht sicher, ob Herr Kleine die Geister, die er ruft, so fest im Griff haben wird“, betont er, vertraut aber auf die Polizei. 3500 Polizisten sind im Einsatz, sollen gleichermaßen für einen reibungslosen Ablauf des G7-Treffens und einen störungsfreien Verlauf der Demonstrationen sorgen. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) richtet unmissverständliche Worte an mögliche Störer: Es sei zwar klar, dass nicht alle Menschen mit dem einverstanden seien, was beschlossen werde. „Wer aber die Gastfreundschaft missbraucht, um in Lübeck zu randalieren, wird deutlich die Grenzen aufgezeigt bekommen.“

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