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Prüfen, rufen, drücken, „Leben retten!“

Video zum Kursauftakt Prüfen, rufen, drücken, „Leben retten!“

Premiere für die Aktion „Leben retten!“: 30 hochmotivierte Männer und Frauen aus der Kieler Region haben am Donnerstag im KN-Druckzentrum den ersten Lebensretter-Kurs absolviert. Danach war nicht nur Franziska Krause überzeugt: „Das war die absolut richtige Entscheidung, hierherzukommen.“

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„Das kann jeder lernen:“ Tanja (46) und Kai Schnoor (53) aus Kiel finden schnell den richtigen Rhythmus bei der Herzdruckmassage.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Mit der Aktion wollen die Kieler Nachrichten und das Universitätsklinikum mehr Schleswig-Holsteiner befähigen, im Notfall schnell das Richtige zu tun.

Kirsten Mingebach aus Kiel hat es selbst in einem Tanzkreis erlebt: Plötzlich sackte ein Teilnehmer zusammen. „Hätten zwei andere Frauen nicht das Kommando übernommen, hätte ich nicht gewusst, was zu tun war. Der Patient hat überlebt. Jetzt will ich mir dieses Wissen selbst aneigenen“, erklärte die 54-Jährige. Auch Franziska Krause hat ein Erlebnis zur Teilnahme motivert. Bei einem Brunch war man kürzlich auf das Thema Wiederbelebung gekommen. „Die allgemeine Haltung war: Ich rufe 112, die machen das dann schon. Ich finde, es muss in die Köpfe, dass man die Minuten bis der Rettungsdienst vor Ort ist nutzen muss. Und da ist jeder gefragt.“

 Eine Aussage, die Dr. Jan Wnent vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH aus der Seele sprach: „Wenn in Deutschland ein Mensch einen Herzkreislaufstillstand – immerhin Todesursache Nummer eins – erleidet, sind zu 60 Prozent Menschen in der Nähe. Doch nur in 34 Prozent der Fälle beginnt jemand mit Wiederbelebung. Das müssen wir ändern, denn die ersten Minuten sind entscheidend.“

 Die ersten 30 Kursteilnehmer waren dazu fest entschlossen. Zunächst lernten sie die drei wichtigsten Schritte: Prüfen, ob der Patient ansprechbar ist und ob er atmet! Falls beides nicht der Fall ist, 112 rufen, dann sofort die Herzdruckmassage starten. Kann man auch 110 anrufen?, wollte ein Teilnehmer wissen. „Die Polizei leitet den Anruf zwar weiter, aber das kostet Zeit. Deshalb direkt 112 wählen und das Telefon auf Laut stellen – der Disponent in der Leitstellen begleitet einen dann bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes“, sagte Kursleiterin Jessika Popp.

 Weitere Frage: Muss man nach 30-maligem Drücken auf das Herz unbedingt zweimal beatmen? „Das ist am Besten. Aber wenn jemand erbrochen hat oder fremd ist, kann man sich dazu oft nicht überwinden. Dann lassen Sie es! Konzentrieren Sie sich ganz auf die Herzdruckmassage“, riet die Kursleiterin. Tipp von Christel Schmidt-Knäbel: Man kann beim Beatmen auch ein Taschentuch über den Mund des Patienten legen.

 Weitere Frage: Soll man – wenn in der Nähe – einen Defibrilllator einsetzen? Jessika Popp: „Niemals die Herzdruckmassage unterbrechen, um einen Defi zu holen. Herzdruckmassage muss sein, Beatmung sollte sein. Ein Defi ist nur sinnvoll, wenn ein anderer ihn holen kann. Deshalb: Sprechen Sie andere gezielt an, verteilen Sie die Aufgaben!“ Nach der Theorie ging es zur praktischen Reanimationsübung. „Ganz schön anstrengend, das muss man wirklich üben“, meinte Peter Laupenmühlen (78) und will das nun auch in seiner Herzsportgruppe beim KMTV tun. „Das Wissen weitergeben – das ist genau unser Ziel“, lobte KN-Chefredakteur Christian Longardt. Auch Franziska Krause will das Gelernte an ihre Segelgruppen vermitteln. Und Monika Lange (78) will mit ihrem Enkel üben: „Deshalb ist es toll, dass man die Übungspuppe mitbekommt. So kann man anderen zeigen, was man bei Herzstillstand tun muss.“

So machen Sie mit

 „Leben retten!“ Unter diesem Motto möchten die Kieler Nachrichten gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein noch mehr Schleswig-Holsteiner zu Lebensrettern machen. Jeder kann diese lebenswichtige Aktion unterstützen. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Erstens, indem man selbst einen der kostenlosen Kurse besucht und sich für den Ernstfall schulen lässt. Die nächsten Kurse in Strande und Passade sind bereits ausgebucht. Weitere Kurse werden bereits vorbereitet. Die genauen Termine und Orte werden in Kürze in der Zeitung und auf KN-Online bekanntgeben. Jeder kann zweitens mit einer Spende helfen: Die Namen aller Spender werden veröffentlicht. Dritte Möglichkeit: Gemeinden und gemeinnützige Organisationen stellen einen Raum für einen Leben-retten-Kurs zur Verfügung. Unternehmen oder Verbände können auch einen Kurs in ihr Haus holen, wenn sie die kompletten Kosten in Höhe von 1700 Euro tragen. Raumangebote können gemeldet werden an: leben-retten@kieler-nachrichten.de

 Spendenkonto: Aktion: KN hilft Leben retten! Förde Sparkasse DE05 2105 0170 1400 2620 00 (Wunsch nach Spendenbescheinigung angeben)

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Ein Artikel von
Heike Stüben
Lokalredaktion Kiel/SH

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