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Manuela Quade ist die „Superwoman“

Serie Kieler Originale Manuela Quade ist die „Superwoman“

Ein Kieler Original? „Das ist schwierig, das von sich selbst zu behaupten“, sagt Manuela Quade (40). Als sie einem Bekannten erzählt hatte, dass sie von einer KN-Leserin dafür vorgeschlagen wurde, lachte der nur und meinte: „Ja, Ela, das passt doch!“ Denn die Holtenauranerin ist umtriebig wie keine zweite.

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„Ich mag Menschen und ich mag es, kognitiv gefordert zu sein“, sagt Manuela Quade. In der Stadtteilbücherei Holtenau kümmert sie sich ehrenamtlich um die Kinder und denkt sich immer wieder neue Aktionen aus – vom Flugzeugebasteln bis zur Kuschellesestunde mit Zauberäpfeln.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Sie ist Mitglied im Holtenauer Kirchengemeinderat, singt im Gospelchor, arbeitet ehrenamtlich in der Stadtteilbücherei, kümmert sich um Senioren und hilft als Mitarbeiterin des örtlichen Supermarkts manchmal ziemlich unkonventionell.

 Wir treffen Manuela Quade in der Bücherei, wo sie jeden Montag ab 14 Uhr ehrenamtlich die Kinder bespaßt. „Holtenau ist ein Dorf“, sagt Manuela Quade und setzt sich auf die kleinen Kinderstühle in der Leseecke. „Man kennt sich und man hilft sich.“ Aufgewachsen ist die 40-jährige Singlefrau im Lindenweg. „Im Altersheim nebenan bin ich groß geworden, hatte 100 Omas und Opas. Ganz schmerzfrei bin ich dort ein- und ausgegangen.“ Eine Ecke weiter war die Kirche, auch da gab es keine Berührungsängste. „Der damalige Küster ließ mich die Kirche begreifen. Ich hab’ mit ihm die Erntekrone und den Adventskranz aufgehängt, beim Glockenläuten geholfen und die Kollekte mit eingesammelt“, erzählt sie. Gerade mal sechs Jahre alt war sie da. Ihre Eltern waren nicht sehr gläubig, ließen ihren kleinen Wirbelwind aber gewähren. Schon damals war für sie klar: „Eines Tages sitz’ ich mal selbst im Kirchenvorstand.“

 Bei den Kinderbibeltagen war sie Stammgast, erst als Teilnehmerin später als Betreuerin. Sie gründete den örtlichen Spielmannszug mit und lernte beim Babysitten den Nachwuchs in der Nachbarschaft kennen. Dann folgte der Realschulabschluss und der Abschied von Holtenau. In den Städten Wissen, Essen und Dortmund ließ sie sich zur Erzieherin für lernbehinderte und schwer erziehbare Jugendliche ausbilden. Als sie immer mehr Schwangere in ihrer Gruppe hatte, packte sie Kondome zum Taschengeld und bekam einen Rüffel: „Ich würde die Mädchen zum Sex anstiften, hieß es“, erinnert sie sich. Wenig später schmiss sie vier Monate vor der Prüfung alles hin und zog zurück in den Norden.

 Sieben Jahre pflegte sie ihren Vater, der an Parkinson erkrankt war, drei Jahre ihre Mutter, die Krebs bekam. Geld verdiente sie bei einer Zeitarbeitsfirma und liebte es. „Es ist nichts für mich, wenn ich schon vorher weiß, was ich übermorgen mache“, sagt sie lachend. Sie verkaufte Schnitzel auf der Autobahnraststätte Aalbek („da bekam ich sogar einen Chauffeur, weil ich keinen Führerschein habe“), verdiente ihr Geld in einem Hotel in Strande, bei der Kurzzeitpflege in Kiel oder bei Mobilcom in Büdelsdorf in der Logistik.

 Seit 14 Jahren arbeitet sie nun beim örtlichen Supermarkt in Holtenau und mischt den Stadtteil ordentlich auf. Als ein Frühlingsfest organisiert werden sollte, packte sie mit an. Sie bringt neue Ideen im Kirchengemeinderat ein, hält im Notfall auch schon mal selbst einen Gottesdienst oder plant mit ihrem Gospelchor die nächste Reise nach Südafrika. Um das Bingospielen der Senioren aufzupeppen, verkleidet sie sich gerne mal als Eisverkäufer „Luigi“ und verteilt Erdbeer- und Vanilleeiskugeln. Sieht sie einen älteren Kunden im Supermarkt, der schwer zu tragen hat, bringt sie ihm die Taschen nach Feierabend mit dem Rad vorbei.

 Nebenher versorgt sie immer mal wieder alte Holtenauer zu Hause. „Mit dem Windelwechseln habe ich keine Probleme“, sagt sie pragmatisch. Als die Stadtteilbücherei in Holtenau geschlossen werden sollte, gründete sie mit anderen den Förderverein „Lesezeichen“. Auch als die Stadt Kiel dann im Jahr 2011 wieder mit ins Boot kam, blieb sie „ihren“ Kindern treu und denkt sich unermüdlich besondere Aktionen aus. „Ich liebe Kinder und Senioren“, sagt sie und grüßt einen kleinen Jungen, der freudestrahlend zwischen all den Büchern auf uns zukommt. Als „Superwoman“ von Holtenau sieht sie sich trotzdem nicht. Bescheiden sagt sie: „Das hat sich halt immer alles so ergeben.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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