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Aus dem Leben und wieder zurück

KN hilft Leben retten Aus dem Leben und wieder zurück

Thies Weisner (26) hätte nie gedacht, dass sein Herz versagt. Doch in einem Trainingsspiel brach er zusammen. Sein Leben verdankt er seinen Mitspielern, die erst einen Auffrischungskursus als Ersthelfer gemacht haben.

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Für Thies Weisner (re.) war das Leben mitten in einem Fußballspiel zu Ende.

Quelle: Frank Peter

Selent. Für Thies Weisner war das Leben mitten in einem Fußballspiel zu Ende. Dass der 26-Jährige aus Selent wieder lebt, verdankt er zwei Mitspielern und seinem besten Freund. Die Geschichte von Thies Weisner zeigt: Ein Herzstillstand kann jeden treffen. Vor allem aber: Jeder kann Leben retten.

Für Thies Weisner ist es zunächst ein ganz normaler Tag, dieser Frühlingstag im Jahr 2014. Es gibt keine Warnzeichen. Der Sportstudent fühlt sich fit wie immer. Sechsmal pro Woche trainiert er – im Fitnessstudio, mit Jogging, aber am liebsten auf dem Fußballplatz. An diesem Tag spielt sein Verein, der Kreisligist TSV Selent, ein Trainingsspiel gegen die Altherrenmannschaft. Thies Weisner macht ein gutes Spiel. Irgendwann merkt er, wie er stürzt. Was dann geschieht – daran hat er keine Erinnerung mehr.

Stefan Cawello, mit dem Thies Weisner schon im Sandkasten gespielt hat und nach dem Abitur eine Wohngemeinschaft teilt, läuft sofort mit zwei Mitspielern zu ihm. „Zuerst dachten wir, er ist nur ohnmächtig, kommt gleich wieder zu sich. Doch er hatte so einen starren Blick, hat gekrampft. Einer hat den Rettungsdienst verständigt, wir anderen haben Thies in stabile Seitenlage gedreht und gehofft, dass es schnell vorbeigeht.“ Doch der Zustand verschlechtert sich. Thies’ Atmung wird unregelmäßig, immer flacher. Dann setzt sie aus. „Ich selbst hatte noch aus meinem Pharmaziestudium im Ohr: ,Das einzig Falsche ist, nichts zu tun.’ Und unser Mitspieler Hauke Kühl hatte erst zwei Tage zuvor seinen Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt. Er hat sofort entschieden: ‚Herzdruck-Massage und beatmen‘ und losgelegt!“

Die drei wechseln sich mit der Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung ab – und hoffen, dass der Rettungswagen rechtzeitig kommt. Zehn Minuten lang sorgen die Drei mit kräftigem, schnellen Druck auf das Brustbein von Thies Weisner dafür, dass der Restsauerstoff in seinem Blut weiter zirkuliert und auch sein Gehirn versorgt. Dann kommt der Rettungsdienst. Der setzt einen Defibrillator ein. Mit Erfolg: Das Herz des damals 23-Jährigen schlägt wieder.

Thies Weisner wird ins Universitätsklinikum in Kiel gebracht. „Wir sind sofort hinterhergefahren. Es war unklar, ob er überlebt und wenn, mit welchen Schäden“, erinnert sich Stefan Cawello (26). Sein Freund Thies wird notoperiert und seine Körpertemperatur heruntergekühlt, um das Risiko auf mögliche Folgeschäden zu minimieren. Anschließend wird er ins künstliche Koma versetzt. Es folgen Tage zwischen Hoffen und Bangen für seine Familie und seine Freunde.

Doch dann steht fest: Thies Weisner wird überleben – ohne Dauerbeeinträchtigungen. „Das ist ein unfassbar großes Glück. Die Ärzte haben das vor allem auch auf die schnelle und konstante Wiederbelebung zurückgeführt“, erzählt der 26-Jährige heute. Im Klinikum wird ihm ein Defibrillator implantiert. Nach drei Wochen kommt er zur Reha. Ein halbes Jahr ist er krankgeschrieben, dann holt er sich Schritt für Schritt seinen Alltag zurück: Er gibt das Sportstudium auf und beginnt eine Ausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann. „Ich bin dankbar, dass Citti mir diese Chance gleich am ersten Tag nach der Krankschreibung gegeben hat.“ Und noch etwas schafft er: die Rückkehr auf den Fußballplatz. In Selent wird derweil Geld gesammelt. „Wir wollten, dass wir für solche Fälle besser gerüstet sind und haben von den Spenden an beiden Sportplätzen einen Defi installiert“, sagt Cawello.

Thies Weisner geht jetzt bewusster durch das Leben, achtet mehr auf seine Mitmenschen. „Ich habe festgestellt, dass Kammerflimmern und Herzstillstand gar nicht selten sind, auch bei jungen Leuten“, sagt er und fügt nach kurzer Pause hinzu: „Leider hat nicht jeder solche Lebensretter wie ich. Dabei ist es eigentlich fantastisch, dass Wiederbelebung an jedem Ort funktionieren kann. Allein mit Körpereinsatz. Man muss es nur tun. “

Von Heike Stüben

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