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Sein Arbeitszimmer ist im Café

Serie: Kieler Originale Sein Arbeitszimmer ist im Café

Er fühlt sich dort zu Hause, wo der 54. Breitengrad ist. „Durch Zufall habe ich festgestellt, dass Kiel, das nordirische Rostrevor und die Hallig Hooge alle auf derselben geographischen Breite liegen“, sagt Barney B. Hallmann. Der Künstler initiiert seit vielen Jahren diverse Literatur-Veranstaltungen in Kiel.

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Er liebt Kurt Tucholsky, an den der rote Schal erinnert, Kiel und Irland: Der Literaturinterpret Barney B. Hallmann, der das Stattcafé zu seinem zweiten Zuhause erklärt hat.

Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer

Kiel.  Auf dem Hafendampfer über die Förde nach Möltenort zu schippern und dort mit einem Fischbrötchen und einer Flasche Bier in der Hand aufs Wasser zu gucken – das bedeutet für den 64-Jährigen Entspannung pur. Er ist aber nicht nur der Natur, sondern auch den Menschen, und vor allem der Literatur sehr verbunden, auch wenn sich seine Liebe zu Dichtern und Denkern erst langsam entwickelte.

 1974 hatte er seinen ersten öffentlichen Auftritt im Kieler-Klinik-Funk, einem Verein, der jeden Sonntagmorgen ein Wunschkonzert für die Patienten sendete. „Ich habe damals nach meiner Grundausbildung bei der Bundeswehr in der Verwaltung des Bundeswehr-Krankenhauses in Kronshagen gearbeitet und bin dadurch an den Klinik-Funk gekommen. Bei dem habe ich 18 Jahre lang mitgemacht“, sagt Barney B. Hallmann. Dort habe er Moderieren und freies Sprechen gelernt.

 Den geschwungenen Worten von Ringelnatz, Borchert und Co. steht sein Beruf mit trockenem Behördendeutsch gegenüber: 42 Jahre lang arbeitete der Literaturinterpret in verschiedenen Ämtern der Stadt Kiel als Stadtinspektor, allein 25 Jahre davon im Sozialamt. „1975 war ich eine Zeit lang im Presseamt, habe eine Kreuzfahrt in unsere finnische Partnerstadt Vaasa organisiert und war vor Ort Reiseleiter“, erinnert er sich.

 Die Reiselust des Künstlers ist seit jeher groß. Seit 1973 fährt er regelmäßig in das nordirische Rostrevor, einen 3600-Seelen-Ort mit zahlreichen Pubs und einer großen Künstler-Szene. „Seit 1994 bin ich jedes Jahr da, mir gefällt die Gegend und das friedliche Miteinander der Menschen dort.“ Sogar ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft hat er sich im Alter von 63 Jahren in Rostrevor zugelegt. Ganz nach Irland zu gehen, kommt für ihn aber derzeit nicht infrage.

 Ein besonderes Highlight sei für ihn das alljährliche „Fiddlers Green International Folk Festival“, auf dem er seit einigen Jahren „eine Stunde Deutsch“ gibt. Unter dem Titel „Kaffeeklatsch“ liest er für die zahlreichen deutschen Festivalgäste Geschichten. Das irische Storytelling – mit Rahmenhandlung und witzigen Anekdoten – gefällt ihm besonders.

 In seiner dritten Heimat, auf der Hallig Hooge, gilt er als Kulturbotschafter. Seit zehn Jahren bietet er dort Kulturwochenenden an – mit Lesungen, Wanderungen und Vorträgen über die Hallig.

 Seine Bekanntheit in Kiel erlangte er durch diverse literarische Cafés. Das erste hielt er 1983 in der Räucherei ab. Inspiriert dazu wurde er durch seine Besuche auf dem Hamburger Kulturdampfer „Das Schiff“. Seit sechs Jahren hält er die Lesungen im Stattcafé. „Das ist gleichzeitig mein Arbeitszimmer, weil ich in meiner Wohnung nicht kreativ arbeiten kann“, sagt Hallmann. Er könne zwar singen, da er aber kein Instrument beherrsche, überlasse er den musikalischen Part der Veranstaltung immer Musikern aus der Region.

 Auch der Kieler Woche hält er seit Jahren als Vorleser auf der Krusenkoppel die Treue. „Meine Haare und mein Bart wachsen bis zur nächsten Kieler Woche, weil ich einen Wassermann verkörpere“, sagt er. Modische Veränderungen kommen bei seinen Auftritten aber nicht infrage: „Ich trage immer einen roten Schal in Tucholsky-Tradition und einen schwarzen Hut, damit mein Gesicht besser zur Geltung kommt.“

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