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App-solut einfach: Der schnelle Weg zum Defi

„Leben retten!“ App-solut einfach: Der schnelle Weg zum Defi

Unter dem Motto „Leben retten!“ machen Universitätsklinikum (UKSH) und Kieler Nachrichten viele Schleswig-Holsteiner zu Lebensrettern.  Die Frage blieb bisher oft, wie man einen Defibrillator im Notfall findet. Die schnellste Art der Suche ist derzeit eine App für iOS und Android.

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Dieser Laien-Defibrillator des Herstellers Primedic ist für den einmaligen Gebrauch vorgesehen bei Patienten, die bewusstlos und ohne Atmung sind (Kinder ab etwa acht Jahren bzw. über 25 Kilogramm). Eine Benutzung wird für Ersthelfer empfohlen, die bereits eine Schulung erhalten haben. Während der Defibrillation sollte direkter Kontakt zum Patienten vermieden werden. Die Bedienung des Geräts erklärt sich durch Aufschriften und Sprachsteuerung selbst.

Quelle: Frank Peter

Kiel. In kostenlosen Kompaktkursen erlernen sie wirkungsvolle Methoden zur Reanimation bei Herzstillstand: So wird mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung eine der wichtigsten Maßnahmen bis zum Eintreffen der Profis geschult. Der angstfreie Umgang mit einem Automatisierten Externen Defibrillator (AED oder Defi) gehört ebenfalls dazu, denn im Notfall zählt jede Sekunde.

In Deutschland sind plötzliches Herzversagen und Kreislaufstillstand Ursache für mehr als 100000 Todesfälle pro Jahr, in Schleswig-Holstein kommt es rund 5000 Mal zum Herzstillstand. „Viele Studien zeigen, dass sich die Überlebenschance drastisch erhöht, wenn sofort Hilfe einsetzt“, betont Dr. Michael Corzillius, stellvertretender ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Landeshauptstadt Kiel.

 Bei einem solchen Herzstillstand kann ein Defi als Teil der Rettungskette eine große Hilfe sein. Die einfach zu bedienenden Geräte (Anschaffung rund 1600 Euro) werden zumeist von Banken, Versicherungen oder Sportvereinen sowie aus Eigenmitteln von Rettungsdiensten finanziert. In ganz Schleswig-Holstein gab es Ende 2016 nach Angaben des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) etwa 550 öffentlich zugängliche Laien-Geräte. Die vermutete Anzahl tatsächlich vorhandener Defis liege mit etwa 1000 aber deutlich höher. „Wir haben alle uns bekannten Standorte angeschrieben, der Rücklauf ist ganz gut“, sagt die ASB-Fachreferentin für Öffentlichkeitsarbeit, Annette Peters. Azubis und Gebietspaten seien ständig aktiv, um weitere Daten wie Öffnungszeiten zu sammeln.

 Die Frage blieb bisher oft, wie man einen Defibrillator im Notfall findet. Die schnellste Art der Suche ist derzeit eine App für iOS und Android, die im Nu die Position des Suchenden registriert und nahe gelegene Defi-Standorte auf einer interaktiven Karte aufzeigt. Mit seiner App „Schleswig-Holstein schockt“ zum kostenlosen Download informiert so der ASB hier vor Ort ebenso wie in Hamburg, Berlin, Lüneburg, Kassel oder Frankfurt, wo Ersthelfer den nächstgelegenen Defi finden. „Nach Hamburg waren wir das erste Bundesland, das sich getraut hatte, eine solche Erste Hilfe für die Hosentasche anzubieten“, so Peters. Die wird inzwischen sogar von den Helfern des Rettungsdienstes genutzt. „Auch wir finden die App toll und profitieren von ihr“, bekennt Corzillius, ermahnt aber auch, zuallererst stets unter 112 einen Notruf abzusetzen. Durch den Rettungsdienst wurden bereits zahlreiche Mitarbeiter und Sicherheitspersonal in großen Häusern wie dem Sophienhof, Citti oder Ikea zu Ersthelfern ausgebildet. „Es ist immer gut, wenn vor Ort einer weiß, wie es geht“, sagt Corzillius.

 Unter sh-schockt.de sind die zum Zeitpunkt der Anfrage geöffneten Häuser mit Defi grün gekennzeichnet – geschlossene grau. Auch in öffentlichen Einrichtungen oder vor Unternehmen kann ein grünes Schild mit weißem Herz auf einen Defibrillator in unmittelbarer Nähe hinweisen. Doch Achtung: Manchmal ist wie im Sophienhof ein Hinweispfeil zum Defi auf weißem Untergrund schwer zu erkennen. Der Defibrillator selbst ist aber grün gekennzeichnet und zentral etwa beim Café Engelchen über dem knallroten Feuerlöscher am Toilettenzugang deutlich zu erkennen. Ein Standort, den man sich leicht für die Innenstadt merken kann, der allerdings durch die Öffnungszeiten des Sophienhofs eingeschränkt wird. Ähnlich ist die Situation im Citti Markt, dort ist das Gerät bei der Hallenleitung zu bekommen.

 Viele Defi-Standorte finden sich auch in Sparkassen, mit denen bevorzugt die Landesarbeitsgemeinschaft Herz und Kreislauf (LAG SH) sowie das Sozialministerium in ihrer Gesundheitsinitiative „Herzintakt“ kooperieren und zusammen über 100 Defis auch in Schulen und Sportstätten installiert sowie ein Defi-Kataster mit Ortssuchfunktion für ganz Deutschland verfasst haben. Die Website aed-kataster.net kann von Smartphone-Usern via App besucht werden. Die Liste nennt für Kiel 17 Defi-Standorte von den Beruflichen Schulen am Schützenpark in der Gellertstraße über die Förde Sparkasse oder die KMTV-Sportzentren Falckenstein und Schrevenpark bis zum Landtag oder dem Sparkassen- und Giroverband SH am Faluner Weg.

 Für manche Orte wie Preetz und Heikendorf wird oft nur ein einziger Standort ausgewiesen, während andere wie Bordesholm mit fünf, Neumünster mit neun oder Eckernförde mit vier Treffern überraschen. Vor allem die Sparkassen halten zwischen Bad Segeberg, Büdelsdorf, Eutin oder Pinneberg, Plön und Preetz ein Gerät in ihren Automatenräumen vor. Vorteil: Diese sind per EC-Karte meistens rund um die Uhr zugänglich. LAG und ASB appellieren an Bürger, Firmen und Institutionen, ihre Defi-Standorte zu melden, damit das Kataster weiter vervollständigt werden kann (ASB-Kontaktformular im Internet, Tel. 0431/706940). „SH schockt lebt vom Mitmachen“, wirbt Annette Peters. „Je dichter das Netz, desto größer die Chance, Menschen zu retten.“

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