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Herzklopfen immer nur beim Auftakt

Noch freie Kurs-Plätze Herzklopfen immer nur beim Auftakt

Wie das Leben so spielt. Hätte Martina Back ihren Mann Kai-Uwe nicht animiert, mit ihr eine „Leben retten!“-Schulung zu absolvieren, so wäre der Geschäftsführer der BIG Bau Unternehmensgruppe kaum auf die Idee gekommen, eine solche Schulung zu finanzieren.

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Jessica Popp ist das Gesicht der "KN hilft Leben retten"-Aktion.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Nachdem Kai-Uwe Back jedoch am 23. Februar die Technik der Herzdruckmassage erlernt und beim Üben an der Puppe „Anne“ gemerkt hatte, dass das „ganz schön anstrengend sein kann“, stand für ihn fest: „Das ist ein tolles Konzept, das sich die KN und das UKSH ausgedacht haben, das unterstützen wir.“

Und so traf Kai-Uwe Back am Montagabend zur Schulung in seinem Unternehmen auf 30 interessierte Bürger und ein vertrautes Gesicht: Jessika Popp ist mit Saskia Greiner im Grunde das Gesicht der gemeinsamen Aktion von Kieler Nachrichten und Universitätsklinikum.

Die Krankenschwester und ihre Kollegin, eine Rettungssanitäterin, leiten die Schulungen, und man merkt, dass sie das aus Überzeugung tun. Jessika Popp arbeitet seit 2004 beim UKSH, zuerst auf der Intensivstation der Inneren Medizin, inzwischen in gleicher Funktion als Intensivpflegerin in der Chirurgie. Sie hat immer wieder Patienten nach einem Herzkreislaufstillstand im Schockraum, der Anlaufstelle für Notfälle, erlebt und registriert, dass deren neurologischer Zustand deutlich besser hätte sein können, wenn die Erstversorgung funktioniert hätte. „Laienreanimation, also sofortige Herzdruckmassage, ist unglaublich wichtig“, lautet ihre Erkenntnis.

Solches Wissen versteht Jessika Popp bei jeder „Leben- retten!“-Schulung überzeugend zu vermitteln. Ihre anfängliche Nervosität merkt man der 38-jährigen Mutter einer fünf Jahre jungen Tochter nicht an. Auch am Montagabend bei der BIG in Kronshagen nicht, obwohl sie einräumt: „Ich bin vorher immer ein bisschen aufgeregt, weil ich nicht weiß, wie ich die Teilnehmer erreiche und sie begeistern kann. Das ist jedes Mal für mich mit Herzklopfen verbunden.“

Ihre Herzfrequenz dürfte sich aber nach wenigen Minuten, wenn sie merkt, dass munter die ersten Fragen gestellt werden, wieder auf Normalniveau eingependelt haben. Auch in Kronshagen traf sie auf interessierte Teilnehmer, die beispielsweise wissen wollten, ob solche Schulungen auch an Schulen angeboten werden. „Das wäre wünschenswert“, antwortete Jessika Popp, „doch das müsste von der Politik gewollt werden.“ Und dann erzählt sie, dass das Institut für Rettungs- und Notfallmedizin, kurz „Irun“ genannt, unlängst Lehrer von drei Schulen in Kiel, Neumünster und Lübeck in Herzdruckmassage unterrichtet habe. „Schüler retten Leben“ hieß das Projekt, noch aber ist es nur eine Wunschvorstellung, alle Siebt- und Achtklässler im Land auszubilden.

Deutlich weiter ist das Universitätsklinikum selbst. Jessika Popp schult auch die UKSH-Mitarbeiter. 8000 sollen bis Ende des Jahres wissen, welche Leben rettenden Sofortmaßnahmen sie in einem Notfall ergreifen sollten.

Jessika Popp beherrscht nicht nur die Technik, sie erkennt auch schnell, wenn Not am Mann ist. So erzählte sie in Kronshagen von ihrem Besuch kürzlich in einem kleinen Kieler Möbelhaus. Als sie nach ein paar Minuten noch immer keinen Berater gesehen hatte, klopfte sie einfach mal im Büro an – und sah einen auf einer Couch liegenden Angestellten, der blass war und schwitzte. Mögliche Anzeichen für einen Herzinfarkt. Die kundige Kundin handelte und rief einen Rettungswagen. „Die allermeisten Herzstillstände kündigen sich mit eindeutigen Symptomen an“, erläutert sie den fast andächtig lauschenden Teilnehmern. Im Raum ist es still, nur das Surren des Beamers ist zu hören. Die resolute Krankenschwester hat ihre Zuhörer wieder mal erreicht.

Lotto lädt zur nächsten Schulung in Kiel ein

Der Termin der nächsten Schulung „Leben retten!“ in Kiel steht fest: Am 22. Mai finanziert Nordwest-Lotto einen Kursus und lädt dazu 30 Teilnehmer zwischen 18 und 20 Uhr in die Lotto-Zentrale in der Andreas-Gayk-Straße 19-21 ein. Anmeldungen zu diesem Abend sind heute ab 9 Uhr unter Tel. 0431/903-669 möglich.

Dies gilt auch für Restplätze für die Schulung am 10. Mai in Lütjenburg bei Merz Dental (Kieferweg 1).

Auch Sie können die gemeinsame Aktion „Leben retten!“ von KN und UKSH unterstützen! Mit Spenden auf das Hilfskonto DE05 2105 0170 1400 262000 bei der Förde Sparkasse. Zugleich können Unternehmen mit einer Mail an leben-retten@kieler-nachrichten.de zum Partner von KN und UKSH werden, um Schulungen (Kosten 1700 Euro) zu finanzieren.

Die Übungspuppen für die Herzdruckmassagen dürften die Geschulten behalten, um ihr Wissen an Angehörige und Freunde weiterzugeben.

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Ein Artikel von
Gerhard Müller
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