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Tafelkultur direkt am Nord-Ostsee-Kanal

Waffenschmiede Tafelkultur direkt am Nord-Ostsee-Kanal

In unserer Serie „Kiel isst“ haben Leser die Gelegenheit, in die Rolle des Restaurantkritikers zu schlüpfen und ihr Lieblingslokal vorzustellen. Wo kehren Sie gerne ein und warum? In dieser Folge stellen Maren Theil und Ingeborg Cyrus Ihnen das Hotel und Restaurant „Waffenschmiede“ in Holtenau vor.

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Erika und Rainer Rieken betreiben seit 46 Jahren das Hotel-Restaurant „Waffenschmiede“ in Holtenau und können auf eine treue Stammkundschaft zählen.

Quelle: Petra Krause

Kiel. Wir sind fast seit Eröffnung der „Waffenschmiede“ im April 1971 hier Stammgäste. Wir sind Genießer durch und durch. Nicht nur das gute Essen mit heimischen Produkten, auch die Getränke müssen hervorragend sein. All das genießen wir am Liebsten in der „Waffenschmiede“ beim Inhaber-Ehepaar Erika und Rainer Rieken. Mit weißen Tischdecken und frischen Blumen auf den Tischen pflegen die beiden noch eine echte Tafel- und Tischkultur. Bei jeder Stufe, die uns zum am Friedrich-Voß-Ufer thronenden Restaurant hinaufführt, steigt die Vorfreude auf den Logenplatz am Kanal, das schöne Ambiente und die liebevollen Gastgeber. Meist wissen wir schon ganz genau, was wir essen wollen. Noch bis Anfang März ist das mit Sicherheit Labskaus, das beste im Kieler Raum. Aber auch andere Gerichte, ob Fisch oder Fleisch, versprechen besonderen Genuss. Neulich aßen wir Hirschrücken mit selbstgemachtem Rotkohl, Rosenkohl und Kroketten, dazu eine Sauce zum Süchtigmachen. Superlecker! Das Lokal ist liebevoll dekoriert mit Masken aus aller Welt, die das Ehepaar von seinen vielen Reisen mitgebracht hat, und historischen Bildern, die von der Geschichte Holtenaus erzählen, mit der die „Waffenschmiede“ eng verbunden ist.

1956 wurde die "Waffenschmiede" wieder eröffnet

 Aus alten Urkunden geht hervor, dass sich um 1600 eine Hufschmiede und ein Dorfkrug etwas weiter oberhalb des Kanals befanden, wo ein wichtiger Handelsweg Richtung Dänemark verlief. Der Ort diente damals als Ausspann. Waffen wurden dort aber nie geschmiedet. Vielmehr erhielt der Dorfkrug seinen Namen um 1845 durch die Sammelleidenschaft der Vorfahren, von denen viele zur See fuhren. Mitgebrachte historische Waffen aus aller Herren Länder schmückten damals Wände und Decken der „Waffenschmiede“. Doch während des Krieges, am 11. August 1944, gingen Gasthaus und Waffensammlung in Flammen auf, als Brandbomben die reetgedeckte Kate trafen. Die Waffen waren verloren, aber auf dem neuen Grundstück am Friedrich-Voß-Ufer hatte die „Waffenschmiede“ plötzlich ein neues Pfund, mit dem sie bis heute wuchert: den Kanalblick. 1956 wurde die „Waffenschmiede“ als Hotel mit Restaurant wieder eröffnet. Bereits 1960 wurde erweitert und 1971, als die beiden das Haus von Rainer Riekens Eltern übernahmen, zur jetzigen Größe umgestaltet. Die Hotelzimmer, das Restaurant und die Terrasse wurden zwischenzeitlich erneuert. Bis 1979 gab es sogar noch Tanzveranstaltungen. Ich kann mich sogar noch erinnern, wie wir nach Liedern wie „In Holtenau da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau im Unterrock“ getanzt haben.

 Dank der großen Fensterfront hat man übrigens von allen Tischen aus einen fantastischen Blick auf den Kanal samt der Schleusen. Wer gerne Schiffe beobachtet, sitzt, isst und schläft hier in der ersten Reihe. Mit den vorbeifahrenden Schiffen kommt einem die ganze weite Welt näher. Von Frachtschiffen über Kreuzfahrer, Seglern und Motorbooten kann man gar nicht genug bekommen. Mittendrin die „Adler I“, die kleine Fähre, die einem Schuhkarton gleicht und zwischen Holtenau und der Wik hin und her pendelt. Auch wir machen oft nach dem guten Essen eine kleine Seereise, denn der Anleger ist nur ein paar Hundert Meter vom Restaurant entfernt. Ein absolutes Muss nach einem guten Essen ist aber: der Kanalgeist, ein gustatorischer Spiegel des Kanals. Er verbindet dunkle Schokolade mit schwarzem Tee, exotischen Gewürzen, Jamaika-Rum und kommt aus einer Destillerie in Preetz.

 Was uns auch noch ausgesprochen gut in der „Waffenschmiede“ gefällt, ist, dass man bei fast jedem Gericht von der großen Portion auch die kleinere Variante bekommen kann. Sozusagen für den kleinen Hunger. Denn der Begriff Seniorenteller ist hier verpönt. Außerdem wird mit Hinweisschildern und kleinen Kärtchen auf den Tischen darauf aufmerksam gemacht, dass Handys hier nicht erwünscht sind. Schließlich soll man Essen und Ausblick wirklich in Ruhe genießen können.

  Von Maren Theil und Ingeborg Cyrus

So werden Sie zum Restaurant-Tester

 „Waffenschmiede“, Friedrich-Voß-Ufer 4, Kiel-Holtenau, Tel. 0431/369690. Öffnungszeiten: Warme Küche täglich 12 bis 13.30 Uhr und 18 bis 20.30 Uhr (Küchen-Bestellungsannahme), Café täglich 14 bis 17.30 Uhr.

 Teilnahme: Ab sofort können Sie uns Ihr Kieler Lieblingslokal vorstellen. Der Text sollte mindestens 2000 Zeichen umfassen und ausdrücken, was Ihnen an dem Restaurant am besten gefällt. Schicken Sie uns Ihre Bewertung unter dem Stichwort „Kiel isst“ entweder per Mail (lokalredaktion@kieler-nachrichten.de) oder auf dem Postweg an: Kieler Nachrichten, Lokalredaktion, Stichwort „Kiel isst“, Fleethörn 1-7, 24103 Kiel. Bitte vergessen Sie nicht, Ihre Telefonnummer anzugeben. Wir wählen dann unter allen Einsendungen die Texte aus, die veröffentlicht werden und melden uns bei Ihnen – auch, um ein Foto von Ihnen in Ihrem Lieblingslokal zu machen. Es besteht kein Anspruch auf Veröffentlichung.

Verlosung: Am Ende der Serie verlosen wir unter allen Teilnehmern (auch von denen, deren Texte nicht veröffentlicht werden) drei Essens-Gutscheine im Wert von 50 Euro für Ihr Lieblingslokal. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Ein Artikel von
KN-online (Kieler Nachrichten)

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