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Tierpräparator Zwischen Wissenschaft und Kunst

Wer das Wort Tierpräparator hört, denkt oft an Jagdtrophäen wie etwa kitschige Hirschgeweihe als Mantelhaken. Von so etwas ist Heiner Luttmann weit entfernt. Seine Präparate dienten einem anderen Anspruch – 40 Jahre lang der Lehre in der Wissenschaft, die letzten sieben davon im Zoologischen Museum.

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Heiner Luttmann mit dem Walross „Mümmelmann“. Der Präparator ist inzwischen nur noch ehrenamtlich im Zoologischen Museum tätig, zuletzt bei der inklusiven Ausstellung „Auf den Zahn gefühlt“.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Das Museum der Kieler Universität zählt zu den ältesten Naturkundemuseen Deutschlands. Wenn Museumsleiter Dr. Dirk Brandis Besucher durch die Ausstellung führt, verweist er stolz auf die denkmalgeschützte Architektur der Berliner Sozietät Gropius&Schmieden, nach deren Plänen der Bau 1881 verwirklicht wurde. Berühmt wurden die Räume jedoch vor allem durch den ersten Dauergast, der gleich mit einzog: das historische und in Deutschland einmalige Skelettpräparat eines jungen Blauwals (ebenfalls von 1881) von der Insel Sylt. Seine Knochen und die weiterer zwölf Walarten von hiesigen Fundorten, etwa die des kleinen Schwertwals (1862) aus der Kieler Bucht oder die des 14 Meter langen Pottwals (1980) von Trischen, der unter der Decke hängend in sein imaginäres Meer „abtaucht“, machen die als „Walhalle“ als artenreichste und ästhetische Location aus – geschaffen von Tierpräparatoren wie Heiner Luttmann.

 „Das hat mir unheimlich Spaß gemacht“, sagt der gebürtige Kieler, der in Dietrichsdorf die Adolf-Reichwein-Schule besuchte und sich schon als Kind sehr für Tiere interessierte. Die Anzeige in den Kieler Nachrichten „Lehrstelle zum Präparator am Institut für Haustierkunde“ an der CAU gab den entscheidenden Impuls für die Berufswahl. Die Ausbildung absolvierte er im Landesmuseum in Münster. „Er vereint Künstlerisches mit dem Handwerklichen und dem Wissenschaftlichen“, schwärmt Luttmann (64) noch heute von seinem vielseitigen Beruf. „Diese Wahl habe ich nie bereut.“

Eines der beeindruckendsten Exponate ist und bleibt der monumentale Pottwal. „Den haben wir 2008/2009 gemacht für die neue Walausstellung, die 2010 nach dem Umbau gezeigt wurde“, erinnert sich der Fachmann an die Aufbereitung des in der Meldorfer Bucht vor Trischen gestrandeten Tiers. „Gemacht“ hieß wie so oft im historischen Museum: ein ungeordnetes Sammelsurium von Knochen aus dem damals ebenfalls noch ungeordneten Fundus holen, Teile erneut reinigen (mazerieren), Knochen unsichtbar verbinden, das Ganze aufstellen oder wie hier – aufhängen. Der Schädel war so groß, dass ihn nur ein Kran durch das Oberlicht „einfädeln“ konnte, erst danach erhielt er sein restliches Skelett. Dessen Makellosigkeit ist Luttmanns Credo zu verdanken: „Im Skelettbereich habe ich den Anspruch: So gut wie nur irgend möglich muss es sein.“

Nach der Fülle all dieser Exponate wundert es kaum, dass der Meister seines Fachs sich mit privaten Präparationen schließlich auch zum mehrfachen Europameister und sogar Vize-Weltmeister krönte. Das für die Meisterklasse vorgelegte Skelett eines Jemenchamäleons brachte ihm bei der Weltmeisterschaft 2008 in Salzburg unter 450 Mitbewerbern aus aller Herren Länder den zweiten Platz ein.

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Ein Artikel von
Susanne Blechschmidt
Lokalredaktion Kiel/SH

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