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Polizei zufrieden, Gegner nicht

Nach dem G7-Trefen Polizei zufrieden, Gegner nicht

Der zweite Tag des Außenministertreffens stand im Zeichen der Politik, begann für die Politiker aber mit einer Panoramafahrt über die Trave. Per Schiff ging es von der Musik- und Kongresshalle zum Tagungsort.

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Mit einem Schiff der Küstenwache fahren die Teilnehmer des G7-Außenministertreffens in Lübeck über die Trave zum Tagungsort: Italiens Außenminister Paolo Gentiloni, EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Frankreichs Außenminister Laurent Fabius und US-Außenminister John Kerry.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Lübeck. Der Aufwand der Behörden für den nicht einmal fünfminütigen Törn war gigantisch: Bereits in den frühen Morgenstunden war der Bereich rund um das Europäische Hansemuseum weiträumig abgesperrt worden. Taucher der Polizei inspizierten das Gewässer. Schiffe der Wasserschutzpolizei sperrten die Trave ab, der Schiffsverkehr auf dem Elbe-Lübeck-Kanal wurde vorübergehend unterbrochen. Auf den Dächern der Media-Docks und der Musik- und Kongresshalle gingen Scharfschützen der Polizei in Stellung. Schaulustige wurden von den Uferseiten vertrieben.

Nach den Krawallen am Dienstagabend, bei denen 16 Personen festgenommen und elf vorübergehend in Gewahrsam genommen worden waren, blieb es in der Nacht ruhig. Auch am Mittwoch gab es lediglich zwei kleine Sitzblockaden, die von den Einsatzkräften allerdings geduldet wurden.

„Wir sind mit dem Verlauf des größten Einsatzes in der Hansestadt Lübeck zufrieden“, bilanzierte am Nachmittag der Einsatzleiter Heiko Hüttmann. Die Ziele seien erreicht worden: „Das Treffen der Außenminister ist ohne nennenswerte Zwischenfälle durchgeführt worden, die angemeldeten Demos sind alle störungsfrei verlaufen“, so der Polizeidirektor. Allein 150 vermummte Störer hätten am Dienstagabend kurzzeitig für Hektik gesorgt. „Es ist uns allerdings gelungen, sie vom Rathaus freizuhalten, so dass die Personen schnell erkannten, dass sie keine Chance haben und abzogen“, sagte Hüttmann.

Voll des Lobes war auch Bürgermeister Bernd Saxe (SPD): Der Aufwand habe sich in jeder Hinsicht gelohnt. „Lübeck hat sich hervorragend weltweit präsentiert und war für die internationalen Besucher ein toller Gastgeber.“ Es habe tolle Bilder gegeben und so mancher der Beteiligten habe bereits angekündigt, privat wiederkommen zu wollen.

Ob auch US-Außenminister John Kerry dazu gehört, bleibt ein Rätsel. Er war in der Nacht in Hamburg gelandet, nach Lübeck gefahren, verließ die Hansestadt aber nach drei Stunden auch schon wieder, um zurück in die vereinigten Staaten zu fliegen. „Allein dieses Beispiel zeigt schon, dass das G7-Treffen eine Farce war“, bilanziert Christoph Kleine, Sprecher des Bündnisses „Stop G7 Lübeck“. Für ihn wäre der „monströse Aufwand in jeder Hinsicht unverhältnismäßig“ gewesen. Das gesellschaftliche Leben in der Stadt derart einzuschränken, müsse Konsequenzen haben: „Für die Belästigungen und Schikanen sollten sich Außenminister Steinmeier und Bürgermeister Bernd Saxe bei den Einwohnern entschuldigen“, kritisierte er. Um den Menschen dies vor Augen zu führen, hätten die Aktivisten auch von weiteren Aktionen am Mittwoch Abstand genommen. Überzogen sei das Maß der Gewalt der Einsatzkräfte gewesen. „In der Straße Engelsgrube wurden mehreren Demonstranten von Beamten teils mehrfach ins Gesicht geschlagen und verletzt“, behauptete Kleine. Davon wollte Polizei-Chef Hüttmann nichts wissen. Lediglich ein Störer sei bei der Festnahme verletzt worden und habe Nasenbluten gehabt. „Vor Aufregung“, so Hüttmann.

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