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Drei Minuten, die Leben retten

Neue App Drei Minuten, die Leben retten

Es geht um wenige Minuten, die entscheidend sein können: Mit einer neuen App mehr Leben retten, das wollen das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), die Kieler Nachrichten und die AG Rhythmologie. Sie haben am Dienstag auf der Technologiemesse Cebit „Meine Stadt rettet“ vorgestellt.

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KN-Geschäftsführer Sven Fricke (v. li.), Dr. Hartwig Marung vom UKSH und Martin Kleehaus von der Ecorium GmbH stellten die Retter-App auf der Cebit vor.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel/Hannover. Dank der App soll bei einem Herzstillstand künftig rasch Hilfe vor Ort sein und ein Netzwerk aus Rettern entstehen.

„Mit jeder Minute, die wir einsparen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Betroffener ohne Folgeschäden überlebt“, sagt Dr. Hartwig Marung vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin am UKSH. Plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland, bis zu 100.000 Menschen sterben jährlich daran. Viele dieser Menschen könnten noch leben, wenn sie rechtzeitig wiederbelebt worden wären. Doch Laien trauen sich oftmals nicht an eine Reanimation und lassen kostbare Zeit verstreichen, bis ein Notarzt eintrifft. „Schon drei Minuten, nachdem ein Herz zu schlagen aufgehört hat und das Gehirn nicht richtig durchblutet wird, kann es langfristige Schäden davontragen“, sagt Marung. Nach zehn Minuten ohne Herzdruckmassage sei es oft zu spät. „Die App passt perfekt zu unserer Lebensretter-Aktion, bei der wir bereits gut mit dem UKSH zusammenarbeiten“, sagt KN-Chefredakteur Christian Longardt.

Menschen, die in Kursen wie bei „Leben retten!“ Wiederbelebung gelernt haben, können sich als freiwillige Helfer registrieren. Dafür müssen sie nur den entsprechenden Qualifikationsnachweis in der neuen Retter-App hochladen. Im Fall eines Notrufs über 112 kann die Leitstelle dann Ersthelfer, die sich gerade in der Nähe des Einsatzortes befinden, alarmieren. Sind sie bereit zu helfen, signalisieren sie das mit einem Klick auf ihrem Smartphone und werden per Navigation zum Patienten gelotst. Dort versorgen sie ihn, bis der Krankenwagen eintrifft.

Erste Erfolge bei Pilotversuch

„In über 30 Prozent der Fälle in unserem Pilotversuch konnten wir über drei Minuten vor dem Notarzt vor Ort sein“, sagt Dr. Christian Elsner, der das Projekt von Seiten des UKSH und der europäischen Gesellschaft für Rhythmologie betreut. Drei Monate lang wurde die Retter-App im vergangenen Herbst in Lübeck getestet. „Wir waren überrascht, wie groß das Echo war“, sagt Elsner. Innerhalb kürzester Zeit hätten sich in der Hansestadt 450 Retter registriert.

Bei Städten wie Lübeck oder Kiel mit über 200.000 Einwohnern müssten mindestens 600 Helfer mitmachen, damit wirklich ein Zeitvorteil vor den Notarztwagen entstehe, so Elsner. Ziel seien dort aber eher 2000 bis 3000 registrierte Retter, landesweit zehnmal so viele. „Je mehr Leute sich registrieren, desto besser“, sagt Marung. Schließlich sei nicht jeder App-Nutzer immer sofort verfügbar, um zu helfen. „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich viele unserer Schulungsteilnehmer bei der App anmelden, um ihr Wissen im Notfall anzuwenden“, sagt Chefredakteur Longardt. Laut Marung wirbt auch das UKSH verstärkt unter den eigenen Mitarbeitern, bei „Meine Stadt rettet“ mitzumachen.

App erinnert an Auffrischungskurse

Klinikpersonal oder Polizisten müssen von Berufs wegen ihre Kenntnisse zur Wiederbelebung regelmäßig auffrischen. Die anderen Helfer sollen von der App automatisch ein Jahr nach ihrem letzten Reanimationstraining daran erinnert werden, wieder einen Kursus zu besuchen. „Wir wollen, dass sich die Leute gut ausgebildet fühlen und sicher genug, um zu helfen“, sagt Marung. Die Lebensretter werden auch professionell begleitet: „Nach einem Einsatz bekommen sie einen Anruf und können Rückmeldung geben, was gut und was schlecht gelaufen ist“, so Elsner. Großen Wert haben die Entwickler zudem auf den Datenschutz gelegt. „Personenbezogene Daten werden den Rettern nicht übermittelt“, sagt Elsner. Nach dem Einsatz werde auch die gespeicherte Strecke zum Unglücksort wieder gelöscht.

In der App „Meine Stadt rettet“ können sich Interessierte außerdem für Wiederbelebungskurse anmelden oder helfen, das Netz an Defibrillatoren genauer zu erfassen.

Die Retter-App finden Sie für das Betriebssystem IOs unter „Meine Stadt rettet“ kostenfrei im Apple-Store. Im Herbst soll sie auch für Android-Geräte verfügbar sein

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