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Feine Küche an historischer Stätte

Serie: Kiel isst Feine Küche an historischer Stätte

Kieler Leser schlüpfen in die Rolle der Restaurantkritiker – und stellen uns ihre Lieblingslokale vor. In dieser Folge berichtet Hemmo Fahrenkrog vom „Lüneburg-Haus“ in der Dänischen Straße.

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Christina Mann ist seit 2013 Geschäftsführerin im Lüneburg-Haus und hat seitdem den Charme des alten Hauses wieder herausgearbeitet.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Für mich ist das Lüneburg-Haus in der Dänischen Straße ein echtes Kleinod und ein Ort mit Geschichte. Hier wurde 1881 die einstige Jagd- und Waffenhandlung Lüneburg gegründet, die weit über die Grenzen Kiels hinaus bekannt war. Seit fast 25 Jahren wird in dem einst von Jan Peter Marxen und Jochen Strehler zum gemütlichen Restaurant umgebauten Haus schmackhafte und feine Küche angeboten. Seit Oktober 2013 ist die umtriebige Frontfrau Christina Mann die Seele des Lüneburg-Hauses, sie hat den Charme des unter Denkmalschutz stehenden Haus wieder herausgekitzelt. Zuvor hatte die gelernte Köchin übrigens jahrelang im Galileo und bei Giovanni L. gewirkt.

Durch die unmittelbare Nachbarschaft ist die tägliche Versuchung (außer sonntags) bei mir sehr groß. So muss ich aufpassen, dass ich nicht jeden Tag dort an einem der mit schönen weißen Stoffdecken eingedeckten Tische lande. Denn schon die Mittagstischkarte, die man auch im Internet bekommt, bietet mit den wöchentlich wechselnden Tellergerichten ab 9,50 Euro an echte Gaumenfreuden. Zum Beispiel findet man da „Geschmorte Hähnchenkeule mit cremigem Sellerie- und Kartoffelpumpernickelstampf“ oder „Geflügelfrikadelle mit Tomatenkompott und bunten Tagliarini“. Schon beim Lesen läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Auch die vegetarischen Angebote sind nicht zu verachten. Oft bin ich geneigt, aufgrund der raffinierten und köstlichen Gerichte diese als Vorspeise zu bestellen. Italienisch-spanische Einflüsse, kombiniert mit regionalen Produkten, sind immer eine kulinarische Überraschung.

Ein Weinkenner hat seine Hand im Spiel

Die Historie des ehemaligen Jagdwaffengeschäftes verpflichtet Christina Mann natürlich zu einem Wildgericht, das nie fehlt. Aber meine absoluten Lieblingsgerichte sind das Original Wiener Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat in kleinen Scheiben und der Lammrücken aus heimischen Gefilden oder vom Irischen Weidelamm mit Sellerie-Honigpüree, serviert mit Kräutersaitlingen und Rosenkohl. Die Weinempfehlung, ein 2011er Carmenère, rundet das köstlichen Gericht ab. Auf der Weinkarte sind viele Anbaugebiete Europas versammelt, die auf die vielfältige und abwechslungsreiche Küche ausgerichtet sind. Hier hat ein Weinkenner seine Hand im Spiel gehabt. Zum Dessert liebe ich den Bokseer Ziegenfrischkäse mit Speck, Apfelscheiben und Honig, der durchgehend auf der Karte ist.

Bei der Abendkarte kann man zwischen mehrgängigen Menüs oder à la carte wählen und ausgedehnt genießen. Küchenchef Thorsten Mollenhauer, der bei Marxen und Strehler gelernt hat, zaubert in der doch sehr beengten Küche Köstliches wie Steckrübensuppe mit geräucherter Entenbrust, auf der Haut gebratenes Skreifilet mit Belugalinsen, Curryveloute und Kartoffelchips (natürlich nicht aus der Tüte). Zum Abschluss kann man sich mit einem Birnen-Whiskeyparfait mit Birnenkompott und Walnussküchlein verwöhnen lassen. Apropos verwöhnen: Das junge Serviceteam liest den Gästen jeden kulinarischen Wunsch quasi von den Augen ab. Ein Espresso macchiato sowie der Brandy Solera Reserva aus Jerez ist ein Muss.

Auch Catering-Service möglich

Im Erdgeschoss gibt es acht und im ersten Stock weitere neun Tische. Der alte Speisenaufzug ist allein schon sehenswert. In den Sommermonaten werden zusätzlich Tische und Stühle vor dem Restaurant platziert. Dann zieht ein mediterraner Hauch durch die Dänische Straße. Das Lüneburg-Haus bietet auch einen Catering-Service. Ich genieße gern in großer Runde zu Hause die Antipasti mit hausgebackenem Brot. Das kleine, aber feine Haus mitten in der Stadt weiß aber nicht nur ich zu schätzen. Deshalb sollte man lieber reservieren. Zudem ist das Lüneburg-Haus nur einen Steinwurf vom Kreuzfahrt-Terminal entfernt, und sein guter Ruf reicht über die Grenzen hinaus bis nach Skandinavien.

Von Hemmo Fahrenkrog

Lüneburg-Haus, Dänische Straße 22, Kiel, Tel. 0431/982600. Geöffnet: Mo bis Sa, 12-15 Uhr und 18-22 Uhr warme Küche. Sonntags ist Ruhetag.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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