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Es kommt auf jedes Rädchen an

KN-Themenwoche Start & Ziel: Kiel Es kommt auf jedes Rädchen an

Der Kieler Hauptbahnhof ist Dreh- und Angelpunkt für Pendler und Reisende, aber auch Treffpunkt der Stadt. Welche logistische Leistung für einen reibungslosen Ablauf nötig ist und welche Menschen dahinterstecken, zeigen Jennifer Ruske (Text) und Thomas Eisenkrätzer (Fotos). Heute: der Betriebshof, Herz des Hauptbahnhofs.

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Ein Bahnhof nicht nur für Reisende

Zwei 140 Meter lange Züge stehen in der Reisezugwerkstatt für  die Inspektion der Wagen zur Verfügung.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Das Herzstück des Bahnbetriebs findet sich nicht auf dem Kieler Bahnhof, sondern einige Schienenmeter entfernt – auf dem Betriebshof der DB Regio AG. Auf dem 62000 Quadratmeter großen Areal unweit der Gablenzbrücke hat die Regionalbahn Schleswig-Holstein ihren Sitz. Neben Verwaltung mit Marketing- und Planungsabteilung sowie der Leitstelle befinden sich Lok- und Wagen-Werkstätten, Waschstraße, Tankstelle sowie die Abstellanlage, quasi der Zug-Parkplatz. Von hier aus werden die Geschicke der Regionalbahn gesteuert und geleitet. „Ohne uns und die Kollegen in den Stellwerken“, sagt Bernd Frahm selbstbewusst, „wäre ein Zugbetrieb nicht möglich – weder hier auf dem Hauptbahnhof noch in ganz Schleswig-Holstein.“

Bernd Frahm ist Leiter der Transportleitung und Leitstelle – und ein alter Hase auf dem Kieler Betriebshof. In einem gemeinsamen Büro mit sechs Plätzen sitzen seine Mitarbeiter (insgesamt sind es 33) vor ihren Bildschirmen. Rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche sind die Kollegen im Einsatz, kümmern sich um die kurzfristige Disposition von Personal („wenn ein Lokführer plötzlich krank wird oder verschläft, brauchen wir schnellstens eine Vertretung“) und von Reisezugwagen („muss einer längerfristig in die Werkstatt, muss ebenfalls Ersatz her“). Die Inspektions- und Reparaturzeiten von Zügen sowie die Reinigung der Wagen werden hier ebenfalls getimt – „und zwar auf die Minute genau“, sagt Frahm. „Das hinzubekommen, ist wirklich eine logistische Meisterleistung.“ Denn wenn nur ein kleines Rädchen im Betrieb hakt, wirke sich das auf das große Ganze aus. „Das ist der Dominoeffekt.“

Der ist auf den acht Bildschirmen einen Schreibtisch weiter gut zu beobachten. Hier blinkt all das auf, was auf dem regionalen Schienennetz unterwegs ist. „Die Rendsburger Hochbrücke ist ein Nadelöhr“, erklärt Frahm und zeigt auf einen Punkt am Monitor. Diese Regionalbahn muss vor der Brücke halten, um einen Express-Güterzug durchzulassen, der Vorfahrt hat. Die Verspätung ist programmiert. Die Reisenden auf dem Kieler Bahnhof werden einige Minuten warten müssen.

Für viele der insgesamt 400 Kieler DB Regio-Mitarbeiter fängt die Hauptarbeit auf dem Betriebshof jedoch erst an, wenn die Züge abends nach ihrer letzten Fahrt in den Bahnhof beziehungsweise auf den Hof gefahren kommen. Lokrangierführer Sebastian Timm und seine zehn Kollegen fahren nach Plan der Disponenten die Loks und Wagen in die jeweiligen Werkstätten und zur Reinigung. „Wir haben drei Werkstätten auf dem Hof, eine für Loks, eine für Reisezugwagen und eine für Triebwagen“, erklärt Robert Guggenberger, Teilnetzmanager bei der Regionalbahn. In regelmäßigen Intervallen je nach Kilometerstand werden zum Beispiel die Loks in den Werkstätten von Dirk Götz und seinen 90 Kollegen gewartet. „Alle 15000 Kilometer kommen die Loks zu uns“, sagt der Maschinenschlosser. „Also in der Regel alle 15 Tage.“ Die Reisezugwagen fahren alle zwei bis drei Wochen zur Inspektion. Für die stehen in der Werkstatt zwei 140 Meter lange Gleise parat, die jeweils fünf Wagen gleichzeitig fassen. Eine ganze Nacht lang dauert die Arbeit an einem kompletten Zug.

An der hauseigenen Tankstelle werden die Dieseltriebwagen und Diesel-Loks für den nächsten Einsatz vollgetankt. „Rund 3000 Liter fasst der Tank einer solchen Lok“, sagt Frahm. „Damit kommt ein Zug gut sechsmal von Kiel nach Lübeck und zurück.“ Die Züge, die nach Hamburg unterwegs sind, haben eine Tankfüllung nicht mehr nötig. „Sie bekommen per Oberleitung Strom.“

Zum Ende der Nachtschicht kommen wieder die Rangierer zum Einsatz: Weil ja nicht nur eine Lok auf die Strecke geht, stellen die Rangierer nachts im Betriebshof nach Dispo-Plan noch die entsprechenden Wagen für die Züge ab Kiel neu zusammen und kuppeln sie mit den vorgesehenen Lokomotiven. „Morgens, vor Dienstbeginn, holen sich die Lokführer ihre Loks und Wagen hier ab und fahren damit zum Kieler Hauptbahnhof“, sagt Frahm. „Und von da aus quer durch Schleswig-Holstein.“ Bis zum nächsten Halt im Betriebshof.

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Foto: Hochkonzentriert sitzt Karsten Wolff vor seinen sechs Bildschirmen. Der 57-Jährige ist in der Leitstelle auf dem Betriebshof für die Ablaufdisposition zuständig.

Hochkonzentriert sitzt Karsten Wolff vor seinen sechs Bildschirmen. Der 57-Jährige ist in der Leitstelle auf dem Betriebshof für die Ablaufdisposition zuständig und kümmert sich um 238 Reisezugwagen und deren Bereitstellung an den Bahnhöfen Kiel, Lübeck und Hamburg Hauptbahnhof.

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