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Kieler Originale Der Promi, den keiner kennt
Kieler Originale Der Promi, den keiner kennt
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19:40 07.03.2016
Von Oliver Stenzel
André Liebmann hat bereits mit 13 Jahren Bilder und Buchstaben in Kieler Kinos ausgewechselt. Schon sein Vater war ein Kino-Mann, der als Filmvorführer und Theaterleiter arbeitete. Quelle: Frank Peter

„Lassen Sie uns in mein Büro gehen, da ist nicht so viel Lärm“, sagt André Liebmann und geleitet den Besucher vom Foyer des Metro-Kinos im Schloßhof in der Holtenauer Straße in Kiel. Das Büro hat eine Hintertür, die direkt in den Backstage-Bereich des großen Saals führt. Darin läuft gerade die Nachmittagsvorstellung. In Sachen Lautstärke entspricht Liebmanns Schreibtisch einem Platz in Reihe eins. Nicht so viel Lärm: Der Gag ist gut und könnte von einem der Comedians stammen, deren Autogrammkarten hier massenweise hängen.

 Nur ist es kein Gag. Nach fast vierzig Jahren Dienst am Kino blendet André Liebmann die Tonspur eines Films komplett aus, wenn er nicht gerade selbst Zuschauer ist. In den Zeiten, in denen ein Vorführer noch die Filmrollen wechseln musste, habe der Job nonstop volle Konzentration gefordert, erinnert sich der 53-Jährige, der bereits mit 13 Jahren Bilder und Buchstaben in den Kieler Kinos auswechselte. Schon sein Vater war ein Kino-Mann, der in Kiel als Filmvorführer und Theaterleiter arbeitete. Mit 18 Jahren folgte ihm sein Sohn offiziell und verbindet heute mit nahezu jedem Kieler Lichtspielhaus ein Stück seiner Berufsbiografie. Im legendären Programmkino Regina war er in den Achtzigern neun Jahre lang der Vorführer, als die Gäste noch verkleidet zur Rocky Horror Picture Show kamen. Im Max zog er die Leinwand auf der Konzertbühne hoch und ließ die Besucher auf der Tanzfläche Platz nehmen. Die Brücke leitete er als „One-Dollar-House“, nachdem das Cinemaxx die Kieler Ufa-Kinos verdrängt hatte. Und das Studio betrieb er Anfang der Nullerjahre gemeinsam mit dem Flensburger Palast-Kino, mit dem er in die Insolvenz ging. Auch das sei eine wichtige Erfahrung gewesen. „Die Leute wissen ja nicht, was das Wort Zahlungsunfähigkeit wirklich bedeutet“, erinnert sich Liebmann. Seine nicht zuletzt von der Band Coverline bekannte Charakterstimme klingt dabei unerschüttert, aber ernst.

 2008 fing er im Metro an, zunächst als technischer Leiter. Mittlerweile zeichnet er ebenso für die Veranstaltungen des erfolgreich reloadeten Kinos verantwortlich, das sich unter ihm zur Institution in Sachen Kabarett und Comedy entwickelt hat. Größen wie Carolin Kebekus oder Sascha Grammel stiegen hier auf. Jürgen von der Lippe geht mit Liebmann essen, wenn er in der Stadt ist.

 Harald Martenstein schickte ihm selbstverständlich die Geburtsanzeige, als er vor Kurzem noch einmal Vater wurde. „Ich versuche einfach dafür zu sorgen, dass sich die Leute wohlfühlen, wenn sie bei uns sind“, antwortet der Booker auf die Frage, warum er bei den Künstlern so beliebt ist. Dazu zählt auch, dass er ihre Auftritte persönlich anmoderiert: „Ich mache das aus Respekt. Es geht doch nicht an, dass man einen tollen Gast einfach so auf die Bühne trotteln lässt!“ Mittlerweile warten auch die Zuschauer auf seine Ansagen. „Nicht jeder weiß dabei genau, wer da vorne steht. Ich bin so ein bisschen der Promi, den keiner kennt“, lacht der Gastgeber und begleitet den Besucher zurück ins Metro-Foyer. Da hängen neben alten Filmtafeln ein paar historische Fotos des großen Saals: „In den Fünfziger- und Sechzigerjahren muss Kino etwas Unglaubliches gewesen sein. Leider war ich da noch nicht dabei“, bekennt André Liebmann, selbst Jahrgang 1962. Dafür hat er in sämtlichen darauffolgenden Jahrzehnten die Kieler Kinogeschichte persönlich mitgeprägt. „Und das ist übrigens mein jüngster Sohn“, sagt er und weist auf den Mitarbeiter hinter der Popcorn-Maschine, aus der es wie immer verlockend duftet. Ob er diesen Geruch eigentlich selbst noch mag? „Sorry, aber den riech’ ich seit Ewigkeiten nicht mehr.“

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