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Unterwegs mit der Luftrettung

Aktion KN-hilft Unterwegs mit der Luftrettung

Nahezu lautlos wird „Christoph 42“ auf seinem Podest aus dem Hangar geschoben. Es ist kurz nach sieben an einem kalten Wintermorgen. „Christoph 42“ ist der neue Hubschrauber der DRF Luftrettung in Rendsburg. Nun lernt das Modell „Eurocopter 145“ Schleswig-Holstein kennen.

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Sie sind ein eingespieltes Team (von links): Sanitäter Thomas Osterbrink, Notarzt Dr. Florian Reifferscheid und Pilot Steffen Bechtel sind bei einem Einsatz binnen weniger Minuten mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 42“ in der Luft.

Quelle: Gerhard Müller

Rendsburg. Und Piloten wie Steffen Bechtel (45), der an diesem Tag mit Notarzt Dr. Florian Reifferscheid (41) und Notfallsanitäter Thomas Osterbrink (55) dreimal abheben wird, um Menschen zu helfen. Um 7.09 Uhr beginnt der Flug für die Rendsburger Retter, deren Team aus 30 Ärzten, zwölf Piloten und zehn Notfallsanitätern besteht. Ein Mann soll wegen einer Gehirnoperation vom Krankenhaus in Schleswig in die Kieler Uni-Klinik transportiert werden. Wenn von der Regionalleitstelle der Kieler Berufsfeuerwehr ein Notfall gemeldet wird, dann muss es schnell gehen. „Wir streben immer an, in zwei Minuten in der Luft sein, doch die Sicherheit geht vor“, sagt Bechtel. Eine knappe Stunde später landet er „Christoph 42“ wieder neben der Imland-Klinik.

Lockere Stimmung und Teamgeist

Beim gemeinsamen Frühstück zeigt sich, dass sich der Teamgeist des ärztlichen Stationsleiters Reifferscheid bewährt. Die Stimmung ist locker, es wird geflachst. „Die Brötchen“, grinst Bechtel, bringt immer der ,Doc’ mit, „er verdient ja auch am meisten.“ Der Doktor widerspricht entschieden und meint seinerseits schmunzelnd, bei der eingeschweißten Wurst, für die nicht er zuständig sei, gebe es eindeutig noch Luft nach oben. Schöne Formulierung im Haus der Luftrettung. Dann tauscht sich das Trio aus, über den Wetterbericht für diesen Tag, den der Pilot eingeholt hat.

Um 9.36 Uhr meldet sich der Piepser erneut. Die Einsatzroutine beginnt. Steffen Bechtel überprüft die Instrumente im Cockpit, Thomas Osterbrink trennt die Stromversorgung von der Maschine, Florian Reifferscheid zieht seinen Helm fest und schnallt sich auf dem Rücksitz an. Los geht’s nach Norderstapel. Auf dem Flug kommen aus der Leitstelle in Kiel per Funk die Angaben über Ort und Grund des Einsatzes. Bechtel landet zwölf Minuten später sanft auf einer Wiese neben einem Seniorenwohnheim, in dem ein Mann einen Krampfanfall erlitten hat, Reifferscheid und Osterbrink eilen in das Gebäude. Eine knappe Viertelstunde später ist die Arbeit erledigt und der Patient wieder bei Bewusstsein. Den Transport des Mannes nach Schleswig übernimmt ein Rettungswagen.

Eine spannende Arbeit

Wieder zurück in Rendsburg erzählen die Luftretter, dass ihre Arbeit selbstverständlich nicht immer spektakulär sei. Gleichwohl werden schon mal verirrte Watt-Wanderer vor der aufsteigenden Flut gerettet, Hochschwangere nachts von den Inseln zur Geburt aufs Festland geflogen oder Menschen bei Verkehrsunfällen reanimiert. Dann zählt wirklich jede Sekunde. Die Weiterversorgung erfolgt im Flug. „Wir haben alles an Bord, was wir für eine Intensivtherapie benötigen, Beatmungsgerät, Blutdruckmessung, Ultraschall“, erläutert Florian Reifferscheid.

Zwölf-Stunden-Schichten sind normal

Die Arbeit bei der Luftrettung empfindet der Facharzt für Anästhesie einerseits als spannend und abwechslungsreich, andererseits ist Florian Reifferscheid vierfacher Vater. Ist ein Kind betroffen, dann kann das auch belastend sein. Thomas Osterbrink erzählt von einem Mädchen, das auf einem See im Eis eingebrochen war. Taucher konnten es erst nach 45 Minuten finden und Osterbrink sowie ein Notarzt mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. „Ein Kinderarzt kam hinzu und sagte nach einer Weile, das habe doch keinen Sinn mehr, doch wir haben weitergemacht und spürten bald, dass sich etwas regt. Wir flogen das Kind ins Krankenhaus, wo es gleich an eine Herzlungenmaschine kam. 14 Tage später kam es zu mir und hat sich für meinen Einsatz bedankt.“ Osterbrink schweigt einen Moment und sagt dann: „So etwas vergisst man seinen ganzes Leben nicht.“

Die Zwölf-Stunden-Schicht des Trios endet mit dem 1439. Einsatz des Jahres in Satrup. Ein Kind hat Verbrühungen erlitten. Es ist ein Flug, nachdem Florian Reifferscheid zufrieden wirkt. „Es gibt immer wieder Momente, in denen wir erleben, wie dankbar die Bevölkerung ist, dass es uns gibt.“

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Gerhard Müller
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