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Kieler-Hinterhof-Geschichten Eine urbane Oase in der Kleiststraße
Kieler-Hinterhof-Geschichten Eine urbane Oase in der Kleiststraße
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07:00 11.09.2016
Von Carola Jeschke
„Es ist für mich Urlaub pur“: Wenn Agatha Theisen die Pflanzen im Hinterhof ihres Wohnhauses in der Kleiststraße pflegt, ist sie ganz in ihrem Element. Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Vor dem Mehrfamilienhaus in der Kleiststraße rumpeln Autos über das Kopfsteinpflaster, dahinter summen Bienen und Hummeln im Lavendel, plätschert ein kleiner Brunnen und wiegt sich der Bambus leicht im Wind. „Es ist für mich Urlaub pur, mit Pflanzen in Kontakt zu sein“, sagt die Kunsttherapeutin. Es blüht und grünt, wohin das Auge blickt.

 Als Agatha Theisen vor 20 Jahren mit ihrem Mann Stefan aus Nordrhein Westfalen „in Etappen“ in den Norden und schließlich nach Kiel zog, hatte sie gleich den richtigen Riecher für ihre neue Wohngegend. „Wir fuhren mit dem Auto durch die Kleiststraße, und ich dachte mir: Hier möchte ich wohnen.“ Dieser Wunsch ging zeitnah in Erfüllung. In einem der Häuser mit gepflegter Jugendstilfassade wurde eine Wohnung frei. Der Hinterhof bot damals nicht viel mehr als eine graue Fläche. „Da lebte nichts“, erinnert sich die 58-jährige Kielerin, die in einer ländlich geprägten Gegend aufgewachsen ist und Pflanzen liebt. Irgendwann habe sie „einfach ein paar Töpfe aufgestellt“. Doch dabei sollte es nicht bleiben. Wer heute durch die Balkontür von Agatha und Stefan Theisen ins Freie tritt, blickt aus einer wunderschönen, geschützten Sitzecke mit Brunnen und üppigem Lavendel auf unzählige, mediterran anmutende Töpfe und Pflanzen im gepflasterten Innenhof.

 Ob Oleander, Palme, Korkenzieher-Weide, Rose oder Hortensie: Unter Agatha Theisens grünem Daumen ist der einst triste Hof im wahrsten Sinne des Wortes aufgeblüht. Kleine Skulpturen aus Marmor, halb unter Blättern verborgene Bänke und verschnörkelte Gartenstühle laden zum Verweilen ein. Der vordere Teil des Hofes ist durch ein silberfarben gestrichenes Geländer von einer Rasenfläche getrennt, die auch zum Haus gehört und von Haselnuss, Birke, Kastanie und vielen Büschen eingerahmt wird. Hier lagert auch das Holz für die Kaminöfen der Hausbewohner. Eine Idylle, die sich die Theisens durch den Anbau eines Balkons und die Umgestaltung eines zweiten Balkons mit Treppe noch besser erschlossen haben. „Ich bin immer mit Herzblut an die Arbeit gegangen“, sagt Agatha Theisen – sehr zur Freude der Mitbewohner, denn Hof und Garten gehören der Eigentümergemeinschaft. „Zum Glück sind wir uns alle einig, dass wir es nicht perfekt haben müssen.“ Im Advent trifft man sich traditionell im Hof am Feuerkorb, trinkt Punsch und freut sich über den guten Draht zueinander.

 Die grüne Oase im Herzen der Stadt lockt auch viele Tiere an. Unzählige Eichhörnchen verstecken ihre Nüsse in Agatha Theisens Pflanztöpfen. Vögel nutzen die Vogeltränke, Möwen brüten auf dem Flachdach gegenüber, und Bienen umschwärmen ihre Lieblingsblüten. Für Aufsehen unter den Nachbarn sorgte vor vier Jahren ein Waldohreulen-Paar, das die Birke zum Brüten besetzte. „Das war ein riesiges Nest“, erinnert sich Agatha Theisen. Auch die nächtlichen Geräusche, die nach quietschenden Keilriemen klangen, hat sie nicht vergessen. Natur und Stadt sind hier kein Gegensatz, sondern gedeihen nebeneinander und miteinander. „Der beste Beweis ist doch, wenn alles von alleine wächst“, sagt Agatha Theisen. Ihren Traum vom eigenen Wintergarten hat sie mit Freuden gegen ein Zimmer im Grünen eingetauscht.

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