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Neugierige Passanten mitten im Garten

Hinterhof-Serie Neugierige Passanten mitten im Garten

Hinterhof. Das klingt wenig einladend. Doch die Flächen hinter den Häusern haben oft viel Potenzial und werden zunehmend als Lebensraum entdeckt. Wie vielfältig Kieler ihre Höfe gestalten und nutzen – das zeigt die Serie „Hinterhof-Geschichten“. Architekt Heiko Nielson hat (s)ein Haus im Hinterhof gebaut.

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Der Kieler Heiko Nielson auf einer Bank am Eingang zu seinem Garten. Der lockt auch Passanten immer wieder an.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Erst vorbeilaufen, dann stehen bleiben, zurückgehen, gucken: So geht es vielen, die am Hinterhof in der Mittelstraße vorbeikommen. Denn nur ein paar Schritte entfernt vom Dreiecksplatz bricht die braune Klinkerfassade auf – und gibt den Blick frei auf bunte Hortensien und Rasen. Hier, inmitten von Häuserwänden, hat der Architekt Heiko Nielson für seine Familie gebaut.

„Das Haus hier hochziehen zu können, war ein Kampf“, sagt Heiko Nielson. Drei Jahre musste Nielson mit den Ämtern verhandeln; über den Bau des Hauses, die Höhe, die Gestaltung. „Auch der finanzielle Aufwand ist bei einer Innenhofbebauung natürlich höher als bei einem normalen Grundstück.“ Dabei war es nicht immer sein Traum, in einem Hinterhof zu wohnen. Auf das Objekt in der Mittelstraße war er durch die ehemalige Eigentümerin gestoßen, mit der er geschäftlich zu tun hatte.

Nielson war gleich angetan von der zentralen Lage des Objektes. Alles andere wirkte damals noch wie ein „richtiger Hinterhof“. Statt der heutigen Stadthaushälften stand auf dem 700-Quadratmeter-Grundstück ein unbewohntes Haus mit verwildertem Garten: ausgediente Volieren, ein gebrechlicher Schuppen, Müll und Ratten. „Wir haben das erst mal aufgeräumt.“ Zusammen mit seiner Frau kaufte er das Grundstück und bebaute es. Das war vor acht Jahren. Heute steht ein kantiger Klinkerbau im Hinterhof, in dem neben den Nielsons noch eine weitere Familie wohnt. „Der dunkle Stein soll ein Gegengewicht sein zu den umliegenden Bauten, alles andere hätte zu leicht gewirkt“, spricht der Architekt aus Heiko Nielson. Und das Gebäude ist nicht nur äußerlich modern. Als KfW-60-Energiesparhaus verbraucht es nicht mehr als 60 Kilowattstunden Energie pro Quadratmeter und Jahr. Der deutsche Durchschnitt liegt bei 160 Kilowattstunden.

Kinder können mitten in der Stadt draußen spielen

Was aber ist für Heiko Nielson das Schönste an seinem Hinterhof? „Die Ruhe und die Sonne“, sagt er sofort. Weil die umliegenden Häuser tiefer liegen, kommt trotz der Innenhoflage viel Licht in Garten und Haus. „Es ist fast ruhiger als auf dem Dorf, die Kinder können draußen spielen.“ Und tatsächlich: Wenn man aus dem Haus heraus in den Garten tritt, verliert sich der Trubel der Stadt. Ein altes Segelboot ist in den Boden eingelassen, das hat Nielson einem Nachbarn abgekauft. Hier spielen die beiden Kinder. In Beeten um den Rasen herum wachsen Kräuter, Zucchini und Johannisbeeren. Einen kleinen Birnenbaum hat der Garten noch zu bieten, sogar ein üppiger Feigenstrauch schmiegt sich an die Hauswand. Jetzt im August sind die ersten Früchte reif. Auch was tierischen Besuch angeht, muss sich der Stadtgarten nicht vor dem Land verstecken. Ein orangefarbenes Vogelhäuschen ist mit eigener Hausnummer versehen, in einem Hummelkasten haben sich schon zum zweiten Mal Tiere eingenistet. Während Heiko Nielson anfangs noch Regenwürmer für den Rasen kaufte, bohren die sich mittlerweile freiwillig durch.

Natürlich liegen Garten und Haus inmitten anderer Gebäude. „Fühlt ihr euch nicht wie auf dem Präsentierteller?“ wird die Familie deshalb häufig gefragt. „Was wollen die anderen denn schon sehen?“, fragt Heiko Nielson dann in der Regel zurück. Mit den Nachbarn habe es bisher noch nie Probleme gegeben. Das Einzige, was ihn stört, sind neugierige Passanten, die plötzlich im Garten stehen: „Nur mal in den Hof reingucken ist ja kein Problem. Aber man sollte schon respektieren, dass hier eine Familie wohnt.“ Eines Sonntagmorgens wachten er und seine Frau auf durch Geräusche von der Terrasse. Zwei junge Männer, wohl Überbleibsel der vergangenen Partynacht aus der Bergstraße, hatten es sich in den Gartenmöbeln gemütlich gemacht. Die Geschichte ist dann glimpflich ausgegangen. Trotzdem hat Heiko Nielson nun „privat“ auf die Pflastersteine vor dem Garten gesprüht.

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Foto: „Das hier ist die schönste Gegend Kiels“, sagt Francesco Roberto (links). Zusammen mit seiner Tochter Jole Roberto (rechts) und  seiner Partnerin Carmen Penning sitzt er im Hinterhof.

Feierabendverkehr auf der Gutenbergstraße in Kiel. Ein Schritt durch die Toreinfahrt der Hausnummer 26 – und von all dem ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Im Hinterhof hat sich hier Francesco Roberto (53) mit „Solo Francesco Pizza“ ein kleines Refugium geschaffen.

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