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Die Väter der Aktion "KN hilft Leben retten"

Interview Die Väter der Aktion "KN hilft Leben retten"

Väter der Aktion „Leben retten“ sind der Chefredakteur der Kieler Nachrichten, Christian Longardt, und der Privatdozent Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Institutes für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum in Kiel. Hier erzählen sie, warum und wie sie sich engagieren.

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Privatdozent Dr. Jan-Thorsten Gräsner ist Direktor des Institutes für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum in Kiel.

Quelle: UKSH

Warum traut sich nur jeder Dritte, zu reanimieren?

Gräsner: Vielfach besteht in Deutschland offensichtlich die Sorge, bei den einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen etwas falsch zu machen. Dann kommt hinzu, dass Menschen sich manchmal davor fürchten, fremde Menschen zu berühren, geschweige denn eine Wiederbelebung zu starten.

Sind diese Ängste berechtigt?

Gräsner: Ein klares Nein. Es gibt keinen Fehler bei der einfachen Wiederbelebung durch Laien, doch, einen gibt es: nichts zu tun. Im Ernst. Man kann die Situation für den Betroffenen nicht verschlechtern.

Warum engagieren sich die KN mit dieser Aktion?

Longardt: Immer wieder taucht die Wiederbelebung in unseren Berichten auf – zuletzt war es ein zweijähriges Kind, das in Kiel von einer Polizistin wiederbelebt worden ist. Uns ist wichtig, dass mehr Menschen wissen, wie man in einer Notsituation richtig reagiert. Angesichts von Landärzte-Mangel und einer alternden Gesellschaft gewinnt das Thema immer mehr an Bedeutung.

Christian Longardt ist Chefredakteur der Kieler Nachrichten.

Quelle: Ulf Dahl

Wie soll das konkret ablaufen?

Longardt: Zunächst einmal sammeln wir Geld. Je mehr zusammenkommt, desto mehr Kurse können wir in unserer Region anbieten: Das Retter-Mobil fährt dorthin, wo uns kostenlose Räume angeboten werden. Wir koordinieren die Aktion, das UKSH stellt die Ausbilder.

Was ist das für ein Kursus?

Gräsner: Ein kompakter, auf die einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen konzentrierter Zwei-Stunden-Kursus. Wir wollen bewusst keinen Erste-Hilfe Kursus ersetzen. Wir wollen, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach dieser Zeit in der Lage sind, mit Wiederbelebungsmaßnahmen die Zeit bis zum Eintreffen der Profis zu überbrücken.

Von wem benötigen Sie Unterstützung bei der Aktion Lebensretter?

Longardt: Von jedem einzelnen Schleswig-Holsteiner, der die Idee unterstützen mag. Jeder Euro ist wichtig. Wir brauchen aber auch Räume für die Kurse und freuen uns über Angebote. Das können auch Geschäftsräume sein, wenn die Firmen einen Kursus komplett finanzieren.

Gibt es eine vergleichbare Aktion?

Gräsner: Das was wir, also der KN Hilft e.V. und das UKSH, hier planen, ist in dieser Form einmalig in Deutschland. Wir sind Vorreiter in dieser hilfreichen und lebenswichtigen Kombination aus fachlichen Kursen und einer breit angelegten Berichterstattung.

Ein Kursus kostet rund 1700 Euro, wofür wird konkret das Geld gebraucht?

Gräsner: 1700 Euro klingen erst mal nach viel Geld. Wir setzen bei unserem Konzept der Schulung auf eine virale Verbreitung. Dies erreichen wir, indem jeder der Teilnehmer, wir rechnen mit 30 pro Kursus, die Übungspuppe im Anschluss an die Schulung mit nach Hause nehmen kann. Optimalerweise geht es dann zu Hause weiter. Angehörige erfahren von den einfachen Möglichkeiten der Wiederbelebung und können direkt mit ersten Übungen zu Hause anfangen.

Wann wäre die Aktion für Sie ein Erfolg?

Longardt: Wenn auch nur ein Menschenleben in unserem Land damit gerettet würde, hätte sich der Einsatz schon gelohnt.

Interview: Heike Stüben

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