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Klein-Italien in Kiels schönster Gegend

Hinterhof-Serie Klein-Italien in Kiels schönster Gegend

Feierabendverkehr auf der Gutenbergstraße in Kiel. Ein Schritt durch die Toreinfahrt der Hausnummer 26 – und von all dem ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Im Hinterhof hat sich hier Francesco Roberto (53) mit „Solo Francesco Pizza“ ein kleines Refugium geschaffen.

Gutenbergstraße 26, Kiel 54.33218 10.12309
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Neugierige Passanten mitten im Garten

„Das hier ist die schönste Gegend Kiels“, sagt Francesco Roberto (links). Zusammen mit seiner Tochter Jole Roberto (rechts) und seiner Partnerin Carmen Penning sitzt er im Hinterhof.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Ich genieße die Ruhe hier. Da kann ich am besten arbeiten“, sagt er während er in der Küche steht und Pizza backt. Blitzschnell wendet er den Teig im Mehl, formt einen Fladen und verstreicht Tomatensauce darauf. „Wichtig beim Pizzabacken ist der Ofen“, erzählt Roberto und verteilt Käse, Salamischeiben und Basilikum. Dann schiebt er die Pizza in den Ofen. „Ich backe hier im Steinofen. 400 Grad muss der mindestens heiß werden“, erklärt er weiter.

 In dem kleinen Hinterhof-Häuschen mit den hellblauen Fensterrahmen, in das der gebürtige Italiener seine Küche gebaut hat, haben schon Studenten gewohnt, ein Bestatter hatte hier vor einigen Jahren sein Büro und lange Zeit war im Hof eine Tischlerwerkstatt. „Bevor ich hier eingezogen bin, war alles grau“, erzählt Roberto und zeigt mit einer ausschweifenden Handbewegung in den Raum. Vier Monate lang hat er das Gebäude umgebaut, gestrichen und dekoriert. Besonderen Wert hat er dabei auf die Küche gelegt. Hier steht nicht nur der Steinofen, sondern auch eine große Espressomaschine und verschiedene Teigmaschinen, mehrere Kühlschränke und Regale mit Zutaten – alles original italienisch, wie Roberto betont. Außerdem hat der 53-Jährige neue Fliesen legen lassen, die Wände gestrichen und eine Wand durchbrochen, um eine Durchreiche zwischen Gastraum und Küche zu schaffen.

Ein Stück Italien in Kiel

 „Ich habe alles alleine gemacht“, erzählt Roberto. Er erzählt viel und gerne. Wenn er spricht, gestikuliert er wild mit den Armen, genauso wie sich jeder Norddeutsche einen Italiener vorstellt. Im kleinen Gastraum seiner Pizzeria hängen Filmplakate von Sophia Loren neben Landschaftsgemälden und alten Pistolen. In der Ecke steht ein großes Holzfass mit Topfpflanzen, darüber hängen Pinocchio-Figuren aus Holz. Alles wirkt irgendwie zusammengewürfelt, macht den Raum aber gemütlich. Die italienische Heimat des Besitzers ist überall zu spüren. „Ich bin hier in Kiel zuständig für Süditalien“, sagt er lachend.

 Vor 30 Jahren ist Roberto aus Salerno nach Kiel gekommen. „Ich habe mich sofort in die Stadt verliebt“, erzählt er. Von Anfang an hat er in der Gastronomie gearbeitet, erst als Koch in verschiedenen Restaurants, dann mit einer eigenen Pizzeria in Gaarden. „Ich liebe Kochen und Backen.“ Schon als Kind hat er seiner Großmutter über die Schultern geschaut. Auf seinen Touren mit dem Fahrrad durch Kiel ist er irgendwann am Hinterhof an der Gutenbergstraße vorbeigekommen. Und hat sofort gewusst, dass das der richtige Platz für ihn und seine Pizzeria ist. „Das hier ist die schönste Gegend Kiels“, sagt er überzeugt. Die Idee war, dass er Pizza backt, die die Leute mit nach Hause oder auch in den nahegelegenen Schrevenpark nehmen können. Ein großer Gastraum gehörte nicht zu seinen Plänen. „Man kommt vorbei, bestellt die Pizza und kann sie drei Minuten später mitnehmen“, sagt Roberto. Länger brauche eine gute Pizza nicht.

 Inzwischen überlegt der Gastronom aber, ob er seinen Gastraum noch erweitert und die Gäste zum Bleiben im stimmungsvollen Ambiente einlädt. Im Innenhof hat Roberto bereits weitere Sitzplätze eingerichtet. Er hat Bänke vor die Fenster gebaut, Stehtische aufgestellt, in der Mitte des Innenhofes steht ein großer Tisch mit Stühlen. Neben der Tür weht eine Italien-Flagge, darunter wachsen unzählige Basilikumpflanzen und ein kleiner Olivenbaum.

 „Solo Francesco“ ist auf einem großen Schild zu lesen. „Hier arbeite nur ich. Deswegen habe ich die Pizzeria so genannt“, sagt er und öffnet den Ofen. Mit einem Holzschieber holt er die Pizza heraus und präsentiert sie stolz: „So muss eine Pizza aussehen. Bei jedem Biss kannst Du träumen, und der Traum wird in Erfüllung gehen.“

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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