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Hilfe, die mit Blaulicht kommt

Notfallsanitäter Hilfe, die mit Blaulicht kommt

„Leben retten!“ Mit seiner großen Aktion verfolgt der Verein KN hilft gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein das Ziel, möglichst viele Leser zu Lebensrettern auszubilden. Gleichzeitig widmen wir uns professionellen Lebensrettern – wie Pepe Block und Vio Klimmeck.

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Ein eingespieltes Team: Vio Klimmeck und Pepe Block an ihrem Rettungswagen.

Quelle: Gerhard Müller

Kiel. Wenn er gerufen wird, gibt er Gas. Pepe Block darf das, er ist Notfallsanitäter bei der Kieler Berufsfeuerwehr. Ist er im Einsatz, so geht es mitunter um Sekunden. Wie in der Formel 1. An einem trüben Montagmorgen steht Pepe, der eigentlich Philipp heißt, mit seiner Kollegin Vio Klimmeck in der Wache am Holzkoppelweg quasi in der Boxengasse. Vio ist Auszubildende. Nach ihrem Abitur hat sich die heute 21-Jährige bewusst für die Ausbildung zur Notfallsanitäterin entschieden. „Ich wollte etwas Medizinisches machen mit Abwechslung. Ich finde das jeden Tag wieder spannend.“

 In der Boxengasse wird kurz nach sieben erst einmal gewischt. Der Rettungswagen muss sauber sein, Berufsehre. Außerdem prüfen Pepe und Vio, ob alle Medikamente an Bord sind. Wenn es ernst wird, müssen sie gerüstet sein. Ernstfälle meldet der Pieper am Gürtel mit Zielort, Namen des Patienten und dessen mutmaßlichem Problem. Kurz nach neun piepst es zum ersten Mal. Pepe und Vio bleiben 90 Sekunden, um zu starten. Als sie drei Minuten später an dem Wohnheim in Kronshagen Blaulicht und Sirene abschalten, begrüßt sie die Leiterin vor der Tür mit den passenden Worten: „Sie sind ja schneller als die Polizei erlaubt.“ Drinnen ist danach weniger Eile angesagt. Ein Mann war am Vortag gestürzt, klagt über Kopfschmerzen und wirkt etwas verwirrt. Das Duo von der Feuerwehr schaltet in den Routine-Modus: Beruhigende Worte finden, Blutdruck und Puls ermitteln. Eine Gehirnerschütterung, vermutlich, also geht es ohne Blaulicht in die Uniklinik. „Wir kümmern uns um alles, das reicht von der Platzwunde bis zum Herzstillstand. Meistens erkennt man auf den ersten Blick, ob jemand schwer krank ist“, sagt Pepe Block. Der 30-Jährige ist gelernter Rettungsassistent und hat sich zum Notfallsanitäter fortgebildet. In dieser Funktion darf er mehr Verantwortung übernehmen, beispielsweise mit invasiven Maßnahmen Atmung und Kreislauffunktion stabilisieren. Nachtdienste, Schichten mit mehr als zwölf Stunden und im Schnitt neun, zehn Einsätzen gehören zu diesem Job, persönliche Betroffenheit ebenfalls. „Man sollte sich eine dicke Haut zulegen, es kann schon ganz schön stressig werden“, sagt Pepe Block, besonders im Fall von Geburten oder generell bei Kindern in Not. Die Haut von Vio Klimmeck ist noch nicht ganz so dick. „Bei mir geht der Puls bei Einsätzen schon noch höher als bei Pepe“, gibt sie zu.

 Nicht jedoch an diesem Vormittag, Defibrillator und der Beatmungsrucksack werden nicht benötigt. Ein alter Herr muss aus der Kurzzeitpflege in einem Wohnheim nach Holtenau transportiert werden, anschließend werden Pepe und Vio zu einem anderen Seniorenheim beordert. Kurz vor 14 Uhr folgt der erste Ernstfall. Los geht’s mit einem Notarzt nach Rendsburg, ein zwei Tage altes Kind muss zur Notoperation in die Uniklinik gebracht werden. Pepe Block düst nun in einem VW-Bus über die Autobahn. Um 18.55 Uhr werden Pepe und Vio noch in den Sophienhof beordert, eine Frau ist auf den Hinterkopf gestürzt. Sie muss ins Krankenhaus. Um 20 Uhr ist Dienstschluss, nach 13 Stunden.

 An diesem Tag war bei Sven Jörß in der Feuer- und Rettungsleitstelle am Westring ein anderer Notruf eingegangen. Ein alter Herr hatte einen Herzstillstand erlitten, Jörß gab dessen Sohn am Telefon zwar Anweisungen für die Wiederbelebung, doch der Vater war nicht mehr zu retten. „Obwohl die Sanitäter nach drei Minuten und der Notarzt nach fünf Minuten vor Ort waren, ist der Tod manchmal nicht zu verhindern“, bedauert Jörß. Das ist eine Erfahrung, die auch Pepe Block schon gemacht hat. „Im vorletzten Winter sind wir zur Color Magic gerufen worden. Das Herz eines Mannes schlug nicht mehr. Wir haben ihn sofort reanimiert, aber nach zwei Tagen kam aus dem Krankenhaus die Nachricht von seinem Hirntod.“ Das hätte verhindert werden können, glaubt der 30-Jährige: „Wenn die Umstehenden gewusst hätten, wie man Herzdruckmassage macht, hätte er sicherlich überlebt.“

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„KN hilft Leben retten!“
Foto: Auf dem Computerbildschirm erscheint eine Anleitung für die Herzdruckmassage in Notfällen, die die Feuerwehrleute ihren Anrufern vorlesen können. Den Text für Herzdruck kennt Sven Jörs, Disponent in der Kieler Leitstelle, aus dem Eff-Eff.

Unter der Telefonnummer 112 wird in den Leitstellen der Feuerwehren bei einem akuten Herzstillstand erste Hilfe geleistet.  Aus durchschnittlich 1500 bis 2000 Anrufen, die die Kieler Leitstelle täglich erreichen, resultieren etwa 500 bis 600 Einsätze.

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