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Mehr als 100.000 Euro gespendet

Hilfe für Hatay Mehr als 100.000 Euro gespendet

Riesenerfolg für die Aktion „Hilfe für Hatay“: Fast tausend Spender zeigten bereits ein Herz für die syrischen Flüchtlinge in Kiels türkischer Partnerstadt Hatay und überwiesen bis Dienstag 101.668 Euro.

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Hilfsbereitschaft ist ungebrochen

Hatay wird seit Monaten von einer riesigen Flüchtlingswelle aus dem nahen Bürgerkriegsland Syrien überrollt.

Quelle: hfr

Kiel. Stadtpräsident Hans-Werner Tovar ist „überrascht, begeistert und stolz, dass sich unsere Bevölkerung so spendenfreudig zeigt – auch für die Linderung der Not im Ausland.“ Die Flüchtlingsfrage beschäftigt unterdessen weiterhin die Politiker im Norden.

Kiels Partnerstadt Antakya, die sich seit einer Gebietsreform zur Großstadt Hatay (1,5 Millionen Einwohner) wandelte, wird seit Monaten von einer riesigen Flüchtlingswelle aus dem nahen Bürgerkriegsland Syrien überrollt. In einer Zeltstadt kamen etwa 16.000 Flüchtlinge unter; doch die Mehrheit der insgesamt 270.000 Menschen, meist Frauen und Kinder, ist nicht registriert, sie werden aber als Gäste geduldet. Trotz großzügiger Unterstützung aus der türkischen Bevölkerung fehle es vor allem ihnen an Unterkünften, Kleidung, Lebensmitteln und Sozialleistungen, sagte der Oberbürgermeister von Hatay, Lütfü Savas, und bat Ende November um Hilfe gerade in den schwierigen Wintermonaten. Die von unserer Zeitung unterstützte Aktion der Stadt Kiel, die noch bis mindestens Ende Januar laufen wird, stößt in Hatay auf ein großes Echo: Sogar Adnan Tas, Vorstandsmitglied im dortigen türkisch-deutschen Kulturzentrum, zahlte „als Zeichen der Gemeinschaft“ eine Spende auf dem Kieler Konto ein. Auch Tovar, der in zwei Wochen in Hatay die Spende übergeben wird, versteht die Aktion als Beleg dafür, dass „wir in schweren Zeiten füreinander da sind“.

Der Landes-Zuwanderungsbeauftragte Stefan Schmidt warnt derweil vor der Stimmungsmache rechter Kreise gegen Flüchtlinge: Seit einiger Zeit werde gegen Asylsuchende gehetzt, entsprechende NPD-Flugblätter seien unter anderem in Neumünster und Kiel aufgetaucht. Schmidt: „Bei 2,8 Millionen Einwohnern und 7000 neu aufgenommenen Flüchtlingen kann wohl keiner ernsthaft behaupten, Schleswig-Holstein nähme zu viele Schutzsuchende auf.“ Pegida-Aufmärsche, die es nächste Woche unter anderem in Rostock und Hannover geben soll, sind in Schleswig-Holstein vorerst nicht angemeldet. Pegida-Kritiker wollen aber am 18. Januar in Lübeck auf die Straße gehen. Auch in Flensburg hat sich ein lokales Bündnis formiert, um der Bewegung Einhalt zu gebieten.

Der Landtag wird sich am 21. Januar mit dem Thema beschäftigen. SPD, Grüne und SSW wollen dann eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit einbringen. „Eine klare Distanzierung von dieser Bewegung ist notwendig. Menschen, die da mitlaufen, wissen genau, was sie tun“, sagt SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Mit Blick auf die Grabauer Rauchbombe warnt er vor einem Klima der Fremdenfeindlichkeit, „in dem Gestörte denken, sie können wieder Asylbewerberheime anzünden“.

  Von Martina Drexler und Patrick Tiede

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Hatay
Foto: Jan heißt der Jüngste, und mehr will die Flüchtlingsfamilie aus dem syrischen Aleppo auch nicht von sich preisgeben. Keine weiteren Namen, keine Gesichter der Erwachsenen – aus Angst vor möglichen Verfolgern.

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar war am Wochenende in Kiels Partnerstadt Hatay (Türkei) und übergab unter anderem einen Scheck über 100 000 Euro. Mit der Hilfe aus Kiel soll eine Containerschule für Flüchtlingskinder errichtet werden. Die KN haben ihn begleitet.

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