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Köhrsen will zum Abschied das Gymnasium rocken

Kieler Original Köhrsen will zum Abschied das Gymnasium rocken

Bei Lehrern ist es wie in vielen Berufsgruppen: Einige sehnen den Ruhestand herbei, andere würden gern weiter arbeiten. Auch Lothar Köhrsen, Lehrer am Gymnasium Elmschenhagen, hat zwischen Klassen, Klausuren und Kulturprojekten mächtig viel Spaß an seinem Arbeitsplatz Schule.

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Auch die Rechtschreibreform wurde im Deutschunterricht am Gymnasium Elmschenhagen besprochen. Das Foto zeigt Lothar Koehrsen in seiner Klasse im Jahr 1996.

Quelle: Karin Jordt

Kiel. Doch nun ist er 65 Jahre und sechs Monate alt – und muss zum Ende des Schuljahrs gehen.

 Köhrsen ist Gitarrist und Vorsitzender des Vereins „junges theater spectaculum“. Unter seiner Regie entstanden nicht nur etliche Bands, auch Musicals wurden im Unterricht geschrieben und aufgeführt – immer mit eigener Musik und deutschen Texten. Bei einem Auftritt einer Schülerband sagte ihm einmal eine Ministerin, dass es mehr Musiklehrer wie ihn geben sollte. „Dabei bin ich gar kein Musiklehrer“, grinst Köhrsen. Seine Studienfächer waren Deutsch und Sport. 1979 wurde er Lehrer am Gymnasium Elmschenhagen, weckte bei den Schülern die Liebe zur Literatur, legte ihnen Theodor Storm ans Herz, „weil die Novellen so toll gemacht sind“ – und fand zwischen Vorgaben der Lehrpläne und Interessen der Jugendlichen immer „etwas, was Spaß macht.“

15 Jahre lang fuhr er in seiner Freizeit auch sonnabends zur Schule zu seiner Rollschuh-AG. „Es war mir eine Herzensangelegenheit, dass die Kinder Rollschuh laufen und Freude an Bewegung haben.“ Als Computer den Siegeszug antraten, arbeitete er sich intensiv in die Materie ein und unterrichtete fortan Informatik, damit Schüler „Strategien entwickeln können, um Probleme zu lösen“.

 Nach dem großen Erfolg des Rockmusicals „Zoff“ gründeten Lothar Köhrsen und Gunter Hagelberg 1990 den Verein „junges theater spectaculum“. Hagelberg war früher Köhrsens Deutschlehrer an der Max-Planck-Schule gewesen. Beide wollen jungen Menschen Musik und Theater näher bringen, aber nicht in fertigen Stücken, sondern als Arbeitsprogramm. So möbelte Köhrsen seinen Deutschunterricht mit Theaterstücken und Musicals auf, die gemeinsam entwickelt wurden, wie „Überall ist es besser“, „Kinderkram“ und „Mozi“. Die Schulleitung unterstützte die Projekte: „Daran werden sich die Schüler später erinnern“, hieß es.

 Vier Mädchen der achten Klassen fanden sich 2008 mit Köhrsens Unterstützung als Band „Luzi“ zusammen und spielten Rockmusik mit deutschen Texten, etwa: „...zu jung, zu jung für die Liebe, zu alt für ein Spiel, du willst viel zu früh von mir viel zu viel.“ Wiebke Hein erinnert sich noch an eine Fahrt mit „Luzi“ und Lehrer Köhrsen zum Jugendmusikfestival auf dem Knivsberg: Vier alberne Mädchen mit Instrumenten, einem kompletten Schlagzeug, zwei Keyboards und Gesangsanlage im voll bepackten VW-Bus. Viele Auftritte folgten. „Das hat super viel Spaß gemacht“, erzählt Marie Reinhart (22), die heute Soziologie und Anglistik studiert.

Auch mit der Schulband „Sunburst“, die seit fünf Jahren besteht, tourte Köhrsen in seiner Freizeit durch das Land, allein zweimal zur „Shadows Music Convention“ nach Verden. „Das war das Beste“, sagt Niko Strietholt, „wir waren die jüngsten Teilnehmer und die einzigen mit eigenen Stücken.“ Gitarrist Kurosch Karimaghaei ist seinem Lehrer dankbar: „Ohne ihn hätte ich musikalisch nie etwas angefangen.“

 Zum Abschied möchte Köhrsen keine Geschenke und ja keine Reden, sondern nur Musik, Musik, Musik. Schulbands, die Lehrerband „Halbtagsjob“ und befreundete Musiker sollen am Mittwoch, 20. Juli, ab 19 Uhr vor geladenen Gästen im Musiksaal noch einmal mit ihm zusammen so richtig in die Saiten greifen, in die Tasten hauen und die Drums schwingen lassen. Zur Ruhe setzt Köhrsen sich dann noch lange nicht: Die Arbeit macht dem verheirateten Vater von zwei erwachsenen Söhnen und Großvater von zwei Enkelkindern einfach so viel Spaß, dass er in Zukunft im Wirtschaftsgymnasium unterrichten und seine Gitarrenklasse in Elmschenhagen weiter leiten wird. „Ich weiß nicht, warum ich aufhören soll, etwas zu machen, was ich gelernt habe und was mir Freude macht.“

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