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Kanalsteurer aus Kiel-Holtenau sorgt für Sicherheit

Serie: Kieler Experten Kanalsteurer aus Kiel-Holtenau sorgt für Sicherheit

In unserer Serie „Kieler Experten“ wollen wir diese vorstellen. In dieser Folge geht es um die Kanalsteurer in Kiel-Holtenau. Sie sorgen mit viel Erfahrung für sichere Passagen auf dem Nord-Ostsee-Kanal. Einer von ihnen ist Lars Winkelmann.

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Für den Rasen- und Klassenerhalt

Begegnung mit der „Heinrich Schepers“ in der Weiche Königsförde. Die noch unbeladene „Dornbusch“ muss warten, bis das Containerschiff vorbeigezogen ist.

Quelle: Susanne Blechschmidt

 Mittags 12.15 Uhr, Lotsenstation Rüsterbergen in Schülp bei Rendsburg. Nach Sturm und Starkregen am Morgen liegt der Nord-Ostsee-Kanal ruhig wie ein graues Band in der Landschaft. In der Station knappes Briefing zwischen Lotse und Kanalsteurer Lars Winkelmann (30). Wenig später sind beide startklar. Exakt nach Zeitplan taucht im Dunst der Westkurve die „Dornbusch“ auf – ein 101,1 Meter langes Containerschiff aus Hamburg. Direkt vor der Lotsenstation, bei Kanalkilometer 55, ist die Ablösung für den Lotsen aus Brunsbüttel – bei jedem Wetter und bei laufender Fahrt.

 Das Versetzboot legt bei, die Männer klettern die schaukelnden Holzstufen einer Strickleiter hoch. „Hello“ begrüßen sie die lächelnden Matrosen. Die „Dornbusch“, 1996 auf der Sietas-Werft in Hamburg gebaut, fährt als eines von nur noch 334 Schiffen unter deutscher Flagge. Kapitän Claus Meinke (64) ist Deutscher, seine sieben Männer und die Köchin sowie der „Erste“ sind von den Philippinen. Meinke soll den Frachter ins schwedische Sundsvall bringen. Jetzt, wo er sein Schiff in sicheren Händen weiß, nutzt er die Ruhephase. Das Fahren überlässt er dem Lotsen.

 In 24 Metern Höhe auf der Brücke gibt der Logenplatz den Blick frei über Wiesen und Felder. Doch Lars Winkelmann hat nur Augen für das Fahrwasser und übernimmt das Ruder – einen winzigen Joystick. „Fünf Grad“ meldet er dem Lotsen. Man ist wortkarg, konzentriert. Unmerklich ändern 3999 Bruttoregistertonnen ihren Kurs und leiten die nächste Kurve ein. „Man braucht Fingerspitzengefühl“, sagt er noch. Ein echtes Understatement für das passgenaue Manövrieren, mit dem er und seine Kollegen vom Verein der Kanalsteurer Kiel-Holtenau im 23-tägigen Reihendienst, der Bört, rund um die Uhr zusammen mit den Lotsen für Sicherheit auf der weltweit meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße sorgen. Die Holtenauer Kanalsteurer, die alle ein nautisches Patent besitzen, tun das seit 1908.

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Ein Artikel von
Susanne Blechschmidt
Lokalredaktion Kiel/SH

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