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Der Herzstillstand kam aus dem Nichts

Vom Kollegen gerettet Der Herzstillstand kam aus dem Nichts

Vor einem Jahr brach Kai-Uwe Kobarg bewusstlos zusammen. Dank engagierter Kollegen hat er überlebt und genießt sein neues Leben.

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Rang nach einem Herzstillstand mit dem Tod: Kai-Uwe Kobarg, der durch das mutige Eingreifen seiner Ersthelfer weiterhin glückliche Stunden mit Ehefrau Britta genießen kann.

Quelle: Gerhard Müller

Kiel. An den 19. September 2016 hat Kai-Uwe Kobarg nicht die geringste Erinnerung. Das gilt nicht nur für jenen Freitag, auch für die weiteren September-Tage vermeldet sein Gedächtnis Fehlanzeige. Im Leben des 56-Jährigen sind zwei Wochen komplett ausgeblendet. Doch damit kann der Altenholzer leben. Denn er ist froh, dass er überhaupt noch lebt. Kai-Uwe Kobarg hat am 19. September vergangenen Jahres einen Herzstillstand erlitten. Aus dem Nichts. Dass er ein knappes Jahr danach wieder ein normales Leben führen kann, verdankt er der Verkettung glücklicher Umstände – und vor allem Ole Thomsen, seinem Lebensretter.

 Ole Thomsen hat an den 19. September 2016 aus gutem Grund sehr exakte Erinnerungen. Bei der Provinzial-Versicherung stand an jenem Vormittag eine Besprechung an. Als der Informatiker sich dem Raum näherte, hörte er eine Frau um Hilfe rufen: „Als ich in das Besprechungszimmer kam, lag mein Kollege Uwe auf dem Boden. Ich dachte, hier geht es um Leben und Tod, und ich habe sofort losgelegt.“ Der heute 47-Jährige drehte Kobarg auf den Rücken, begann mit Herzdruckmassage, schrie, jemand solle die 112 anrufen und wies den Kollegen Bernd Salzer an, mit der Mund-zu-Mund-Beatmung zu beginnen. Dann brachte jemand einen Defibrillator. Und Thomsen folgte den automatischen Sprachanweisungen des Geräts.

 Er hat alles richtig gemacht. Das ist ein kleines Wunder, denn er ist gar kein ausgebildeter Ersthelfer. Er handelte instinktiv, und er handelte auch, weil von den Umstehenden keiner offenbar so recht wusste, was zu tun war. Ein bekanntes Verhalten, das im November 2016 dazu führte, dass das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) gemeinsam mit den Kieler Nachrichten die Aktion „Leben retten!“ startete, um Menschen in Sofortmaßnahmen zu schulen. Denn die ersten Minuten sind entscheidend, um das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen und Folgeschäden zu vermeiden.

Dramatische Minuten

 Kai-Uwe Kobarg kennt die dramatischen Minuten nur aus Erzählungen. Der erste glückliche Umstand war, so sagt er, dass es im Haus der Provinzial ein Notfallmanagement gebe. Perfekt sei zudem die Laien-Reanimation verlaufen: „Meine Hochachtung, was Ole Thomsen und Bernd Salzer spontan geleistet haben.“ Außerdem sei der Notarzt bereits nach sechs Minuten vor Ort gewesen und hätte sein Herz mit zwei weiteren „Defi“-Schocks wieder zum Schlagen gebracht.

 Die folgenden fünf Wochen verbrachte Kobarg auf der Intensivstation. 48 Stunden lang wurde seine Körpertemperatur auf 33 Grad abgekühlt, damit sich das Gehirn erholt, wie er sagt. Da während der Reanimation Essensreste in seine Lunge geraten waren, musste er wegen einer schweren Entzündung seines Atemorgans an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Zwölf Tage lag er im Koma, dann begann der Aufwachprozess. Seine Frau Britta saß jeden Tag an seinem Krankenbett. „Mir war bewusst, dass die Lage sehr kritisch ist, ich habe in dieser Zeit nur funktioniert.“ Jule, die damals elf Jahre alte Tochter, sah ihren Vater erst, als dieser wieder ansprechbar war.

 Was hat sich seitdem geändert für Kai-Uwe Kobarg? Er nimmt ein Mittel gegen Bluthochdruck, und ein implantierter Herzschrittmacher inklusive Defibrillator gibt ihm Sicherheit („Das ist gut für den Kopf“). Das war es auch schon. Da er dank der exzellenten Erstversorgung keine Folgeschäden wie Sprachstörungen oder Lähmungserscheinungen zu beklagen hat, arbeitet er wieder, ernährt sich nun gesünder als früher und geht regelmäßig in ein Fitnessstudio. „Ich darf mich allerdings nicht mehr richtig auspowern, aber das macht absolut nichts“, sagt er. Er sei jetzt deutlich gelassener geworden: „Ich lasse keinen Stress mehr an mich heran.“ Als Erinnerung an die schwere Zeit wird er niemals die Worte seines Oberarztes vergessen: „Herr Kobarg, Sie wissen gar nicht, wie viel Glück Sie mit ihren Ersthelfern hatten.“

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