Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Kieler Originale Markus Dentler muss ständig wirbeln
Kieler Originale Markus Dentler muss ständig wirbeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:26 03.10.2016
Von Oliver Stenzel
Kam 1984 kam mit dem festen Vorsatz nach Kiel, das erste Privattheater der Stadt zu gründen: Markus Dentler Quelle: Marco Ehrhardt

„Schauen Sie sich diesen Scheinwerfer an! Ist der nicht großartig?“, begeistert sich der Direktor der Komödianten und zeigt auf einen wuchtigen Strahler, der von viel Grün umrankt wird. Es handelt sich um ein Relikt aus den besten Zeiten der Ostseehalle, das der 62-Jährige vor vielen Jahren vor der Entsorgung bewahrt hat. Er stammt unübersehbar aus einer vergangenen Ära, wirkt aber unverwüstlich und ist es auch. „Nur drinnen können wir ihn nicht gebrauchen. Er strahlt einfach zu hell!“, erklärt der Schauspieler den ungewöhnlichen Standort.

 Für einen Moment denkt man bei dieser Bemerkung nicht an die Lichtverhältnisse auf der kleine Bühne von Kiels ältestem Privattheater. Vielmehr kommt man auf den Gedanken, dass es eben keinen großen Strahler mehr braucht, wenn Dentler selbst darauf steht, weil er ohnehin von einer starken Aura umgeben ist. Gerade hat der Komödianten-Chef die Freiluftsaison des Theaters beendet, in der er mit seiner Truppe wie immer seit 1993 im Innenhof des Kieler Rathauses den Kleinen Prinzen aufgeführt hat. „Wir arbeiten mit Profis, die müssen auch im Sommer was zu essen kriegen“, antwortet er auf die Frage, ob er nicht auch einmal Lust hätte, im Juli und August Pause zu machen, wie es seinen Stadttheater-Kollegen vorbehalten ist. „Und außerdem sind wir eben ein kleines Theater. Unser Werbeetat ist gering. Du musst ständig wirbeln, um nicht in Vergessenheit zu geraten!“

 Nicht nur wenn man Markus Dentler in Theater-Angelegenheiten trifft, auch wenn man ihm beim Einkaufen oder im Café begegnet, bleibt dieser Habitus spürbar. Kiels oberster Komödiant trägt auch im Privatleben Hut und Kostüm-Garderobe, spricht mit viel Ausdruck und macht so stets ein wenig Werbung für das eigene Lebenswerk. 1984 kam er mit dem festen Vorsatz nach Kiel, das erste Privattheater der Stadt zu gründen. Da hatte er zuvor in Ulm bereits in paar Jahre das elterliche „Theater in der Westentasche“ geführt und bei seinem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart sogar zwei Semester übersprungen. „Es war schon eine Art kultureller Entwicklungshilfe, die ich dem Norden in den Anfangszeiten geleistet habe“, erinnert sich Dentler. Man könnte jetzt darüber reden, dass die Situation für die hiesigen Privattheater noch immer nicht leicht ist, das Land in dieser Sparte traditionell knausert und über 200 Vorstellungen im Jahr für ein kleines Haus einen unglaublichen Kraftakt bedeuten.

 Ebenso gerne berichtet der Komödianten-Direktor allerdings von den Gastspielen seines Theaters in Russland, Amerika und Argentinien oder dem Stolz auf seine beiden Söhne Ivan und Isaak, die ebenfalls Schauspieler geworden sind. „Ab Mitte September steht bei uns wieder Johannes Nabers Zeit der Kannibalen auf dem Plan, eine nagelneue Kapitalismus-Satire, die Ivan unbedingt auf dem Programm sehen wollte. Fast gleichzeitig mit der Premiere kam dann die Sache mit den Panama Papers raus. Aktueller hätten wir also nicht sein können.“

 Derzeit steht aber noch Henning Mankells Bagger auf dem Programm, den Dentler immer mal wieder als One-Man-Show gibt. Für den Monolog eines alternden Baggerbesitzers, der das Leben ganz aus männlicher Sicht schildert, hat er sich die Haare geschwärzt, auch der sprießende Schnurrbart wird noch etwas Farbe brauchen. Keine große Sache: Vom Vorstellungssaal zum Schminktisch sind es bei den Komödianten nur ein paar Schritte, ebenso wie zur Werkstatt, zur Requisite oder zur Garage. Auf der Bühne wartet bereits der Tresen, an dem Markus Dentler als Mankells Protagonist seit zwölf Jahren ins Philosophieren gerät. Plötzlich kommt ihm noch ein Nachgedanke zu dem Teil des Gesprächs in den Sinn, der sich um die fernere Zukunft seines Hauses drehte: „Sie müssen wissen, dass Theater niemals endet“, raunt er weihevoll und schaut dazu spitzbübisch aus den Augen. Und Komödiant, ergänzt man still, bleibt man auf jeden Fall sein Leben lang.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Kieler Originale Serie: Kieler Originale - Ein Begleiter namens Wandel

Als Sohn zweier Lehrer wohlbehütet im idyllischen Lüneburg mit einer jüngeren Schwester aufgewachsen und ohne Probleme bis zum Abitur durch die Schule gekommen, sieht sich Nils Aulike, seit neun Jahren kultureller Leiter der Hansa48, selbst als „ahnungsloser Spätzünder“.

Petra Krause 19.09.2016

Kiel ohne Gary Mangels? Das ist für viele nicht vorstellbar. Der Kult-DJ und Entertainer gehört seit 40 Jahren zu Kiel wie Musik zu einer Party: Ohne geht es nicht.

Anna-Lena Herbert 05.09.2016

Wer Dagomar Heinz besucht, muss Zeit mitbringen. Der 72-Jährige hat viel zu erzählen. Von seiner Zeit an der Max-Planck-Schule, dem Schach-Verein, dem Politikum, dem Theaterspielen oder seinen Bienen. „Meist bin ich da einfach reingerutscht“, sagt der Mann mit den grau-melierten Locken über seine vielen Aktivitäten, während er eine weitere Kanne Tee aufgießt. Wenn es um sein vielfältiges Engagement geht, ist der pensionierte Gymnasiallehrer bescheiden. Zu bescheiden, sagen ehemalige Schüler.

Anne Steinmetz 29.08.2016
Anzeige