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Herz-Massage: Schritt für Schritt ins Leben zurück

„Leben retten!“ Herz-Massage: Schritt für Schritt ins Leben zurück

Jessica Popp gehört zum Team des UKSH, das die kostenlosen Rettungskurse der KN-hilft-Aktion „Leben retten!“ leiten wird. Im Interview erklärt sie den Dreiklang, auf den es bei der Wiederbelebung ankommt: Prüfen, rufen, drücken.

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Jessica Popp ist Krankenschwester am UKSH und Ausbilderin am Institut für Rettungs- und Notfallmedizin.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Frau Popp, was mache ich, wenn ich jemanden bewusstlos auf dem Bürgersteig liegen sehe?

 Sie gehen hin und sprechen den Menschen an. Sie können ihn an der Schulter rütteln und fragen ihn laut: „Hallo, hören Sie mich?“

 Er reagiert nicht. Wie weiter?

 Der nächste Schritt lautet: Atmung überprüfen. Dafür beugen Sie sich über den Patienten, halten Ihr Ohr über seinen Mund und versuchen zu hören, ob er atmet. Dann machen Sie seinen Brustbereich frei. Sie öffnen seine Jacke oder ziehen das T-Shirt hoch und schauen, ob sein Brustkorb sich bewegt. Hebt und senkt er sich? Wenn nicht, müssen Sie umgehend den Rettungsdienst benachrichtigen.

 Wie gehe ich genau vor?

 Das Allerwichtigste: Als Erstes rufen Sie sich Hilfe. Und zwar fragen Sie nicht: „Kann jemand den Rettungsdienst rufen?“ Sondern Sie bestimmen ganz genau eine Person: „Sie mit der roten Jacke, rufen Sie einen Krankenwagen!“ Während ein anderer also die 112 wählt, beginnen Sie zügig mit der Herz-Druck-Massage.

 Was muss man dabei beachten?

 Man legt die Handballen auf den Brustkorb und drückt so tief es geht – laut Faustregel fünf bis sechs Zentimeter tief. Man braucht da nicht zaghaft zu sein. Das macht man 100 bis 120 Mal pro Minute. Wer nicht einschätzen kann, wie schnell oder wie oft das ist, der kann laut „Staying Alive“ singen. Das Lied hat 100 Beats pro Sekunde, der Rhythmus passt also perfekt.

 Das Motto ja auch.

 Das macht das Lied geradezu perfekt. Das Ganze wird aber schnell sehr anstrengend. Also muss man sich wieder zügig jemanden suchen, der unterstützt. Und wieder gilt: nicht fragen, wer kann, sondern gezielt Menschen bestimmen. „Sie kommen jetzt bitte her und lösen mich ab!“ Und das machen Sie so lange, bis der Notarzt kommt.

 Was ist mit der Mund-zu-Mund-Beatmung?

 Oft haben Menschen Hemmungen, eine fremde Person, die auf der Straße liegt, zu beatmen, daher sagen wir: Die Herz-Druck-Massage ist die Pflicht, die Beatmung die Kür. Wenn Sie aber etwa den KN-Rettungskurs besucht haben, geübt sind und keine Hemmungen haben, dann ist das das Beste, was dem Patienten passieren kann. Dann würden Sie immer 30 Mal pumpen und zwei Atemstöße verabreichen. Im Idealfall führt einer die Herz-Druck-Massage aus, ein Zweiter beatmet, ein Dritter ist losgeschickt worden, um einen Defibrillator zu holen, und der Rettungswagen ist unterwegs. Aber nie, wirklich nie die Herz-Druck-Massage unterbrechen, um einen Defi zu holen.

 Und wenn man allein ist?

 112 wählen und Herz-Druck-Massage ausführen – diese zwei Schritte sind unumgänglich.

 Wieso kann auf die Beatmung verzichtet werden?

 Weil Sauerstoff nichts bringt, wenn das Blut nicht zirkuliert und der Sauerstoff das Gehirn nicht erreicht. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist der Herzmuskel schlaff, das Herz pumpt nicht, der Kreislauf wird nicht durchblutet, und das Gehirn bekommt keinen Sauerstoff. Mit der Massage übernimmt man die Aufgabe des Herzens, Blut durch den Körper zu pumpen und Sauerstoff ins Hirn zu bringen. In einer Stadt wie Kiel ist der Rettungswagen nach fünf bis acht Minuten am Ort des Geschehens. Wenn in dieser Zeit nichts passiert, der Notarzt erst nach zehn Minuten reanimieren kann, ist es meist zu spät: Das Herz pumpt dann wieder, aber das Hirn ist zu stark beschädigt. Wenn möglichst viele Menschen das verinnerlichen, überleben vielleicht nicht mehr nur zehn Prozent der Patienten nach einem Herzstillstand, sondern 20 oder 30 Prozent.

 Interview: Alev Doğan

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