Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kieler-Hinterhof-Geschichten Das nur wenig bekannte Kleinod
Kieler-Hinterhof-Geschichten Das nur wenig bekannte Kleinod
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:00 04.09.2016
Von Martina Drexler
Das Marineviertel bietet Lebensqualität: Andrea Scheffler liebt das Leben im Innenhof, in dem sie selbst aufgewachsen ist. Heute lebt sie mit ihrer Familie im Haus direkt neben ihren Eltern. Quelle: Volker Rebehn

Sie leben bereits seit April 1966 in ihrer Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung auf 60 Quadratmeter in einem der später gebauten Blöcke, die nach dem Zeitgeist gegen 1930 eher streng und schmucklos gebaut wurden – ohne Putten samt Füllhörnern, Sternen, Hänsel- und Gretelfiguren auf der Vorderfront wie bei den anderen früher entstandenen Gebäuden: „Hier ist es schlicht und einfach“, sagt der 82-Jährige und wirkt sehr zufrieden damit.

Ein Blick aus dem Wohnzimmer zeigt weit und breit grünen Rasen mit Bäumen, dazwischen Wäschestangen, der Blick aus der Küche bleibt an einem ausufernden Kastanienbaum hängen. Dass das Paar damals in die erste Etage mit Ofenheizung für eine Miete von 99 Mark einziehen konnte, hatte es Tanks Beruf als Maschinenschlosser bei der früheren Bundesanstalt für Milchforschung zu verdanken. Damals vermietete der Bund nur an seine Bediensteten, heute vermietet die Firma Vonovia im Marineviertel rund 670 Wohnungen.

Es ist und bleibt für die Tanks, die ihr gesamtes gemeinsames Leben in der Wohnung verbracht haben, eine schöne Wohngegend in der Nähe der Holtenauer Straße mit allem, was man für den Alltag braucht: Ärzte und Geschäfte um die Ecke, gute Busverbindungen, in kurzer Zeit ist man am Wasser oder im Botanischen Garten. Die Tanks denken deshalb nicht daran, auszuziehen, auch wenn Walter Tank sich nur noch mühsam bewegen kann und die Töchter, die benachbarte Schulen besuchten, längst nicht mehr im Block leben. Heute seien im Innenhof kaum Kinder zu sehen, sagt Ursula Tank, weil nach dem Abzug der Marine viele Studenten einzogen sind. „Und auch die Soldaten wurden ja alle zwei Jahre versetzt“, erklärt sich ihr Mann das Kommen und Gehen. Der Innenhof, in dem früher ihre beiden Kinder Federball spielten, wird heute häufig zum Grill- oder Fußballplatz. Sie selbst setzen sich gern raus, um in der Nähe von Rosensträuchern die Sonne zu genießen. „Über unsere Nachbarn können wir uns nicht beklagen“, meint Ursula Tank.

Nur wenig weiter zwischen Niebuhr- und Schillstraße führt ein großer mit Keramikelementen und Klinkerdekor verzierter Torbogen in eine Idylle mit knorrigen Bäumen, blühenden Hecken, einer im Wind schwingenden Hängematte und Spielgeräten. Fröhlich hängt Andrea Scheffler (41) Wäsche an der Stange auf, während Tochter Sophie (12) und Sohn Paul (7) von der Loggia im ersten Stock zusehen. Nur ein Haus weiter ist Andrea Scheffler aufgewachsen – in Nummer 30, wo heute noch ihre Eltern leben. „Ich ziehe hier nicht mehr aus“, betont sie. Einmal hatte sie das Marinequartier der Liebe wegen schon verlassen. Für ein Jahr zog mit ihrem Mann nach Wellsee: „Aber da gab es keinen Innenhof“ sagt sie, während sie auf das Grün und Blumenbeete um sich herumzeigt. „Hier habe ich alles in der Nähe. Hier spielen die Kinder, und wir sitzen mit den Nachbarn zusammen.“ Die Eltern richteten gemeinsam eine Spielecke mit einer Sandkiste ein. Man trifft sich im Innenhof zum Grillen oder einfach nur, um zu schnacken. Kurzum, das Marineviertel ist längst nicht mehr nur das Festland für die Flotte.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Hinterhof. Das klingt wenig einladend. Doch die Flächen hinter den Häusern haben oft viel Potenzial und werden zunehmend als Lebensraum entdeckt. Wie vielfältig Kieler ihre Höfe gestalten und nutzen – das zeigt die Serie „Hinterhof-Geschichten“. Architekt Heiko Nielson hat (s)ein Haus im Hinterhof gebaut.

Kathrin Müller-Lancé 19.08.2016

Feierabendverkehr auf der Gutenbergstraße in Kiel. Ein Schritt durch die Toreinfahrt der Hausnummer 26 – und von all dem ist plötzlich nichts mehr zu spüren. Im Hinterhof hat sich hier Francesco Roberto (53) mit „Solo Francesco Pizza“ ein kleines Refugium geschaffen.

Anne Steinmetz 14.08.2016

Einladend sieht die Hofeinfahrt in der Waitzstraße 93 nicht gerade aus. Die Durchfahrt ist voller Graffiti, aber nicht die von der schönen Sorte, sondern eher die krakelige Variante. Dieser Hinterhof birgt kein Idyll im klassischen Sinne. Er ermöglicht vielmehr einen Abstecher in die abenteuerliche Welt einer etwas anderen Autowerkstatt, einer mit Hippiewurzeln und alternativen Idealen. Es ist Joe’s Garage.

Petra Krause 07.08.2016
Anzeige