23 ° / 13 ° wolkig

Navigation:
Für ihn gehören Tiere zum Leben

Michael Gruber Für ihn gehören Tiere zum Leben

Das Leben ist vielschichtig und manchmal auch kompliziert. Doch für so gut wie alles gibt es Fachleute, die über ein ungeheures Wissen verfügen. In unserer Serie wollen wir sie vorstellen. In dieser Folge berichtet der technische Leiter des Aquariums, Michael Gruber, über seine Arbeit.

Voriger Artikel
Immer ein Stück Seil in der Hand

Michael Gruber ist Leiter des Aquarium und Seehundgeheges in Kiel.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Manchmal findet auch im Berufsleben zusammen, was zusammengehört. Bei Michael Gruber scheint dies der Fall zu sein. Er ist der technische Leiter des Aquariums Geomar, und wenn er sich am Schreibtisch umdreht, blickt er direkt aufs Seehundbecken an der Kiellinie. 250000 Liter gefiltertes Ostseewasser enthält es. Stündlich werden 50000 Liter aus der nahen Förde ins Becken und wieder zurück in die Förde gepumpt. Einmal wöchentlich wird das Becken entleert und gereinigt.

Der Außenbereich des Aquariums ist ein Publikumsmagnet. Selbst an Regentagen warten kurz vor 10 Uhr schon an die 70 Zuschauer, um die erste Fütterung des Tages mitzuerleben. Meistens bekommen die Seehunde ihre Heringe von Tierpflegerin Nicole Fischer, seltener von Tierpfleger Ralf Traulsen oder von Michael Gruber selbst. Der 56-Jährige ist Kopf des Teams, zu dem zwei Auszubildende zum Beruf des Zootierpflegers gehören – „und ab und zu studentische Hilfskräfte, wenn wir das Geld haben, sie zu bezahlen“.

Schon mit sechs hatte Gruber ein Aquarium. Mit 15 hatte er in seinem Zimmer 25 Aquarien, „ich habe Fische gezüchtet und sie verkauft, an Händler und Privatleute, und mir ein anständiges Taschengeld verdient. Ich habe auch immer den Ehrgeiz gehabt, schwierige Fische nachzuziehen, um von den Importen, zum Beispiel aus Südamerika, wegzukommen.“ Bis zum Ende seiner Lehre beschied sich Gruber mit einem Aquarium, später, „mit meiner damaligen Frau, wurden es zwölf. Sie war genauso verrückt wie ich, wir hatten keinen Fernseher, aber im Wohnzimmer eine ganze Wand mit Aquarien.“ Seine heutige Partnerin interessiere sich für diverse Tiere. Er selbst habe ein Aquarium, Kleinpapageien und Schildkröten.

Nebenbei half Gruber über Jahre „meinem besten Freund, Aquakulturanlagen in Forschungseinrichtungen der Uni Göttingen zum Laufen zu bringen.“ Die Uni bestätigte ihm Erfahrung, als in Kiel ein Techniker mit biologischem Verstand gesucht wurde. Vier Wasseraufbereiter sorgen im Aquarium Geomar rund um die Uhr für zuverlässige Kreisläufe in den Innenbecken mit den unterschiedlichen Biotopen: Ostsee (elf Grad), Nordsee (auch elf Grad, aber mehr Salz), Mittelmeer (20 Grad), Tropen (25 Grad). Eiweißabschäumer reinigen das Wasser mit Luft, hinzu kommen biologische Filter und Sammelbehälter. Wichtige Parameter wie Salzgehalt und Temperatur werden einmal täglich von Hand nachgemessen. Bei Überwärmung bekommt Gruber zu Hause in Lindau/Gettorf eine Alarmmeldung aufs Handy.

Bei den Seehunden – Kielius, der Bulle, und Krümel wurden 1994 und 2000 hier geboren, Luna 2011 in Neumünster und Sally 2011 in St. Peter-Ording – gab es nicht einmal, als Kielius’ Vater Jimmy noch lebte, die gefürchteten Probleme zwischen Bullen in der Paarungszeit. „Wir haben Glück gehabt“, meint Gruber.

Voriger Artikel
Ein Artikel von
Christian Trutschel
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Kieler Experten 2/3