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Prinz Willy bietet anderen eine Bühne

Kieler Originale Prinz Willy bietet anderen eine Bühne

Ideen hat Willy viele. Der geschätzt 50-Jährige – sein genaues Alter will er nicht nennen – mit dem auffälligen, kahlen Kopf sitzt er auf einem Sofa im Musikcafé „Prinz Willy“ am Südfriedhof und streichelt seinen Hund Bubi. Er erzählt von Veranstaltungen und Plänen. Das sind einige, Willy hat viel zu erzählen.

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Willy heißt eigentlich Jörg Wentorf. Vor zwölf Jahren eröffnete er sein Café „Prinz Willy“ in der Lutherstraße. Treuer Begleiter an seiner Seite ist Hund Bubi, benannt nach dem Boxer Bubi Scholz.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Gerade hat er eine Leinwand aufgehängt, auf der er die Spiele der Europameisterschaft zeigt. „Ja, ab jetzt kann man hier auch Fußball gucken“, sagt er und fügt lächelnd hinzu, dass er sich selbst ja gar nicht dafür interessiert.

 Willy heißt eigentlich Jörg Wentorf. Unter dem Namen Willy ist er in Kiel aber schon lange bekannt, nicht erst seit der Eröffnung seines Cafés „Prinz Willy“ in der Lutherstraße vor fast zwölf Jahren. Irgendwann hat er mal an der Muthesiusschule Kunst studiert, erzählt er. Mit Konzeptkunst machte er sich dann zu Beginn der 2000er-Jahre nicht nur in der Kieler Kunstszene einen Namen. Unter der Überschrift „Willy unterwegs“ fuhr er während der Kieler Woche mit einem Kleinbus durch die Landeshauptstadt. Er zeigte den Mitreisenden, wo Kieler Künstler leben und arbeiten. Mit „Willy geht mit“ bot er 2003 einen Begleitservice an. Zwei Stunden lang begleitete er jeden, der ihn buchte. Ganz egal, wohin es ging. Ein Jahr später versuchte er sich mit „Willys Job“ in mehr als 100 verschiedenen Berufen. Die Fotos dieses Experiments stellte er in einer Ausstellung aus. Im gleichen Jahr gründete er das „Prinz Willy“.

 „Ich wollte ursprünglich ein Atelier haben, um zu arbeiten“, erzählt Willy. Als Konzeptkünstler brauche er aber kein richtiges Atelier, wie ein Bildhauer oder Maler. Deshalb eröffnete er ein Café. Dieses sollte ein Ort werden, an dem Leute zusammenkommen und etwas passiert. Willy wollte dabei zuschauen, vielleicht ein wenig die Leute beobachten und so neue Ideen entwerfen.

 Inzwischen ist das „Prinz Willy“ eine feste Größe in der Singer-Songwriterszene. „Das hat sich einfach so entwickelt“, sagt Willy achselzuckend. Mehrmals wöchentlich treten hier Künstler auf. Einige Musiker, die hier auf der Bühne standen, sind inzwischen deutschlandweit bekannt: Gisbert zu Knyphausen etwa oder Andreas Kümmert. Eine Gage erhalten sie für ihren Auftritt nicht. Der Hut geht nach jedem Konzert im Publikum herum. Trotzdem bekommt Willy jede Woche mehr als 30 Bewerbungen. Das hängt sicherlich auch mit ihm selbst zusammen.

 Er kümmert sich um seine Musiker, organisiert ihnen Schlafmöglichkeiten, sorgt für ihre Verpflegung und hält die Kontakte. Viele Musiker kommen regelmäßig immer wieder ins „Prinz Willy“.

 Aber Willy ist auch außerhalb seines Cafés unterwegs. Seit 2011 gastiert das „Prinz Willy“ im Sommer regelmäßig in Stein am Strand. Zusammen mit der Surfschule „Tatort-Hawaii“ stellt der Künstler und Kneipier im Juli und August mehrere Open-Air-Konzerte auf die Beine. Außerdem kooperiert er mit dem Muddi Markt auf der Kieler Woche. Auch in diesen Tagen finden hier auf seine Initiative wieder viele Konzerte statt. Zum ersten Mal ist das „Prinz Willy“ dieses Jahr auch in der Forstbaumschule zu Gast. „Das ist eine tolle Location, die Leute sind unglaublich nett, und die Atmosphäre ist wirklich besonders“, schwärmt Willy. Von Mai bis September organisiert er auch hier jeden Mittwoch Konzerte verschiedener Musiker. „Ich kann mir gut vorstellen, das im nächsten Jahr vielleicht wieder zu machen“, sagt er begeistert.

 Bis dahin überlegt er, sonntagabends den „Tatort“ zu zeigen. „In Berlin ist das ja schon ein richtiger Trend, gemeinsam den Tatort zu gucken. Warum also nicht in Kiel?“ Außerdem will er auf seiner Homepage eine Konzertvermittlung einrichten. Für Hauskonzerte, Geburtstagsfeiern, Straßenfeste oder Gartenpartys würde Willy auf Wunsch Musiker vermitteln. „Ich bin schon häufiger darauf angesprochen worden, ob ich so etwas nicht machen könnte. Das werde ich dann jetzt mal angehen“, sagt er. Außerdem gibt es im „Prinz Willy“ regelmäßig auch eine Tauschbörse für Panini-Bilder-Sammler und ein Flohmarkt findet auch bald wieder statt. „Und bei Einblick-Ausblick der Muthesius Kunsthochschule haben wir in diesem Jahr auch wieder einen Stand im Innenhof“, fällt Willy noch ein. An Ideen mangelt es also Willy nicht.

Hier ein Videobeitrag aus diesem Jahr zu Willy.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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