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Markus Dentler muss ständig wirbeln

Serie: Kieler Originale Markus Dentler muss ständig wirbeln

Eigentlich wollte er seinen Gast gerade verabschieden. Doch im hellen Sonnenschein vor dem Theater entdeckt Markus Dentler plötzlich noch eine Sehenswürdigkeit.

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Kam 1984 kam mit dem festen Vorsatz nach Kiel, das erste Privattheater der Stadt zu gründen: Markus Dentler

Quelle: Marco Ehrhardt

Kiel. „Schauen Sie sich diesen Scheinwerfer an! Ist der nicht großartig?“, begeistert sich der Direktor der Komödianten und zeigt auf einen wuchtigen Strahler, der von viel Grün umrankt wird. Es handelt sich um ein Relikt aus den besten Zeiten der Ostseehalle, das der 62-Jährige vor vielen Jahren vor der Entsorgung bewahrt hat. Er stammt unübersehbar aus einer vergangenen Ära, wirkt aber unverwüstlich und ist es auch. „Nur drinnen können wir ihn nicht gebrauchen. Er strahlt einfach zu hell!“, erklärt der Schauspieler den ungewöhnlichen Standort.

 Für einen Moment denkt man bei dieser Bemerkung nicht an die Lichtverhältnisse auf der kleine Bühne von Kiels ältestem Privattheater. Vielmehr kommt man auf den Gedanken, dass es eben keinen großen Strahler mehr braucht, wenn Dentler selbst darauf steht, weil er ohnehin von einer starken Aura umgeben ist. Gerade hat der Komödianten-Chef die Freiluftsaison des Theaters beendet, in der er mit seiner Truppe wie immer seit 1993 im Innenhof des Kieler Rathauses den Kleinen Prinzen aufgeführt hat. „Wir arbeiten mit Profis, die müssen auch im Sommer was zu essen kriegen“, antwortet er auf die Frage, ob er nicht auch einmal Lust hätte, im Juli und August Pause zu machen, wie es seinen Stadttheater-Kollegen vorbehalten ist. „Und außerdem sind wir eben ein kleines Theater. Unser Werbeetat ist gering. Du musst ständig wirbeln, um nicht in Vergessenheit zu geraten!“

 Nicht nur wenn man Markus Dentler in Theater-Angelegenheiten trifft, auch wenn man ihm beim Einkaufen oder im Café begegnet, bleibt dieser Habitus spürbar. Kiels oberster Komödiant trägt auch im Privatleben Hut und Kostüm-Garderobe, spricht mit viel Ausdruck und macht so stets ein wenig Werbung für das eigene Lebenswerk. 1984 kam er mit dem festen Vorsatz nach Kiel, das erste Privattheater der Stadt zu gründen. Da hatte er zuvor in Ulm bereits in paar Jahre das elterliche „Theater in der Westentasche“ geführt und bei seinem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart sogar zwei Semester übersprungen. „Es war schon eine Art kultureller Entwicklungshilfe, die ich dem Norden in den Anfangszeiten geleistet habe“, erinnert sich Dentler. Man könnte jetzt darüber reden, dass die Situation für die hiesigen Privattheater noch immer nicht leicht ist, das Land in dieser Sparte traditionell knausert und über 200 Vorstellungen im Jahr für ein kleines Haus einen unglaublichen Kraftakt bedeuten.

 Ebenso gerne berichtet der Komödianten-Direktor allerdings von den Gastspielen seines Theaters in Russland, Amerika und Argentinien oder dem Stolz auf seine beiden Söhne Ivan und Isaak, die ebenfalls Schauspieler geworden sind. „Ab Mitte September steht bei uns wieder Johannes Nabers Zeit der Kannibalen auf dem Plan, eine nagelneue Kapitalismus-Satire, die Ivan unbedingt auf dem Programm sehen wollte. Fast gleichzeitig mit der Premiere kam dann die Sache mit den Panama Papers raus. Aktueller hätten wir also nicht sein können.“

 Derzeit steht aber noch Henning Mankells Bagger auf dem Programm, den Dentler immer mal wieder als One-Man-Show gibt. Für den Monolog eines alternden Baggerbesitzers, der das Leben ganz aus männlicher Sicht schildert, hat er sich die Haare geschwärzt, auch der sprießende Schnurrbart wird noch etwas Farbe brauchen. Keine große Sache: Vom Vorstellungssaal zum Schminktisch sind es bei den Komödianten nur ein paar Schritte, ebenso wie zur Werkstatt, zur Requisite oder zur Garage. Auf der Bühne wartet bereits der Tresen, an dem Markus Dentler als Mankells Protagonist seit zwölf Jahren ins Philosophieren gerät. Plötzlich kommt ihm noch ein Nachgedanke zu dem Teil des Gesprächs in den Sinn, der sich um die fernere Zukunft seines Hauses drehte: „Sie müssen wissen, dass Theater niemals endet“, raunt er weihevoll und schaut dazu spitzbübisch aus den Augen. Und Komödiant, ergänzt man still, bleibt man auf jeden Fall sein Leben lang.

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