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Er liefert den Fahrgästen präzise Informationen

Serie: Kieler Originale Er liefert den Fahrgästen präzise Informationen

Wenn der Motor des Fördeschiffes „Heikendorf“ an der Bahnhofsbrücke startet, ist es für Hannes Löffelmann das Startsignal für eine Hafenrundfahrt. „Kiel erkundet man am besten von der Wasserseite aus“, sagt der Kapitän. Mit ruhiger Hand steuert er das 33 Meter lange Schiff an den Ufern entlang.

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Hannes Löffelmann ist der Meister der Hafenrundfahrt in Kiel bei der SFK.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Neben dem Ruder und dem Fahrhebel ist das Mikrofon sein wichtigstes Arbeitsgerät. „Ich erzähle den Leuten gern etwas über die Kieler Förde und die Geschichte des Hafens“, sagt der 56-Jährige. In Hamburg sind Hafenrundfahrten seit Jahrzehnten fester Programmpunkt. Mehrere Reedereien bieten dort einstündige Touren zum Preis von 20 Euro an. „Bei uns dauert die Tour länger. Wir fahren je nach Wetter bis zu 90 Minuten“, sagt Löffelmann. Und acht Euro billiger als in Hamburg ist die Hafenrundfahrt in Kiel auch. Längst ist sind die Touren daher auch im Kieler Hafen Kult. „Wir haben viele ältere Gäste, die extra zu uns kommen.“ Immer mehr Kreuzfahrtpassagiere steigen am Seegarten zu. „Angestiegen ist auch die Zahl von Fahrgästen aus Dänemark. Die kommen zum Teil sogar mit dem Bus.“ Und die Passagiere bekommen Dinge zu sehen, die „man sonst nirgendwo“ sieht, wie Löffelmann betont, während er sein Schiff an den Docks von TKMS vorbei steuert.

 Der Weg auf die Kommandobrücke der „Heikendorf“ ging für Hannes Löffelmann, gebiren in Eberswalde, über Umwege. Zunächst arbeite er in der Hochseefischerei der DDR. Dann studierte er und wechselte in die Binnenfischerei. „Damals war ich mit 30 der jüngste Geschäftsführer eines Fischereibetriebes in der DDR. 1990 war aber Schluss. Die Fischerei war zu unrentabel“, sagt er. Im Westen fand Löffelmann Arbeit bei den Adler-Schiffen auf Sylt. Als 1999 die Butterfahrt-Ära auf der Ostsee endete, wurden die Zeiten für kleine Passagierschiffe und deren Besatzungen schlechter. 2005 tat sich eine neue Chance für Löffelmann auf: „Damals suchte die SFK Kapitäne“, erinnert er sich.

Leute wollen präzise Informationen

 Seit elf Jahre schippert er nun Passagiere über die Förde. Im Sommer meist bei den Hafenrundfahrten, auch „Fördetörn“ genannt. Dabei darf die „Heikendorf“ auch dorthin, wo es eigentlich tabu ist: in die Schleusenzufahrt. „Wir dürfen dicht an der Schleuse vorbei fahren“, sagt Löffelmann. Zwischendurch gibt es kurze und griffige Informationen über die Schiffe, Kaianlagen und Bauwerke. „Die Leute wollen nicht zugedröhnt werden. Sie wollen präzise Informationen“, sagt Löffelmann. Seine Informationen holt er sich aus der Zeitung. „Ich sammele alle Artikel über den Hafen und die Schifffahrt.“

 Bei der SFK hat der Kapitän auch seine Frau Monja kennengelernt. „Hier haben wir geheiratet“, sagt er, während die „Heikendorf“ am Leuchtturm vorbeizieht. Mehr Zeit als mit ihr verbingt er jedoch mit Decksmann Mike, scherzt er, und klopfft ihm auf die Schulter. „Wir haben immer viel Spaß.“ Vor jeder Fahrt begrüßen sie die Fahrgäste zusammen. „Wir sind seit zehn Jahren ein Team. Da wächst man zusammen.“

 Nach einer Stunde biegt das Fördeschiff wieder in die Innenförde. Vorbei am Landtag und dem Kreuzfahrtterminal geht es in die Hörn. „Das hier ist der schönste Arbeitsplatz der Welt“, schwärmt Löffelmann. Wenn die Hafenrundfahrt-Saison am 23. Oktober endet, kommt die „Heikendorf“ zur Überholung ins Depot.

 Winterpause ist Kapitän Löffelmann dann jedoch nicht angesagt. Er steigt wieder auf die normalen Fährrouten um.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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