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Backgammon Bar: Kirsten Metzger steht ihren Mann

Serie Kieler Originale Backgammon Bar: Kirsten Metzger steht ihren Mann

Das „Backgammon“ ist für viele Hasseer eine echte Institution. 2015 ist die Kultkneipe von der Hamburger Chaussee in die Danewerkstraße umgezogen. Eines hat sich dabei nicht geändert: Noch immer steht Kirsten Metzger hinterm Tresen. In der Serie „Kieler Originale“ stellen wir die Wirtin aus Leidenschaft vor.

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Barbetreiberin aus Leidenschaft: Kirsten Metzger (48) in ihrer „Backgammon Bar“ in Hassee.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. „Sie ist die Seele von Hassee-Winterbek“, sagt Andreas Schulz. Der 57-Jährige ist Stammgast in der „Backgammon Bar“. „Sie begrüßt jeden Gast mit Handschlag“, hebt er heraus. „Das habe ich in noch keiner Kneipe erlebt.“ Kirsten Metzger punkte nicht nur mit ihrer Erfahrung, sondern auch mit ihrer Ausstrahlung: „Sie ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die von allen Seiten Respekt erntet“, sagt er. Zum Beispiel dafür, wie sie den Laden managt. Auch in der Silvesternacht stand sie ganz allein am Zapfhahn und versorgte ihre Gäste.

 Tagtäglich steht die 48-jährige Kieler Kneipenwirtin, die auch Mutter ist, ab 15 Uhr hinterm Tresen. Und das auch schon mal bis drei, vier oder fünf Uhr in der Früh. Nur Sonntag ist Ruhetag. „Das hier ist mein Leben“, sagt sie selbst. „Ich mag es, dass ich hier Menschen zusammenbringe.“ In der kleinen Eckkneipe kämen ganz unterschiedliche Schichten miteinander ins Gespräch.

Skat und Dart lösen Backgammon ab

 Nur ganz selten geschieht das noch bei einer Partie Backgammon. Längst haben Skat, Knobeln und Dart dem namensgebenden Brettspiel-Klassiker im Kneipenalltag den Rang abgelaufen. Für Kirsten Metzger ist der Name in den vergangenen 25 Jahren jedoch zu einer echten Marke geworden: Am 1. April 1989 eröffnete sie ihr „Bistro Backgammon“ in der Hamburger Chaussee 39. Als das Gebäude im vergangenen Jahr entkernt wurde, zog die Wirtin „in die zweite Reihe“ um und eröffnete die „Backgammon Bar“ in der Seitenstraße. War sie all die Jahre zuvor Mieterin, gehört ihr das Lokal in der Danewerkstraße nun.

 Die Räume hat sie bewusst hell und freundlich gestaltet. Das unterscheidet die Bar von ihrem bisherigen Bistro – und auch von der vorherigen Gestaltung der Eckkneipe, die unter ihrem Vorgänger noch „Zum Danewerk“ hieß. Zunächst war das bisherige „Danewerk“-Publikum skeptisch. Einige trauerten dem alten Namen nach. Inzwischen sind sie jedoch überzeugte „Backgammon“-Gänger – genau wie ihre langjährigen Stammgäste, die ihr im wesentlichen ins neue Domizil gefolgt sind.

Büroarbeit ist für Kirsten Metzger unvorstellbar

 Dass das einmal so sein würde, ahnte sie bei der Eröffnung ihres ersten Lokals freilich nicht. „Mein damaliger Freund musste mich dazu überreden“, gesteht sie. Wie es ist, hinterm Tresen zu stehen, hatte sie zuvor in der Disco „Michelle’s“ am Alten Markt gelernt. Dort jobbte sie, während sie eine kaufmännische Ausbildung machte. Doch eine Tätigkeit im Büro kann sie sich heute gar nicht mehr vorstellen. Ausgleich zur Arbeit in der Kneipe findet Kirsten Metzger im Fitnessstudio, wo sie am Stepper trainiert. Viel mehr Privates möchte sie dann aber nicht erzählen. Ganz anders verhält es sich oft bei den Gästen. Viele kommen, um ihr Herz bei Kirsten Metzger auszuschütten. Jeden Tag hört sich die Wirtin die Sorgen und Nöte ihrer Gäste an – und ist und bleibt verschwiegen.

 Das kommt bei ihrer Kundschaft gut an. Doch Kirsten Metzger ist nicht nur sich treu geblieben, sondern auch dem Viertel. Zwischenzeitlich ließ sie sich in Hittfeld bei Hamburg zum Croupier ausbilden. Doch von der Fahrerei war sie bald ziemlich geschafft – und konzentrierte sich wieder aufs Kerngeschäft: ihre Kneipe. „Kiel ist meine Stadt“, sagt sie. Dauerhaft woanders leben, das kommt für sie nicht infrage.

 Die Gäste freut es: „Weit und breit ist das die einzige Raucherkneipe“, sagt Andreas Schulz. Selbst eingefleischte Nichtraucher kämen regelmäßig. Das könne man nur durch die einmalige Atmosphäre und die Präsenz der Wirtin zu erklären, ist er sich sicher. Ganz ähnlich sieht es auch Thomas Magill (54), der seit gut 15 Jahren Stammgast im „Backgammon“ ist. „Das ist mein zweites Wohnzimmer“, bilanziert er. Und mit Bewunderung fügt er noch an: „Sie steht hier ihren Mann.“

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